Alle Artikel · 08.07.2025 11:49
Macron in Windsor: Ein Staatsbesuch voller Symbole, Kutschen und schwieriger Gespräche
Der Wind am Militärflughafen RAF Northolt wehte kühl, als Emmanuel Macron mit seiner Frau Brigitte am Morgen des 8. Juli 2025 britischen Boden betrat. Empfangen wurden sie nicht etwa von Protokolloffizieren, sondern höchstpersönlich von...
Der Wind am Militärflughafen RAF Northolt wehte kühl, als Emmanuel Macron mit seiner Frau Brigitte am Morgen des 8. Juli 2025 britischen Boden betrat.
Empfangen wurden sie nicht etwa von Protokolloffizieren, sondern höchstpersönlich von Kronprinz William und Prinzessin Kate.
Schon dieser Moment machte klar: Dieser Staatsbesuch ist mehr als höfische Pflichtübung.
Gemeinsam ging es nach Windsor, wo König Charles III. und Königin Camilla bereitstanden. Salutschüsse hallten über den Rasen, Pferde zogen die Staatskutschen in perfektem Gleichklang – ein Empfang wie aus einer Netflix-Dokumentation über die Royals, nur in der rauen Realität britischer Politik verankert.
Denn dieser Besuch ist der erste eines europäischen Staatsoberhaupts seit dem Brexit.
Und er soll heilen, was in den Jahren zuvor rissig geworden war.
Am Abend tafelt man in Windsor Castle bei einem Staatsbankett. Unter goldenen Kronleuchtern halten sowohl König Charles als auch Präsident Macron Reden, in denen sie von „Freundschaft“, „gemeinsamer Verantwortung“ und einer „neuen Ära der Partnerschaft“ sprechen.
Man könnte meinen, die Geschichte wiederhole sich. Doch diesmal sind die Voraussetzungen andere.
Am zweiten Tag dieses dreitägigen Besuchs wird es ernst.
Präsident Macron spricht vor dem britischen Parlament – ein symbolischer Höhepunkt, der zeigt: Europa schaut wieder nach London, und London sucht den Schulterschluss mit Paris.
Es folgt ein Treffen mit Premierminister Keir Starmer.
Auf dem Tisch liegen schwierige Themen: die Bekämpfung illegaler Migration über den Ärmelkanal, wirtschaftliche Zusammenarbeit nach dem Brexit und die anhaltende Unterstützung der Ukraine. Ein Pilotprojekt zur gegenseitigen Rückführung von Asylbewerbern wird diskutiert – ein sensibles Vorhaben, das sowohl juristische als auch humanitäre Fragen aufwirft.
Kann man Menschen wie Frachtgut zwischen zwei Ländern hin und her schicken?
Macron will sich jedenfalls für ein strukturiertes, schnelles Verfahren einsetzen, während Premierminister Starmer auf eine „effektive Abschreckung“ drängt. Zwei Wortwelten, die noch keine gemeinsame Brücke gefunden haben.
Doch der Staatsbesuch hat auch andere Seiten.
Für die britische Monarchie ist es ein Moment diplomatischer Relevanz – der erste große Besuch nach Charles’ Krebsdiagnose Anfang des Jahres. Für Frankreich ist es ein Zeichen, dass man trotz der anhaltenden Proteste im Innern außenpolitisch handlungsfähig bleibt.
Und für Europa ist es ein diplomatisches Ausrufezeichen.
Denn auch wenn die britische Presse in diesen Tagen vor allem Kates Hutmode und den Stil der Präsidentengattin kommentiert, schwingt zwischen den Zeilen ein zarter Hauch von Erleichterung mit. Endlich spricht man wieder. Endlich nicht nur Zollstreit und Fischereiquoten.
Am dritten Tag stehen gemeinsame kulturelle Termine auf dem Programm, bevor Macron am Abend abreist.
Was bleibt, sind die Bilder von königlicher Pracht, vom strahlenden Präsidentenpaar vor Schloss Windsor – und von zwei Ländern, die langsam lernen, mit dem Bruch des Brexits konstruktiv umzugehen.
Ob dieser Besuch die vielen Stolpersteine in der Beziehung zwischen Paris und London beiseite räumen wird?
Das liegt nicht an Salutschüssen und Banketten, sondern an Kompromissbereitschaft in den kommenden Monaten.
Doch der erste Schritt ist gemacht.
Autor: C.H.