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Abonnenten · 05.09.2025 09:00

Klassenzimmer im Hitzestress – Warum Frankreichs Schulen dringend klimafit werden müssen

Die Schulglocke läutet, Kinder strömen in die Klassenzimmer, Lehrer sortieren ihre Unterlagen – ein gewohntes Bild zum Schuljahresbeginn. Doch hinter dieser Routine steckt ein wachsendes Problem: Ein erheblicher Teil der französischen Schulgebäude ist schlicht...

Die Schulglocke läutet, Kinder strömen in die Klassenzimmer, Lehrer sortieren ihre Unterlagen – ein gewohntes Bild zum Schuljahresbeginn. Doch hinter dieser Routine steckt ein wachsendes Problem: Ein erheblicher Teil der französischen Schulgebäude ist schlicht nicht bereit für die Realität des Klimawandels.

Zwischen 20 und 30 Prozent der Einrichtungen gelten laut einem aktuellen Bericht der „Alliance climatique et sociale“ als marode und ungeeignet, um Schüler und Lehrkräfte vor den immer extremeren Wetterlagen zu schützen. Sommerlicher Hitzestress, winterliche Kälteperioden, Feuchtigkeitsschäden – für viele Schulen ist das längst Alltag.


Wenn Lernen zur körperlichen Belastung wird

Stellen Sie sich vor: ein Klassenzimmer mit 35 Grad im Schatten, der Ventilator surrt schwach in der Ecke, während die Schüler ihre Hefte festhalten, damit die Seiten nicht am schweißnassen Arm kleben bleiben. Oder ein Raum im Januar, in dem die Jacken nicht ausgezogen werden, weil das Thermometer bei knapp über zehn Grad stehenbleibt.

Genau solche Szenen beschreiben Lehrerinnen und Lehrer in Frankreich. In einer großen Befragung von über 9.000 Beschäftigten in der Bildung gaben 95 Prozent an, unter drückender Hitze zu leiden, 61 Prozent sprachen von frostigen Bedingungen im Winter. Hinzu kommen marode Dächer mit Wassereinbrüchen, Schimmel an den Wänden und sogar Asbestbelastung in älteren Gebäuden.

Bildung soll Türen öffnen – hier aber stoßen Kinder und Lehrkräfte an Grenzen, die eigentlich längst der Vergangenheit angehören müssten.


Der Ruf nach einem „Marshallplan für Schulen“

Greenpeace, Oxfam, die Lehrergewerkschaften CGT Éducation und Snes-FSU: Sie alle schlagen Alarm. Gemeinsam fordern sie nichts weniger als einen Sanierungsplan in Milliardenhöhe, verteilt auf ein Jahrzehnt.

Die Rechnung ist einfach: Mit diesen Investitionen könnten Schulgebäude klimatauglich gemacht, Dämmungen verbessert, Belüftungssysteme eingebaut und erneuerbare Energien genutzt werden. Statt hitzeflirrenden Klassenzimmern gäbe es dann Räume, in denen man sich wieder auf das Lernen konzentrieren kann.

Doch bislang bleibt dieser Plan ein Wunschzettel.


Regierungsinitiative: ein Tropfen auf den heißen Stein?

Die französische Regierung hat die Probleme erkannt – zumindest teilweise. 2023 startete das Programm „EduRenov“. Zwei Milliarden Euro bis 2027, rund 10.000 Gebäude sollten davon profitieren.

Die Bilanz nach zwei Jahren: Gerade einmal 3.000 renovierte Schulen. Bei über 58.000 Einrichtungen im Land ist das kaum mehr als ein Anfang. Kritiker sprechen von Symbolpolitik.

Die Frage, die sich aufdrängt: Reicht ein solches Stückwerk, wenn die Hitzeperioden immer länger und die Winter extremer werden?


Mehr als nur Baupolitik – ein soziales Thema

Die maroden Schulen sind nicht gleichmäßig über das Land verteilt. Besonders in benachteiligten Vierteln stehen die ältesten, am schlechtesten ausgestatteten Gebäude. Dort, wo Kinder ohnehin mit sozialen Hürden kämpfen, kommt also noch die physische Belastung in der Schule hinzu.

Das ist nicht nur eine Frage von Klimaresilienz, sondern auch von Gerechtigkeit. Eine Gesellschaft, die Bildung als Chance begreift, darf sich keine Klassenzimmer leisten, in denen die Gesundheit der Kinder aufs Spiel gesetzt wird.

Hinzu kommt die ökologische Dimension: Französische Schulgebäude verursachen 1,5 Prozent der landesweiten Treibhausgasemissionen. Jeder Euro in Sanierung spart also nicht nur Energie, sondern trägt auch zum Klimaschutz bei.


Was auf dem Spiel steht

Die Diskussion dreht sich längst nicht mehr nur um marode Fensterrahmen oder defekte Heizungen. Es geht um das Fundament des Bildungssystems. Schulen sind Orte, an denen Kinder nicht nur Wissen aufnehmen, sondern auch ein Gefühl von Sicherheit, Stabilität und Zukunft entwickeln sollen.

Wie soll das funktionieren, wenn sie schwitzend oder frierend über ihren Heften sitzen?

Die Antwort der Allianz aus NGOs und Gewerkschaften ist klar: Es braucht jetzt den großen Wurf, keine halbherzigen Reparaturen. Ein Sanierungsplan, der sowohl die Klimakrise als auch die soziale Frage ernst nimmt, könnte Frankreichs Schulen wieder zu dem machen, was sie sein sollten – Räume der Chancen, nicht der Belastungen.


Ein Weckruf zum Schuljahresstart

Die Rentrée 2025 ist damit weit mehr als ein organisatorischer Akt. Sie ist ein Weckruf. Frankreichs Schulen stehen an der Schnittstelle von Klimapolitik, Sozialpolitik und Bildungsauftrag.

Wer hier spart, spart an der Zukunft der Kinder. Und wer investiert, investiert nicht nur in Beton und Dämmmaterial – sondern in Köpfe, in Gerechtigkeit, in ein Land, das auch unter schwierigen Klimabedingungen lernfähig bleiben will.

Die Frage ist also nicht, ob sich Frankreich diese Investitionen leisten kann. Die Frage ist: Kann es sich leisten, sie nicht zu tätigen?

Autor: C.H.

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