Alle Artikel · 19.09.2025 09:34
La Seyne-sur-Mer: Polizei erschießt Mann mit Machete vor Schule
Ein spätsommerlicher Donnerstagnachmittag in La Seyne-sur-Mer, einer Hafenstadt unweit von Toulon. Vor dem Collège Henri-Wallon herrscht gegen 16:30 Uhr plötzlich Ausnahmezustand: Ein Mann, bewaffnet mit einer Machete, zieht die Aufmerksamkeit von Passanten und Anwohnern...
Ein spätsommerlicher Donnerstagnachmittag in La Seyne-sur-Mer, einer Hafenstadt unweit von Toulon. Vor dem Collège Henri-Wallon herrscht gegen 16:30 Uhr plötzlich Ausnahmezustand: Ein Mann, bewaffnet mit einer Machete, zieht die Aufmerksamkeit von Passanten und Anwohnern auf sich. Minuten später eröffnen Polizisten das Feuer. Der Mann stirbt.
Die Szene klingt wie aus einem Thriller – doch sie hat sich am 18. September tatsächlich so zugetragen.
Vom Kindergarten zum Collège
Laut ersten Ermittlungen wurde der Mann zunächst vor einer nahegelegenen Kindertagesstätte gesehen. Ein Anwohner alarmierte daraufhin die Polizei. Als die Beamten eintrafen, hatte sich der Bewaffnete bereits in Richtung Collège Henri-Wallon bewegt – mitten hinein in eine Zone, in der sich zu dieser Zeit noch Schülerinnen, Schüler und Eltern aufhielten.
Ein bedrückender Gedanke: Nur wenige Meter trennten den Mann mit seiner Waffe von Dutzenden Kindern und Jugendlichen.
Einsatz mit Taser – dann Schüsse
Die Beamten versuchten, den Mann zum Aufgeben zu bewegen. Er ignorierte jedoch die Aufforderungen, seine Waffe niederzulegen. Zwei Mal setzten die Polizisten den Taser ein – ohne Erfolg.
Dann eskalierte die Situation.
Die Polizisten schossen gezielt auf die Beine des Mannes, insgesamt sechs Mal. Trotz dieses Vorgehens, das den Einsatz tödlicher Gewalt vermeiden sollte, überlebte der Mann nicht.
Ein Schwert mit langer Klinge
Bei der sichergestellten Waffe handelte es sich nicht um ein einfaches Messer, sondern um eine Art Schwert mit einer „mehrere Zentimeter langen Klinge“, wie der Staatsanwalt erklärte. Die Bilder, die sich in den Köpfen vieler Eltern und Anwohner festgesetzt haben dürften, sind entsprechend dramatisch.
Keine Schüler verletzt
So beängstigend die Situation war – zu einem direkten Kontakt mit Schülerinnen oder Schülern kam es nicht. Das betonte die Staatsanwaltschaft ausdrücklich. Für die Menschen vor Ort dürfte das allerdings nur ein kleiner Trost sein.
Denn was bleibt, ist die Erinnerung daran, dass die Bedrohung nur wenige Augenblicke davon entfernt war, in eine Katastrophe umzuschlagen.
Identität und Motiv unklar
Bislang ist die Identität des Mannes nicht bekannt. Ebenso wenig, ob er unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen stand. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gibt es derzeit nicht.
Doch die Fragen liegen schwer in der Luft: Wer war dieser Mann? Was trieb ihn dazu, mit einer Machete in der Hand vor einer Schule aufzutauchen?
Doppelte Untersuchung
Um die Geschehnisse vollständig aufzuklären, laufen gleich zwei Ermittlungen:
- Die Polizei des Departements Var untersucht den konkreten Vorfall.
- Parallel prüft die IGPN, die sogenannte „Polizei der Polizei“, ob die Beamten bei ihrem Einsatz korrekt gehandelt haben.
Ein solches Vorgehen ist Standard in Frankreich, sobald Polizisten ihre Dienstwaffe einsetzen.
Angst, Wut, Erleichterung
Für viele Eltern dürfte der 18. September zu einem Tag werden, den sie nicht so schnell vergessen. Erst der Schock über die Nachricht, dann die Angst um die eigenen Kinder, schließlich die Erleichterung, dass niemand aus der Schülerschaft verletzt wurde.
Und doch bleibt ein mulmiges Gefühl: Die Nähe zur Schule, die Brutalität der Waffe, die Dramatik des Einsatzes – all das zeigt, wie fragil das Sicherheitsgefühl im Alltag sein kann.
Die Ermittlungen stehen am Anfang. Viele Fragen sind offen, viele Antworten werden noch folgen müssen. Klar ist nur: In La Seyne-sur-Mer war dieser Donnerstagnachmittag alles andere als gewöhnlich.
Autor: Daniel Ivers