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À la une · 10.04.2025 05:40

Krise im Rathaus: Lyons Bürgermeister unter Druck

Lyon steht Kopf. Der grüne Bürgermeister Grégory Doucet wurde am 9. April 2025 im Zuge laufender Ermittlungen wegen des Verdachts auf Veruntreuung öffentlicher Gelder vorübergehend festgenommen – ein politisches Erdbeben für die sonst so...

Lyon steht Kopf. Der grüne Bürgermeister Grégory Doucet wurde am 9. April 2025 im Zuge laufender Ermittlungen wegen des Verdachts auf Veruntreuung öffentlicher Gelder vorübergehend festgenommen – ein politisches Erdbeben für die sonst so besonnene Rhonestadt.

Was steckt dahinter?

Im Zentrum der Untersuchung stehen sogenannte „Chargés de mission“, also städtische Mitarbeiter mit besonderen Aufgaben. Ein interner Prüfbericht legte offen, dass Lyon seit Jahren deutlich mehr dieser Positionen besetzt hat, als gesetzlich erlaubt ist. Offiziell dürfen französische Städte nur eine begrenzte Zahl politischer Mitarbeiter beschäftigen – in Lyon waren es etwa doppelt so viele. Rund zwanzig zusätzliche Personen hatten ähnliche Rollen inne, obwohl das Gesetz nur zwölf solcher Stellen vorsieht.

Die Frage, die sich stellt: Haben diese Personen tatsächlich verwaltungsbezogene Aufgaben erfüllt oder waren sie in politische Aktivitäten eingebunden? Genau hier setzen die Ermittler an – denn das könnte auf eine bewusste Umgehung gesetzlicher Vorgaben hindeuten.

Und der Bürgermeister?

Grégory Doucet gab sich nach seiner Entlassung am Abend betont gelassen. Etwa zehn Stunden hatte die vorläufige Festnahme gedauert. Seiner Ansicht nach sind die kritisierten Stellen vollwertige Verwaltungsjobs – legitim und notwendig. Sein Vertrauen in die Rechtschaffenheit der Stadtverwaltung sei ungebrochen, ließ er verlauten.

Doch der politische Schaden ist bereits angerichtet. Die Opposition in Lyon reibt sich die Hände, während die Grünen in Verteidigungshaltung verfallen. Auch Georges Képénékian, Doucets Vorgänger, wurde im Rahmen der Ermittlungen bereits befragt. Offenbar reichen die möglichen Unregelmäßigkeiten bis ins Jahr 2016 zurück – lange vor Doucets Amtsantritt. Trotzdem trifft ihn nun die volle Wucht des Skandals.

Man kann es nicht anders sagen: Das Rathaus von Lyon steht unter Druck.

Was auf den ersten Blick wie eine trockene Verwaltungsposse klingt, hat eine weit größere Tragweite. Immerhin geht es um die Frage, wie politischer Einfluss in der Verwaltung genutzt – oder womöglich missbraucht – wird. Wer hier die Grenzen zwischen Verwaltung und politischem Einfluss verwischt, spielt mit dem Vertrauen der Bürger.

Und das bringt uns zu einem brisanten Punkt: Wo endet legitime Personalpolitik und wo beginnt die Veruntreuung öffentlicher Mittel? In einem Klima, in dem viele Bürger ohnehin mit der Politik hadern, wirkt ein solcher Verdacht wie ein Brandbeschleuniger.

Noch ist nichts entschieden. Die Justiz ermittelt weiter, während Doucet und sein Team bemüht sind, die Wogen zu glätten. Doch der Imageschaden bleibt – ganz gleich, wie das Verfahren ausgeht.

Eine rhetorische Frage drängt sich förmlich auf: Wie glaubwürdig bleibt ein politisches Amt, wenn über Wochen hinweg unklar ist, ob seine Inhaber Recht oder Regeln gebeugt haben?

Es bleibt spannend in Lyon. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob Doucet den Kopf über Wasser halten kann – oder ob der Skandal sein politisches Ende bedeutet.

Von C. Hatty

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