Tag & Nacht

Am Abend des 7. Juli 2024 brachen in ganz Frankreich spontane Feiern aus. Der unerwartete Wahlerfolg des Nouveau Front Populaire (NFP) bei den Parlamentswahlen und die Niederlage des Rassemblement National (RN) versetzten Tausende in Euphorie. In Paris, Marseille, Bordeaux und vielen anderen Städten strömten die Menschen auf die Straßen, um den historischen Moment zu feiern. Doch neben den Feiern gab es auch Spannungen und Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften in Rennes und Nantes.

Freudentaumel in Paris

Auf der Place de la République in Paris versammelten sich Tausende Menschen – laut der Polizeipräfektur waren es etwa 8.000 – und feierten ausgelassen den Erfolg des NFP. Die Erleichterung war groß, doch die Sorge über den anhaltenden Einfluss des RN bleibt bestehen. Fabio de la Fontaine, ein 21-jähriger Student, fasste die Stimmung treffend zusammen: „Wir dachten, wir würden heute Abend wütend sein. Am Ende sind wir aber sehr glücklich und umarmen sogar Fremde.“

Stimmen der Menge

Nicolas Notis, ein 28-jähriger Ingenieur, schwenkte stolz eine große französische Fahne und erklärte: „Das wahre Frankreich ist das, das gegen Faschismus und Kapitalismus kämpft.“ Auch Doria Ducly Benglia, 29 Jahre alt, zeigte sich tief bewegt und sagte: „Heute haben wir den Faschismus gestoppt, das ist ein historischer Tag.“ Beide äußerten sich gegenüber dem Sender France 24.

Die Freude über den Wahlsieg war allgegenwärtig, doch nicht jeder war vollkommen zufrieden. Yvan Grimaldi, ein 61-jähriger Sozialarbeiter, äußerte seine gemischten Gefühle: „Ich bin erleichtert, aber nicht völlig zufrieden. Wir haben die extreme Rechte etwas zurückgedrängt, aber das ist noch nicht das Ende.“

Spannungen in anderen Städten

Während die Feiern in Paris weitgehend friedlich verliefen, kam es in anderen Städten zu Spannungen. In Rennes und Nantes, wo ebenfalls große Menschenmengen auf die Straßen gingen, kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Rennes: Verbotene Versammlung

In Rennes versammelten sich etwa 750 Personen trotz eines Verbots der Präfektur auf der Place de la République. Die Polizei war zahlreich vor Ort, um die Menge zu kontrollieren. Als die Demonstranten versuchten, ins historische Zentrum von Rennes zu gelangen, kam es zu Auseinandersetzungen. Steine und andere Gegenstände wurden geworfen, woraufhin die Polizei Tränengas einsetzte. Bis zum Abend wurden 25 Personen festgenommen.

Nantes: Gewalt und Verhaftungen

Auch in Nantes kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. 2.500 Menschen versammelten sich im Stadtzentrum und zogen in einem Umzug durch die Straßen. Die Polizei setzte mehrfach Tränengas ein, um die Menge zu zerstreuen. Feuerwerkskörper und Flaschen flogen in Richtung der Sicherheitskräfte. Ein Polizist wurde durch einen Molotowcocktail verletzt und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Drei Personen wurden festgenommen.

Marseille: Ein friedlicher Protest

In Marseille verliefen die Feierlichkeiten größtenteils friedlich. 5.000 Menschen, viele von ihnen Jugendliche, marschierten durch das Stadtzentrum und skandierten Slogans gegen den RN. Der Protest, der von verschiedenen Verbänden und Gewerkschaften organisiert wurde, zeigte die breite Ablehnung des RN in der zweitgrößten Stadt Frankreichs.

Ein geteiltes Land

Die Parlamentswahlen in Frankreich haben gezeigt, wie gespalten das Land derzeit ist. Während die Anhänger des NFP ihren überraschenden Wahlerfolg feierten, bleibt die Sorge über die Zukunft und den Einfluss des RN bestehen. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, wie sich die politische Landschaft weiterentwickeln wird und ob der NFP seine Versprechen umsetzen kann.

Diese Wahlen haben ein neues Kapitel in der französischen Politik aufgeschlagen. Der Jubel in den Straßen und die gleichzeitigen Auseinandersetzungen spiegeln die komplexen Gefühle und die tiefen Gräben wider, die das Land durchziehen. Doch eins steht fest: Frankreich hat sich verändert – und das wird noch lange nachhallen.


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