Alle Artikel · 12.04.2022 11:50
Mach keine Fisimatenten!
Kennst du den Ausdruck? Verwendest du ihn vielleicht manchmal selbst? Dann weißt du, was er bedeutet, nämlich dass eine Person nichts tun soll, was eine Sache verzögert oder verkompliziert. Als Synonym findet man im...
Kennst du den Ausdruck? Verwendest du ihn vielleicht manchmal selbst? Dann weißt du, was er bedeutet, nämlich dass eine Person nichts tun soll, was eine Sache verzögert oder verkompliziert. Als Synonym findet man im Wörterbuch Ablenkungsmanöver, Ausflüchte oder, etwas salopper, Mätzchen, Sperenzchen. Ich kenne ihn von meiner Mutter, die abends, wenn ich trödelte und nicht ins Bett gehen wollte, zu mir sagte: „“Jetzt keine Fisimatenten mehr!“
Laut Duden stammt der Ausdruck aus dem 16. Jahrhundert, die Herkunft ist ungeklärt.
Eine unklare Herkunft lässt natürlich Platz für alle möglichen Spekulationen ... Das Wort „Fisimatenten“ hat scheinbar einen französischen Ursprung, deshalb wurde mit Kreativität überlegt, von welchem französischen Wort (oder Wörtern) es wohl abgeleitet sein könnte.
Der Duden sagt dazu: „Volksetymologisch mit Bezug auf den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/1871 fälschlich gedeutet als französisch je visite ma tante = ich besuche meine Tante (Ausrede des Soldaten gegenüber den Wachtposten) oder visitez ma tente = besuchen Sie mein Zelt (Aufforderung, mit der Offiziere junge Damen um ein Rendez-vous gebeten haben sollen).“ Diese beiden Varianten halten sich schon sehr lange äußerst hartnäckig, obwohl sie nicht haltbar sind. Aber wie sagt der schöne Spruch: wenn’s nicht wahr ist, ist’s gut erfunden!
Besonders die zweite Variante – „Besuchen Sie mein Zelt“ – regt die Fantasie an und scheint sehr plausibel. Sie würde erklären, wie es zum deutschen Ausdruck Fisimatenten machen kam. Schon zu Napoleons Zeiten, als das Rheinland französisch besetzt war, kam es zu unvermeidlichen Begegnungen zwischen französischen Soldaten und der deutschen Zivilbevölkerung. Rheinländischen Eltern blieb es nicht verborgen, wenn ihre Töchter mit den napoleonischen Soldaten liebäugelten. Auch wenn man solche Besuche im Zelt als einen Beitrag zur Versöhnung der beiden verfeindeten Länder betrachten könnte, warnten vor allem die Mütter ihre Töchter nachdrücklich davor, dieser Einladung nachzukommen. Mit strenger Stimme sprachen sie die Worte: „Mach mir bloß keine Fisimatenten!“
Hinter dieser plastischen Vorstellung steckt eine einleuchtende Erklärung. Leider scheint sie nicht zu stimmen. Viel wahrscheinlicher – aber auch trockener – ist eine andere.
Im 16. Jahrhundert wurden Offizierspatente (das entspricht heutigen Urkunden) mit einem lateinischen Ausdruck als „visae patentes“ bezeichnet. Es wurde eingedeutscht als „visepatentes“. Die Ausfertigung dieser Patente dauerte lange und war kompliziert. Man könnte sagen, sie machte Fisimatenten ;-) Der Begriff „visepatentes“ wurde zum Synonym für lästige Umstände.
Aber das ist noch nicht alles. Daneben gab es nämlich das mittelhochdeutsche Wort „visamente“, mit dem aufwendige Verzierungen und Ornamente an Wappen bezeichnet wurden, deren Gestaltung kompliziert waren.
Aus den Fachbegriffen „visepatentes“ und „Visamente“ soll letztendlich das heute verwendete Fisimatenten geworden sein.
Du siehst, schon der Ausdruck macht Fisimatenten!
Deine Elisa