Aktuell · 18.07.2026 17:02
Jens Spahn tritt nach Debatte über Leihmutterschaft als Fraktionschef zurück
Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, hat am 18. Juli 2026 seinen Rücktritt erklärt. Auslöser ist die Kritik an seiner Familiengründung durch eine Leihmutter in den USA, obwohl diese Praxis in Deutschland verboten ist…
Berlin – 18.07.2026: Jens Spahn ist als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurückgetreten. Der Schritt folgt auf die heftige Debatte über die Elternschaft des CDU-Politikers und seines Ehemanns Daniel Funke durch eine Leihmutter in den USA. Spahn teilte seinen Rücktritt am Samstag der Fraktion mit und informierte nach Medienberichten zuvor die Parteivorsitzenden Friedrich Merz und Markus Söder.
Die Diskussion hatte sich innerhalb weniger Tage zugespitzt. Funke hatte die Geburt des gemeinsamen Sohnes öffentlich gemacht. Anschließend wurde bekannt, dass eine Leihmutter in den Vereinigten Staaten das Kind ausgetragen hatte. Spahn bestätigte die Entscheidung und erklärte zuvor, er habe lange mit sich gerungen. Die Kritik richtete sich dabei nicht gegen das Kind oder die Familie, sondern gegen den politischen Widerspruch.
Leihmutterschaft ist in Deutschland nach dem Embryonenschutzgesetz untersagt. Die CDU Deutschlands hatte ihre ablehnende Haltung zuletzt auf einem Parteitag im Februar 2026 bekräftigt. Spahn hatte sich auch in früheren politischen Funktionen gegen eine Lockerung der Regeln ausgesprochen. Kritiker warfen ihm deshalb vor, privat einen Weg genutzt zu haben, den er für andere in Deutschland politisch nicht ermöglichen wollte.
Besonders deutlich kamen Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen. Daniel Peters, CDU-Landesvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern, erklärte, Spahn sei als Fraktionsvorsitzender nicht mehr tragbar. Auch weitere Unionspolitiker verlangten eine nachvollziehbare Erklärung für die Differenz zwischen der persönlichen Entscheidung und der von der CDU vertretenen Rechtslage. In der Fraktion wuchs damit der Druck auf den 46-Jährigen erheblich.
Spahn erklärte in seinem Schreiben, die öffentliche Auseinandersetzung habe ihn nachdenklich gemacht. Seine Familie habe für ihn höchste Priorität. Zugleich verwies er auf die zunehmende Härte der Debatte und appellierte für einen menschlichen Umgangston. Mit dem Rücktritt gibt er den Vorsitz der gemeinsamen CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag ab; seine Mitgliedschaft im Parlament ist davon nicht betroffen.
Für Bundeskanzler Friedrich Merz und die Union entsteht damit mitten in der Sommerpause eine wichtige Personalfrage. Der Fraktionsvorsitz ist zentral für die Abstimmung zwischen CDU, CSU und den übrigen Kräften im Bundestag. Die Parteiführung muss nun klären, wer die Fraktion bis zu einer möglichen Neuwahl führen soll und wie sie mit der grundsätzlichen Debatte über das deutsche Verbot der Leihmutterschaft umgeht.
Der Fall zeigt zugleich, wie stark persönliche Lebensentscheidungen bei führenden Politikern politische Folgen haben können, wenn sie mit programmatischen Positionen kollidieren. Die Auseinandersetzung betrifft nicht nur Spahns politische Glaubwürdigkeit. Sie hat auch eine erneute Diskussion darüber ausgelöst, ob die geltenden deutschen Regeln zur Leihmutterschaft beibehalten oder grundlegend überprüft werden sollten.
Quellen
- tagesschau
- Bayerischer Rundfunk
- The Guardian
- Europa Press