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Alle Artikel · 18.11.2024 10:44

Macron lehnt Mercosur-Abkommen ab: Ein diplomatischer Drahtseilakt in Argentinien

Während seines sechstägigen Besuchs in Lateinamerika hat der französische Präsident Emmanuel Macron klare Worte gefunden: Frankreich werde das Mercosur-Abkommen in seiner aktuellen Form nicht unterzeichnen. Am Sonntag, den 17. November, traf Macron in Buenos...

Während seines sechstägigen Besuchs in Lateinamerika hat der französische Präsident Emmanuel Macron klare Worte gefunden: Frankreich werde das Mercosur-Abkommen in seiner aktuellen Form nicht unterzeichnen. Am Sonntag, den 17. November, traf Macron in Buenos Aires den argentinischen Präsidenten Javier Milei, um die Interessen der französischen Landwirtschaft zu verteidigen und den ultraliberalen Staatschef davon zu überzeugen, den Klimaschutz nicht aufzugeben.

Symbolträchtiges Gedenken in Buenos Aires

Bevor Macron auf den wirtschaftlichen und politischen Austausch einging, nahm er an einer Gedenkfeier in der Kirche Santa Cruz teil – ein Ort, der an die Opfer der argentinischen Militärdiktatur (1976–1983) erinnert, darunter auch französische Staatsangehörige. „Wir vergessen euch nicht“, sagte Macron zu Angehörigen der Opfer. Der argentinische Präsident Milei, der die Ereignisse der Diktatur relativiert, blieb dieser Zeremonie fern.

Nach dem Gedenken traf Macron Milei in der Casa Rosada, dem argentinischen Präsidentenpalast, zu einem zweiten Gespräch nach einem ersten gemeinsamen Abendessen am Vortag. Ziel war es, eine gemeinsame Basis für die kommenden G20-Verhandlungen in Brasilien zu schaffen und Differenzen offen zu diskutieren.


Das Mercosur-Abkommen: Macrons klare Ablehnung

In Frankreich wächst der Widerstand gegen das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur, das Länder wie Argentinien und Brasilien umfasst. Landwirte befürchten, dass der Markt mit südamerikanischem Fleisch überschwemmt wird, das nicht denselben strengen Umwelt- und Qualitätsstandards wie europäische Produkte unterliegt. Macron zeigte Verständnis für diese Sorgen und bekräftigte, dass er das Abkommen ablehne: „Frankreich wird dieses Mercosur-Abkommen in seiner jetzigen Form nicht unterzeichnen“, erklärte er auf einer Pressekonferenz vor seinem Weiterflug zum G20-Gipfel in Rio de Janeiro.

„Das Abkommen wäre eine Katastrophe für unsere Landwirtschaft“, betonte Macron. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass er seit sieben Jahren gegen dieses Abkommen opponiert. Dabei berief er sich auf den Grundsatz der Fairness: „Wir können nicht von unseren Landwirten verlangen, auf Pflanzenschutzmittel zu verzichten und nachhaltiger zu arbeiten, während wir Produkte importieren, die diese Standards ignorieren.“


Mileis Position und die gemeinsamen Interessen

Interessanterweise äußerte auch Javier Milei Bedenken gegenüber dem Mercosur-Abkommen. Macron betonte, dass der argentinische Präsident selbst nicht zufrieden mit dem Vertrag sei. Diese gemeinsame Ablehnung des aktuellen Entwurfs könnte eine Grundlage für weitere Gespräche bieten. Dennoch bleibt der ideologische Graben zwischen den beiden groß, insbesondere beim Thema Klimapolitik.

Milei, ein Anhänger des frisch gewählten US-Präsidenten Donald Trump und ebenso ein erklärter Klimaskeptiker, hat die argentinische Delegation jüngst aus den COP29-Verhandlungen in Baku zurückgezogen. Macron, ein Verfechter des Pariser Klimaabkommens, betonte die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit im Kampf gegen den Klimawandel, zeigte sich jedoch vorsichtig: „Wir haben unterschiedliche Meinungen, und wir sind uns nicht einig“, kommentierte er diplomatisch die Haltung seines Gesprächspartners.


Handel versus Nachhaltigkeit: Frankreichs Ansatz

Macron machte deutlich, dass Frankreich für „offene, aber faire Handelsbeziehungen“ stehe. Das Mercosur-Abkommen in seiner derzeitigen Form, so Macron, würde jedoch genau das Gegenteil bewirken: Es würde ungleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen, die französische Landwirte benachteiligen.

Die klare Botschaft an die Bauern in Frankreich ist, dass ihre Anliegen auf höchster diplomatischer Ebene Gehör finden. Die Seltenheit einer parteiübergreifenden politischen Einigkeit in Frankreich zeigt, wie stark der Widerstand gegen das Abkommen ist.


Diplomatisches Fazit

Macrons Besuch in Argentinien war ein Balanceakt zwischen Dialog und Verteidigung nationaler Interessen. Während er sich mit einem politisch und ideologisch gegensätzlichen Präsidenten auseinandersetzte, nutzte er die Gelegenheit, Frankreichs Positionen deutlich zu machen – sei es in der Agrarpolitik oder im Klimaschutz.

Die kommende Woche wird zeigen, ob diese Gespräche Auswirkungen auf den G20-Gipfel in Brasilien und die Verhandlungen über das Mercosur-Abkommen haben. Für Macron bleibt klar: Ohne grundlegende Änderungen wird Frankreich das Abkommen nicht unterstützen – eine Haltung, die sowohl in Paris als auch auf den französischen Feldern mit Erleichterung aufgenommen werden dürfte.

@emmanuelmacron

POV en vol : Argentine > Brésil > Chili

♬ son original - Emmanuel Macron

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