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À la une · 16.08.2025 12:44

Macron: Europa darf Kurs gegenüber Moskau nicht lockern

Der Gipfel zwischen Donald Trump und Wladimir Putin in Alaska hat keine substanzielle Annäherung im Ukrainekrieg erbracht. Doch die diplomatische Geste hat in Europa eine Reaktion ausgelöst, die auf Geschlossenheit, strategische Wachsamkeit und klare...

Der Gipfel zwischen Donald Trump und Wladimir Putin in Alaska hat keine substanzielle Annäherung im Ukrainekrieg erbracht. Doch die diplomatische Geste hat in Europa eine Reaktion ausgelöst, die auf Geschlossenheit, strategische Wachsamkeit und klare Bedingungen für Frieden setzt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nutzte die Gelegenheit, um die europäische Haltung unmissverständlich zu bekräftigen: Solange Russland seine militärische Aggression fortsetzt, müsse der Druck bestehen bleiben – politisch, wirtschaftlich und strategisch.

Europas rote Linien bleiben bestehen

Noch am Tag nach dem Treffen zwischen Trump und Putin traten mehrere europäische Regierungschefs mit einer koordinierten Stellungnahme an die Öffentlichkeit. Ihre Botschaft: Die europäische Unterstützung für die Ukraine bleibt ungebrochen – ebenso wie der Wille, Russland weiterhin durch Sanktionen und politische Isolation unter Druck zu setzen. Emmanuel Macron, einer der Wortführer, machte dabei zwei Punkte besonders deutlich: Erstens, dass kein Frieden ohne Sicherheitsgarantien für die Ukraine denkbar sei. Und zweitens, dass Russland in keiner Weise ein Vetorecht über den außenpolitischen Kurs Kiews – insbesondere in Richtung EU und NATO – erhalten dürfe.

Diese Positionen sind nicht neu. Doch die explizite Wiederholung nach dem Alaska-Gipfel zeigt, wie tief das Misstrauen gegenüber Moskau sitzt – und wie gering die Erwartungen an eine rasche, belastbare Friedenslösung unter russischer Mitwirkung sind. Die europäischen Führer signalisierten zugleich ihre Bereitschaft, an einem multilateralen Friedensprozess mitzuwirken – aber nicht um jeden Preis.

Gesprächsbereitschaft ja, Nachgiebigkeit nein

Während Donald Trump eine Rückkehr zur persönlichen Diplomatie anstrebt und offenbar an einem großen „Deal“ mit Moskau interessiert ist, verfolgt Europa einen anderen Kurs. In den europäischen Hauptstädten herrscht weitgehend Konsens darüber, dass ein belastbarer Frieden nicht durch symbolträchtige Gipfeltreffen, sondern nur durch verifizierbare Vereinbarungen entstehen kann – mit klaren Rollen für alle Beteiligten, insbesondere die Ukraine selbst.

Der Vorschlag, ein trilaterales Gipfeltreffen zwischen Trump, Putin und Selenskyj zu organisieren, wurde von europäischer Seite zwar begrüßt – aber unter Vorbehalt. Macron sprach sich dafür aus, dass Europa als Vermittler eine Rolle spielen könne. Doch dabei gehe es nicht um eine Äquidistanz zwischen den Parteien, sondern um die Durchsetzung des Völkerrechts, das durch den russischen Angriffskrieg systematisch verletzt wird. Vor allem müsse sichergestellt werden, dass jede Friedenslösung langfristig tragfähig sei – nicht bloß ein temporärer Waffenstillstand ohne Garantien.

Die Lehren aus 30 Jahren Enttäuschung

Macron verwies in seiner Stellungnahme explizit auf die vergangenen drei Jahrzehnte europäischer Russlandpolitik – und die wiederholte Erfahrung, dass Moskau internationale Abkommen nicht einhält. Die Minsker Vereinbarungen, das Budapester Memorandum, selbst bilaterale Zusagen wurden von Russland missachtet oder gebrochen. Diese Erfahrungen prägen das europäische Sicherheitsdenken.

Vor diesem Hintergrund hat sich in der EU ein neuer Realismus etabliert: Friedensverhandlungen müssen nicht nur zur Beendigung der Kampfhandlungen führen, sondern auch Mechanismen enthalten, die eine Wiederaufnahme der Aggression verhindern. Der Begriff der „unerschütterlichen Sicherheitsgarantien“ macht die Runde – ein Begriff, der bewusst offen lässt, wie diese genau aussehen sollen: ob durch eine multilaterale Truppe, durch bilaterale Verteidigungspakte oder durch institutionelle Absicherungen über die NATO.

Was dabei mitschwingt, ist das Eingeständnis, dass es keinen Weg zurück zur europäischen Sicherheitsordnung der Prä-2022-Zeit geben wird. Russland wird – so der Konsens – auf absehbare Zeit nicht als Partner, sondern als Herausforderung für Europas strategische Stabilität betrachtet.

Transatlantische Koordination unter neuen Vorzeichen

Dass Emmanuel Macron nach dem Gipfel gezielt die Bereitschaft der USA lobte, sich an Sicherheitsgarantien für die Ukraine zu beteiligen, ist mehr als eine diplomatische Floskel. Es zeigt, dass Europa gewillt ist, unter der zweiten Trump-Administration die transatlantische Zusammenarbeit fortzusetzen – jedoch auf der Basis klarer Bedingungen. Die Ungewissheit über Trumps langfristige Ziele bleibt groß. Doch die europäische Linie scheint darin zu bestehen, möglichst viele Sicherungen einzubauen: durch eigenständige militärische Initiativen, durch finanzielle Unterstützung der Ukraine, durch politische Einbindung der USA – ohne sich einseitig abhängig zu machen.

Dabei ist auch bemerkenswert, wie eng sich Frankreich, Deutschland, Italien und Großbritannien in dieser Frage abgestimmt zeigen. Trotz innenpolitischer Unterschiede und wechselnder Regierungen besteht außenpolitisch ein hohes Maß an Kohärenz – zumindest in Bezug auf den Krieg in der Ukraine. Die europäische Politik, so scheint es, hat die Lektion aus dem Überfall auf die Ukraine gelernt: Uneinigkeit lädt zur Aggression ein, während Geschlossenheit abschrecken kann.

Am Ende steht ein doppelter Appell: an die eigene Öffentlichkeit, Geduld und Entschlossenheit zu zeigen – und an die internationalen Partner, den Weg zu einem echten Frieden nicht durch vermeintliche Abkürzungen zu verbauen. Der Gipfel in Alaska war ein diplomatischer Impuls, mehr nicht. Die Grundfragen bleiben: Wie sieht ein Frieden aus, der Bestand hat? Und welche Ordnung soll ihn sichern?

Autor: Andreas M. Brucker

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