Alle Artikel · 24.04.2025 06:04
Macron reist zu Papst-Begräbnis: Zwischen Staatsprotokoll und persönlichem Respekt
Der Tod von Papst Franziskus am 21. April 2025 hat weltweit Trauer ausgelöst – nicht nur unter Gläubigen, sondern auch auf höchster politischer Ebene. Unter den Staats- und Regierungschefs, die ihre Anteilnahme zeigten, war...
Der Tod von Papst Franziskus am 21. April 2025 hat weltweit Trauer ausgelöst – nicht nur unter Gläubigen, sondern auch auf höchster politischer Ebene. Unter den Staats- und Regierungschefs, die ihre Anteilnahme zeigten, war auch der französische Präsident Emmanuel Macron. Er kündigte an, an den Trauerfeierlichkeiten am 26. April im Vatikan teilzunehmen. Auf den ersten Blick reine Diplomatie – doch steckt hinter dieser Entscheidung mehr?
Staatsbesuch oder persönlicher Abschied?
Macron unterbrach eigens seinen Aufenthalt im Indischen Ozean, um an der Beisetzung teilzunehmen. Begleitet wird er vom Innenminister Bruno Retailleau und Außenminister Jean-Noël Barrot. Premierminister François Bayrou bleibt hingegen in Paris. Aus dem Umfeld der Regierung hieß es dazu trocken: „Der Papst ist ein Staatsoberhaupt, also reist der Präsident.“ Klingt nach nüchternem Pflichtbewusstsein – doch die Beziehung zwischen Macron und Franziskus war weit mehr als reine Förmlichkeit.
Die beiden Männer verband eine Beziehung, die der Élysée als „reich, respektvoll und von Zuneigung geprägt“ beschreibt. Krisen wie die COVID-19-Pandemie, der Krieg in der Ukraine oder das verheerende Feuer von Notre-Dame brachten sie näher. Franziskus reiste während Macrons Amtszeit zweimal nach Frankreich – nach Marseille und auf Korsika – was als außergewöhnlich gilt. Ein Papst, der Frankreich liebt, aber Paris meidet? Auch das ist Teil dieser besonderen Beziehung.
Nähe mit Grenzen: Ein Verhältnis voller Zwischentöne
Zwischen Macron und Franziskus gab es nicht nur warme Gesten, sondern auch hitzige Debatten. Besonders wenn es um gesellschaftspolitische Fragen ging, prallten Welten aufeinander. 2018, bei einem Treffen im Vatikan, waren noch Zeichen der Nähe zu spüren. Doch später standen Themen wie die Verankerung des Rechts auf Abtreibung in der französischen Verfassung und die Diskussion um Sterbehilfe auf der Agenda – allesamt Punkte, die dem Papst missfielen.
Beispiel für diese Spannung: Franziskus mied Paris als Reiseziel. Stattdessen zog es ihn nach Marseille oder Korsika. Vor seinem Besuch in Marseille 2023 sagte er sogar offen: „Ich reise nach Marseille, nicht nach Frankreich.“ Ein Satz, der in Paris nicht unbemerkt blieb – und Raum für Spekulationen ließ, ob Franziskus bewusst auf Distanz zur französischen Politik ging.
Ein Abschied, der die Welt vereint
Das Begräbnis von Papst Franziskus am Samstag, 26. April, um 10 Uhr in der Petersbasilika in Rom wird ein weltpolitisches Ereignis. Zahlreiche hochrangige Persönlichkeiten haben ihr Kommen angekündigt: Donald Trump, Wolodymyr Selenskyj, Ursula von der Leyen, Keir Starmer, Prinz William, Olaf Scholz, Javier Milei und Luiz Inácio Lula da Silva – ein Who’s who der internationalen Bühne.
Und doch bleibt die Zeremonie schlicht, so wie Franziskus es sich gewünscht hatte. Kein Prunk, kein Gold. Ein einfacher Holzsarg, ohne Verzierungen, und die Beisetzung in der Basilika Santa Maria Maggiore – fernab der Papstgräber in der vatikanischen Nekropole. Ein letzter Akt der Bescheidenheit.
Frankreichs Umgang mit dem Papst: Ein Fall für die Laizismus-Debatte
Frankreichs Entscheidung, die Nationalflaggen für den Papst auf Halbmast zu setzen, stößt nicht überall auf Zustimmung. Der linke Abgeordnete Alexis Corbière bezeichnete das als „Laizismus mit doppeltem Augenmaß“. Für ihn ein Zeichen, dass Vertreter anderer Religionen nicht dieselbe Anerkennung erfahren. Ein altbekanntes Streitthema in Frankreich, wo Staat und Religion offiziell getrennt sind – und doch immer wieder aufeinandertreffen.
Ein Balanceakt zwischen Religion und Diplomatie
Die Teilnahme Macrons an den Trauerfeierlichkeiten für Franziskus zeigt eindrucksvoll den Balanceakt, den ein säkularer Staat wie Frankreich meistern muss. Einerseits gilt es, die Prinzipien des Laizismus zu wahren, andererseits verlangt die internationale Bühne auch diplomatische Gesten des Respekts.
Macron betritt mit seiner Teilnahme nicht nur das Parkett des Vatikans, sondern auch das Spielfeld weltweiter Beziehungen. Der Papst war eine moralische Instanz, die über konfessionelle Grenzen hinaus wirkte – und Macron zollt ihm Tribut, als Staatsmann und Mensch.
Catherine H.