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Alle Artikel · 26.09.2025 08:28

Legionellen-Alarm in der Savoie: Warum ein ganzes Internat dichtmacht

Ein Internat schließt für einen Monat. Nicht wegen Bauarbeiten. Nicht wegen Ferien. Sondern wegen Bakterien. In Saint-Jean-de-Maurienne, einem beschaulichen Ort in den Savoyer Alpen, bleibt das Internat des Lycée Paul-Héroult bis zum 3. November...

Ein Internat schließt für einen Monat. Nicht wegen Bauarbeiten. Nicht wegen Ferien. Sondern wegen Bakterien.

In Saint-Jean-de-Maurienne, einem beschaulichen Ort in den Savoyer Alpen, bleibt das Internat des Lycée Paul-Héroult bis zum 3. November geschlossen – ausgerechnet wegen Legionellen im Wasser. Die Schüler? Müssen nach Hause oder improvisieren. Der Unterricht? Findet statt, aber nur noch im externen Schulgebäude.

Und das alles mitten in einem beunruhigenden Ausbruchsgeschehen im Département.

Die stille Gefahr im Wasserdampf

Legionellen – das klingt fast nach einem lateinischen Schulprojekt. Tatsächlich handelt es sich um Bakterien, die sich in warmem, stehendem Wasser besonders wohlfühlen. Duschen, Wasserhähne, Klimaanlagen – überall dort, wo sich feuchter Nebel bildet, können sie sich tückisch verbreiten.

Gefährlich wird’s, wenn man sie einatmet. Denn dann können sie eine schwere Lungenentzündung auslösen – die sogenannte Legionellose. Keine Grippe, kein Husten – sondern eine potenziell tödliche Erkrankung, die in schweren Fällen sogar auf der Intensivstation endet.

Genau das ist jetzt passiert. Nicht im Internat selbst, aber in der Umgebung: 45 bestätigte Fälle in der Region Savoie, viele davon im Raum Albertville. Acht Menschen liegen auf der Intensivstation, einer ist bereits verstorben.

Ein ganzes Internat auf Pause

Im Internat des Lycée Paul-Héroult schlugen die Wasserproben an. Legionellen in der Sanitäranlage – für die Verantwortlichen war sofort klar: Hier darf niemand mehr übernachten. Die Schüler? Raus. Die Leitungen? Abgestellt. Und das Gebäude? Stillgelegt.

Aber warum gleich für einen ganzen Monat?

Weil es bei Legionellen kein „bisschen sicher“ gibt. Nur gründlichste Maßnahmen helfen: Thermische Desinfektion, Chlorbehandlung, Spülungen, neue Filter – und jede Menge Geduld, bis die Behörden Entwarnung geben. Ein kleiner Restbestand der Bakterien kann genügen, um alles wieder von vorne zu beginnen.

Was passiert mit den Schüler:innen?

Rund 190 Internatsschüler sind betroffen. Sie müssen für Wochen nach Hause zurück – nicht immer ein Katzensprung in dieser bergigen Region. Wer keine Alternative hat, steht vor einem organisatorischen Kraftakt.

Transport, Mittagessen, Nachhilfe, psychologische Betreuung – all das hängt am Internatsbetrieb. Jetzt muss der Alltag neu organisiert werden, über Nacht. Der Unterricht findet zwar weiterhin statt – aber eben nur für jene, die ihn auch erreichen können.

Ein Schulgebäude als Warnsignal

So seltsam es klingt: Das Internat in Saint-Jean-de-Maurienne ist vielleicht ein Glücksfall im Unglück. Denn es wurde früh getestet, schnell reagiert, öffentlich informiert.

Aber wie viele Schulgebäude, Turnhallen, Schwimmbäder oder Krankenhäuser haben ähnliche Schwachstellen – ohne dass jemand davon weiß?

Gerade in älteren Bauten, mit rostigen Rohren, kaum genutzten Duschen und Warmwassertanks von gestern, können Legionellen regelrechte Nester bilden. Wird dort nicht regelmäßig kontrolliert, gereinigt und gespült, hilft auch kein Trinkwasser-Siegel mehr.

Wer trägt die Verantwortung?

In Frankreich sind die Gesundheitsämter (ARS), Präfekturen und staatlichen Kontrollstellen verantwortlich für die Überwachung solcher Risiken. Doch oft fehlt das Personal, manchmal das Budget, und nicht selten schlicht die Routine.

Die Folgen spüren dann die Schulen, Gemeinden und letztlich die Familien.

Dabei wäre vieles planbar: Regelmäßige mikrobiologische Tests, Temperaturkontrollen, technische Sanierungen. Vieles davon ist Vorschrift – wird aber nicht immer umgesetzt.

Und jetzt?

Noch lässt sich nicht sagen, ob der Legionellenherd im Internat wirklich Auslöser für neue Fälle war – die Behörden betonen, es gebe keine gesicherten Hinweise auf eine konkrete Quelle. Aber klar ist: Der Vorfall wird Spuren hinterlassen.

In den Köpfen der Schüler, die wochenlang aus ihrem Alltag gerissen werden.

In den Haushaltsplänen der Schulleitung, die plötzlich Notlösungen stemmen muss.

Und vielleicht auch in den Köpfen der Verantwortlichen – als Signal, dass Prävention nicht verhandelbar ist, wenn Wasser zur Gefahr wird.

Wird das jetzt öfter passieren?

Hoffentlich nicht. Aber eine rhetorische Frage drängt sich auf: Wie viele Gebäude müssen noch vorübergehend schließen, bis flächendeckende Legionellenkontrollen zum Standard werden?

Denn die Realität ist: Legionellen sind nicht neu. Sie waren schon immer da. Aber erst wenn sie zuschlagen, werden wir aufmerksam.

Und dann heißt es plötzlich: Internat geschlossen. Schüler nach Hause. Unterricht mit Hindernissen.

Von C. Hatty

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