Aktuell · 24.06.2026 12:51
Klimabedingte Schäden durch Dürre belasten Versicherungen zunehmend
Dürreperioden verursachen in Frankreich über die Hälfte der Schäden durch Naturkatastrophen und treiben die Kosten für Versicherungen erheblich in die Höhe.
Paris – 24.06.2026: Dürreereignisse nehmen in Frankreich einen immer größeren Anteil an den Gesamtschäden durch Naturkatastrophen ein. Laut der Caisse centrale de réassurance (CCR), dem staatlichen Rückversicherer, machen Dürreschäden inzwischen mehr als die Hälfte aller Katastrophenschäden aus, was die Versicherungsbranche vor erhebliche finanzielle Herausforderungen stellt.
Der vierten Jahresbericht der CCR zur Naturkatastrophenentschädigung (Cat Nat) vom Februar 2026 unterstreicht die Dringlichkeit, das bestehende System angesichts der zunehmenden klimatischen Risiken grundlegend zu überarbeiten und zu stärken. Der Bericht enthält 14 Empfehlungen, um die Versicherbarkeit der rund 36 Millionen in Frankreich versicherten Objekte langfristig zu sichern.
Vor allem die Häufigkeit und Intensität der Dürreperioden nehmen merklich zu. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich die jährlichen Kosten für Dürreschäden verdoppelt. Prognosen lassen befürchten, dass die Schäden bis zum Jahr 2050 um bis zu 60 Prozent steigen könnten.
Die Konsequenz zeigt sich unmittelbar in der Prämiengestaltung: Seit dem 1. Januar 2025 wurde die so genannte "Surprime CatNat" von 12 auf 20 Prozent angehoben, um die wachsenden finanziellen Belastungen auszugleichen. Diese Anpassung wird 2026 vollständig auf einzelne Versicherungsverträge übertragen.
Im April 2026 warnte zudem die Cour des comptes (Rechnungshof) vor der zunehmenden finanziellen Belastung des Cat-Nat-Systems. Ihr Bericht prognostiziert, dass die staatliche Garantie im Zusammenhang mit Naturkatastrophen bis 2030 auf bis zu eine Milliarde Euro jährlich steigen könnte. Diese Kostensteigerung stellt eine Herausforderung für den Staatshaushalt und die Versicherten gleichermaßen dar.
Um die Resilienz betroffener Regionen zu verbessern, hat die französische Regierung weitere Schritte unternommen. Im Juni 2026 wurde der erste Bericht des von der CCR betriebenen Observatoriums für Versicherbarkeit an die Ministerin für ökologische Transition, Monique Barbut, und den Wirtschaftsminister, Roland Lescure, übergeben. In diesem Bericht werden die Auswirkungen des Klimawandels auf die Versicherungsdeckung analysiert und konkrete Empfehlungen zum Umbau des Systems gegeben.
Trotz dieser Maßnahmen bleibt unklar, ob das aktuelle Cat-Nat-System mittelfristig unter den sich verschärfenden klimatischen Bedingungen tragfähig bleibt. Experten erwarten, dass weitere Anpassungen, finanzielle Investitionen und vielleicht auch strukturelle Reformen notwendig sind, um die Versicherbarkeit insbesondere in den am stärksten von Dürre betroffenen Gebieten zu gewährleisten.
Insgesamt zeigt sich, dass die klimabedingten Dürreschäden in Frankreich nicht nur ökologische Folgen haben, sondern auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Versicherer und Versicherte maßgeblich prägen. Die Branche steht vor der Herausforderung, nachhaltige Lösungen zu finden, um den steigenden Risiken und Kosten gerecht zu werden, ohne die Versicherungskundschaft unverhältnismäßig zu belasten.
Quellen
- Caisse centrale de réassurance
- Cour des comptes
- Monique Barbut
- Roland Lescure