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À la une · 18.10.2024 08:14

Macron kritisiert mangelnde Professionalität der Barnier-Regierung im Streit um Israel

Ein politischer Sturm zieht durch die französische Regierung, nachdem Emmanuel Macron scharf gegen die Minister des Kabinetts von Michel Barnier und die Medien geschossen hat. Am 17. Oktober 2024 beschuldigte der französische Präsident sowohl...

Ein politischer Sturm zieht durch die französische Regierung, nachdem Emmanuel Macron scharf gegen die Minister des Kabinetts von Michel Barnier und die Medien geschossen hat. Am 17. Oktober 2024 beschuldigte der französische Präsident sowohl Regierungsmitglieder als auch Journalisten und Kommentatoren, „Aussagen zu verzerren“ und dadurch eine hitzige Debatte mit Israels Premierminister Benyamin Nétanyahou zu entfachen.

"Ich brauche keinen Ventriloquist"

Macron sparte in seiner Ansprache in Brüssel nicht mit deutlichen Worten. Er äußerte, dass er „ausreichend“ zur Situation im Nahen Osten zu sagen habe und keine „Ventriloquisten“ benötige, die seine Aussagen verdrehen oder interpretieren. Damit zielte er auf einige Aussagen ab, die bei einer Kabinettssitzung in Paris angeblich gefallen seien. Die Frage, wer was gesagt habe, trat in den Hintergrund – viel brisanter ist der Vorwurf, den Macron erhebt: ein „Zerfall der öffentlichen Debatte“ sowie ein „Mangel an Professionalität“.

Diese Vorwürfe fielen auf fruchtbaren Boden, denn die Frage nach Israels Gründung und seine Legitimität durch internationale Entscheidungen ist in Frankreich, einem Land mit historisch angespannten Beziehungen zum Nahen Osten, besonders heikel.

Die umstrittene Aussage

Kern der Debatte ist eine Bemerkung, die Macron bei einem Treffen des Ministerrates gemacht haben soll. Angeblich hatte er geäußert, dass Israels Gründung das Ergebnis einer Entscheidung der Vereinten Nationen sei – ein klarer Verweis auf die berühmte Resolution 181 der UN-Generalversammlung, die 1947 den Teilungsplan Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat vorsah.

Doch diese historische Interpretation traf einen Nerv. Benyamin Nétanyahou, der sich über diese Aussage offensichtlich empörte, reagierte umgehend. In einem offiziellen Statement konterte er, dass es „nicht die Entscheidung der UN war, die den Staat Israel errichtete, sondern der Sieg in Israels Unabhängigkeitskrieg“. In drastischen Worten erinnerte er an die blutigen Kämpfe, in denen viele Holocaust-Überlebende, darunter auch Opfer des Vichy-Regimes in Frankreich, um Israels Existenz gekämpft hätten.

Fakten und Emotionen

Was auf den ersten Blick wie eine trockene historische Diskussion über die Rolle der UN in der Gründung Israels erscheint, ist tatsächlich ein Spiegelbild tiefer geopolitischer und emotionaler Spannungen. Die Resolution 181, die am 29. November 1947 von der UN verabschiedet wurde, legte die Grundlage für die internationale Legitimität des Staates Israel. Doch ebenso untrennbar von Israels Geschichte ist der Unabhängigkeitskrieg, in dem jüdische Kämpfer ihre Existenz gegen mehrere arabische Staaten verteidigten.

Während Macron sich auf die rechtliche Dimension der UN-Entscheidung konzentrierte, setzte Nétanyahou auf die Erinnerung an den Kampf und die Opfer, die zur Schaffung Israels führten. Beide Aspekte sind untrennbar miteinander verbunden – doch die Betonung eines bestimmten Narrativs kann, wie sich zeigt, politisch hoch explosiv sein.

Macron im Kreuzfeuer

Die Kritik an Macron bleibt nicht nur auf den israelischen Premier beschränkt. Auch in Frankreich selbst wurde seine Aussage stark diskutiert. Warum genau er diesen historischen Punkt betonte und damit eine politische Kontroverse auslöste, bleibt offen. Es ist jedoch klar, dass die Frage nach dem Nahostkonflikt und der Rolle Frankreichs in internationalen Fragen in Paris äußerst sensibel gehandhabt wird.

In einem politischen Klima, in dem jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, ist es wenig überraschend, dass Macrons Bemerkung sofort in den Mittelpunkt des öffentlichen Diskurses rückte. Doch seine scharfe Kritik an den Medien und Ministern deutet darauf hin, dass er sich von der Art und Weise, wie seine Worte interpretiert wurden, verraten fühlt. Die Bezeichnung „Ventriloquist“ – also Bauchredner, der jemandem die Worte in den Mund legt – ist eine deutliche Spitze in Richtung derer, die seine Worte öffentlich diskutierten.

Ein alter Konflikt in neuen Kleidern

Dieser politische Eklat zeigt einmal mehr, wie tief verwurzelt und emotional aufgeladen der Nahostkonflikt auch in Europa ist. Gerade in Ländern wie Frankreich, mit einer großen jüdischen und muslimischen Bevölkerung, sind Debatten über Israel und Palästina nicht nur diplomatische Fragen – sie berühren die Identität, Geschichte und das Selbstverständnis vieler Bürger.

Man könnte sich fragen: Musste Macron wirklich auf dieses brisante Thema eingehen, wo doch klar war, dass es eine politische Welle auslösen würde? Oder handelt es sich hier um eine gezielte Positionierung in einem geopolitischen Schachspiel, in dem Frankreich versucht, seine Rolle im Nahen Osten neu zu definieren?

Es ist deutlich, dass Macrons Äußerungen nicht nur ein historisches Missverständnis hervorgerufen haben, sondern auch tiefere politische Spannungen ans Licht gebracht haben. Ein weiteres Kapitel in der komplexen Geschichte des Nahen Ostens – geschrieben in den Fluren der französischen Politik.

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