FREITAG, 26. JUNI 2026 Anmelden / Beitreten Mitgliedskonto
Zurück

Aktuell · 26.06.2026 13:46

Kritik an Yann Barthès nach “Quotidien”-Sendung über Menschen unter den Dächern während der Hitzewelle

Yann Barthès und seine Sendung "Quotidien" stehen nach einer kontroversen Bemerkung über Menschen, die während der aktuellen Hitzewelle unter den Dächern wohnen, in der Kritik.

Paris – 26.06.2026: Inmitten der andauernden Hitzewelle in Frankreich sorgt eine Äußerung von Yann Barthès, Moderator der Fernsehsendung "Quotidien" auf TMC, für heftige Diskussionen. Am 23. Juni 2026 hatte Barthès in seiner Sendung Menschen, die unter den Dächern leben, in einer Weise kommentiert, die vielfach als unsensibel und herablassend wahrgenommen wird. Er sagte: "Es ist selten, ein universelles Ereignis zu erleben, wir sind alle gleich betroffen. Wenn Sie Bernard Arnault treffen, wird er auch schwitzen. Ein Minister wird auch schwitzen, genauso wie Sie oder Ihr Nachbar über oder unter Ihnen, egal ob Sie im Norden oder Süden wohnen." Im Anschluss fügte er hinzu: "Es gibt jedoch eine Kategorie von Menschen, die mehr betroffen ist als alle anderen. Es sind diejenigen, die unter den Dächern wohnen. Und sie betonen es. Also fühlen sie sich berechtigt, lauter zu sprechen, weil 'Ich wohne unter den Dächern!'"

Diese Aussage rief insbesondere wegen der Privilegierung aufseiten der Ärmsten und der bereits vielfach kritisierten Wohnsituation in Dachgeschossen starke Reaktionen hervor. Viele Menschen in Frankreich, vor allem solche mit geringem Einkommen, leben in schlecht isolierten Dachwohnungen, weshalb sie unter der Hitze besonders leiden. Die Abgeordnete Manon Aubry von La France Insoumise (LFI) verwies darauf, dass 37 Prozent der Haushalte mit niedrigem Einkommen von der Hitze besonders betroffen seien, verglichen mit 18 Prozent der wohlhabenderen Haushalte. Gleichzeitig leben ärmere Familien überdurchschnittlich oft in Wohnungen unter den Dächern, die im Sommer massive Belastungen verursachen.

Clémence Guetté, stellvertretende Vorsitzende der LFI in der Nationalversammlung, kritisierte Barthès' Bemerkung als Ausdruck einer „Indiskretion der Privilegierten“ und unterstrich, dass die Folgen der Hitzewelle ungleich verteilt seien. Die Kritik richtet sich gegen eine Verharmlosung sozialer Ungleichheit bei der Bewältigung extremer Wetterlagen.

Barthès selbst zeigte sich wenig einsichtig und reagierte auf Nachfragen des Mediums "Libération" mit einem spöttischen "Ernsthaft?" Die "Quotidien"-Redaktion verzichtete darauf, sich für die Äußerung zu entschuldigen oder das Thema in späteren Sendungen aufzugreifen.

Diese Kontroverse hat eine Debatte über die Verantwortung von Medien eröffnet, soziale Ungleichheiten gerade in Zeiten von Umwelt- und Klimakrisen stärker zu berücksichtigen. Die Diskussion zeigt, dass extreme Wetterereignisse nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen treffen – und fordert von der Gesellschaft und den Medien Sensibilität für diese Unterschiede. Gerade in Frankreich, wo Hitzeperioden infolge des Klimawandels zunehmen, gewinnen die Lebensbedingungen in belasteten Wohnsituationen an Bedeutung. Die öffentliche Debatte um Barthès' Bemerkung verdeutlicht, wie stark soziale Faktoren in Umweltfragen verwoben sind und dass sie in der Berichterstattung umfassender Beachtung finden müssen.

Quellen

Nachrichten per E-Mail erhalten

Mit dem kostenlosen Mitgliedskonto von France Premium legen Sie fest, welche Hinweise Sie per E-Mail bekommen möchten: sofort bei wichtigen Meldungen oder als ruhige Tageszusammenfassung.

  • News und Tageszeitung nach Ihren Interessen
  • Wetter- und Verkehrshinweise für gewählte Regionen
  • Fußball-Liveereignisse zu ausgewählten Teams
  • Rezepte, Kultur, Veranstaltungen und Premium-Hinweise
Newsletter bestellen

Die Anmeldung ist kostenlos. Sie können Ihre Auswahl jederzeit im Mitgliedskonto ändern oder abbestellen.