Alle Artikel · 26.03.2025 07:05
„La patrie a besoin de vous“ – Mehr als 12.000 neue Bewerber für die französische Reserve
Ein Appell mit Wirkung: Seit Anfang des Jahres haben sich über 12.000 Französinnen und Franzosen gemeldet, um Teil der nationalen Reserve zu werden. Eine beeindruckende Zahl – und ein klares Zeichen, dass das Engagement...
Ein Appell mit Wirkung: Seit Anfang des Jahres haben sich über 12.000 Französinnen und Franzosen gemeldet, um Teil der nationalen Reserve zu werden. Eine beeindruckende Zahl – und ein klares Zeichen, dass das Engagement für die Republik wieder an Bedeutung gewinnt.
Macrons Worte als Auslöser
Es war der 5. März, als Präsident Emmanuel Macron in einer Fernsehansprache eindringlich an seine Mitbürger appellierte: „Die Heimat braucht Sie, Ihr Engagement.“ Allein danach gingen 7.500 Bewerbungen auf der Webseite der nationalen Reserve ein. Ob aus patriotischem Pflichtgefühl, wachsender Unsicherheit oder dem Wunsch, vorbereitet zu sein – der Funke scheint übergesprungen zu sein.
Heute zählt Frankreich rund 84.000 Reservistinnen und Reservisten. Das ist mehr als ein Symbol. Es ist ein echtes Netzwerk von Menschen aus der Zivilgesellschaft, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – teils in Uniform, teils im Hintergrund, aber immer im Dienste der Gemeinschaft.
Reservist sein – was heißt das eigentlich?
Viele glauben, man müsse eine militärische Laufbahn hinter sich haben, um Reservist zu werden. Weit gefehlt. Die französische Armee betont ausdrücklich: Auch wer keine Vorerfahrung mitbringt, kann Teil dieses Gefüges werden. Voraussetzung ist lediglich die französische Staatsangehörigkeit, ein Mindestalter von 17 Jahren (bis maximal 72, je nach Aufgabenprofil), körperliche Tauglichkeit und ein sauberer Leumund.
Reservisten können ganz unterschiedlich eingesetzt werden: bei den Streitkräften selbst, in Stäben oder unterstützenden Diensten. Und das Beste: Die Tätigkeit wird vergütet, ist steuerfrei und lässt sich auch als sinnvolle Teilzeitbeschäftigung gestalten.
Zwischen Patriotismus und Pragmatismus
Jules, 20 Jahre alt und Student an einer Ingenieurhochschule, hat gerade zwei Wochen Grundausbildung beim 35. Infanterieregiment in Belfort absolviert. „Ich kannte das Militär nicht wirklich, aber mit dem aktuellen Weltgeschehen dachte ich: Es ist nicht schlecht, zu wissen, wie man sich verteidigt“, sagt er. In seiner Familie war bislang nur der Urgroßvater Soldat – Hubschrauberpilot. Jetzt will Jules vorbereitet sein – „für den Fall, dass man eines Tages gerufen wird“.
Und genau dieses Szenario beschäftigt offenbar viele. Der Krieg in der Ukraine, Spannungen im Nahen Osten, das Wiederaufflammen geopolitischer Konflikte – sie alle werfen Fragen auf. Wer schützt uns, wenn es wirklich ernst wird?
Wirtschaft und Reserve – ein wachsendes Bündnis
Auch in der Wirtschaft wird das Engagement immer sichtbarer. Claire, Personalleiterin bei Equans, einer Tochtergesellschaft des Bouygues-Konzerns, ist selbst seit 2003 Reservistin. Heute unterstützt sie andere in ihrer Firma, die ebenfalls Teil der Reserve werden wollen. „Das Interesse hat in den letzten zwei Jahren stark zugenommen“, berichtet sie. Und das nicht nur bei jungen Leuten – sondern quer durch alle Berufsgruppen.
Über 1.000 Unternehmen haben bereits eine Vereinbarung mit der Nationalgarde unterzeichnet, um ihren Mitarbeitern Einsätze zu erleichtern. Bei Bouygues etwa bekommen Reservisten bis zu zehn Tage Sonderurlaub im Jahr – ohne Gehaltskürzung. Eine klare Botschaft: Patriotismus und Beruf lassen sich durchaus vereinen.
Warum das alles nicht nur ein Trend ist
Das wachsende Interesse an der Reserve ist mehr als ein Strohfeuer. Es spiegelt eine Rückbesinnung auf Gemeinschaft und Verantwortung – in einer Zeit, in der viele Institutionen an Vertrauen eingebüßt haben. Wer sich freiwillig für die Reserve meldet, sagt im Grunde: Ich bin bereit, meinen Teil zu leisten. Und zwar nicht nur, wenn es bequem ist.
In einem Land, das stolz auf seine republikanischen Werte ist, bekommt diese Haltung ein ganz neues Gewicht.
Die Frage ist: Werden es künftig noch mehr?
Von C. Hatty