À la une · 22.04.2025 06:09
Macron auf La Réunion: Zwischen Chikungunya-Epidemie und Zyklon-Schäden
Am 22. April 2025 betritt Präsident Emmanuel Macron die Bühne La Réunions – einer Insel, die derzeit gleich doppelt in die Knie gezwungen wird. Zum einen tobt eine Chikungunya-Epidemie, zum anderen hat der verheerende...
Am 22. April 2025 betritt Präsident Emmanuel Macron die Bühne La Réunions – einer Insel, die derzeit gleich doppelt in die Knie gezwungen wird. Zum einen tobt eine Chikungunya-Epidemie, zum anderen hat der verheerende Zyklon Garance tiefe Wunden hinterlassen. Diese Reise ist Teil seiner fünftägigen Tour durch den Indischen Ozean, die ihn bereits nach Mayotte führte und ihn noch nach Madagaskar und Mauritius bringen wird. Doch auf La Réunion erwarten ihn Herausforderungen, die eine schnelle Antwort verlangen.
Chikungunya: Wenn der Tigermückenstich zur Bedrohung wird
Seit August 2024 hat das Virus Chikungunya die Insel fest im Griff. Über 100.000 Menschen – also rund jeder neunte Bewohner – sind inzwischen infiziert, sechs Todesfälle wurden verzeichnet. Eine Zahl, die zwar nicht rekordverdächtig klingt, aber dennoch die ohnehin schon belasteten Gesundheitseinrichtungen an ihre Grenzen bringt.
Der medizinische Druck ist enorm. Lionel Calenge, der Chef des örtlichen Krankenhauses, schlägt Alarm. Zwischen 30 und 40 Patienten täglich landen mit Chikungunya-Symptomen in den Notaufnahmen. Man muss sich das vorstellen: Ein ständiger Zustrom, Tag für Tag. Die Insel braucht dringend Unterstützung – und Macron könnte diese liefern.
Eine Impfkampagne wurde am 7. April gestartet. Vorrangig für ältere Menschen mit Vorerkrankungen stehen 40.000 Dosen des Impfstoffs Ixchiq bereit – der erste seiner Art, der in Europa zugelassen wurde. Ein Hoffnungsschimmer, aber reicht das?
Zyklon Garance: Die Natur schlägt zurück
Kaum hatte die Epidemie an Fahrt aufgenommen, kam der nächste Schlag: Am 28. Februar wütete der Zyklon Garance über La Réunion. Fünf Menschen starben, und die Schäden belaufen sich auf fast 250 Millionen Euro. Besonders hart getroffen: die Landwirtschaft. Allein die Zuckerrohrfelder – immerhin über die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche – erlitten Verluste von rund 150 Millionen Euro.
Dabei ist es noch nicht lange her, dass Zyklon Bilal über die Insel hinwegfegte. Zwei schwere Stürme innerhalb eines Jahres – kein Zufall, sondern Ausdruck zunehmender Wetterextreme. Ein bitterer Beweis für den Klimawandel, der die Region immer wieder an ihre Grenzen treibt. Und das auf einer Insel, deren Bauern ohnehin schon durch Dürren geschwächt sind. Ein Teufelskreis?
Forderungen nach Taten – jetzt!
Huguette Bello, Präsidentin der Region La Réunion, lässt keinen Zweifel an der Dringlichkeit der Lage. In einem offenen Brief an Macron listet sie die drängenden Probleme auf: die Epidemie, die Zyklon-Folgen, soziale Notlagen und das geografische Abgeschottetsein der Insel. Ihre Botschaft: Es braucht mehr als warme Worte – konkrete Maßnahmen sind gefragt.
Und Macron? Der wird liefern müssen. Politische Symbolik allein wird hier nicht reichen. Zu viele blicken auf ihn, in der Hoffnung, dass Frankreich seine Verantwortung für dieses abgelegene Stück Europa ernst nimmt.
La Réunion – strategisch wichtiger als man denkt
Abgesehen von den akuten Krisen verfolgt Macron auf seiner Reise auch geopolitische Ziele. La Réunion soll eine Schlüsselrolle in der indo-pazifischen Region einnehmen – als französischer Außenposten im Spiel der großen Mächte. Zwischen den USA, China und Indien will Frankreich mitmischen, und La Réunion könnte dabei zur strategischen Drehscheibe werden.
Doch wie glaubwürdig ist dieser Anspruch, wenn die Insel mit Epidemien und Naturkatastrophen allein dasteht? Wer global mitreden will, muss auch lokal handeln.
Ein Aufbruch – oder nur ein weiteres Versprechen?
Für La Réunion ist die Zeit reif für echte Veränderungen. Die doppelte Belastung durch Krankheit und Naturgewalten macht deutlich: Resilienz muss mehr sein als ein Schlagwort. Infrastruktur, Gesundheitswesen, Landwirtschaft – alles muss gestärkt werden, um zukünftigen Krisen standzuhalten.
Die Menschen auf der Insel hoffen, dass Macrons Besuch mehr bringt als nette Worte und gute Absichten. Sie brauchen Taten – und das nicht irgendwann, sondern jetzt.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Frankreich seiner Übersee-Insel die nötige Unterstützung gibt – oder ob La Réunion weiterhin zwischen strategischer Bedeutung und realer Vernachlässigung zerrieben wird.
Von Andreas M. Brucker