À la une · 11.04.2025 06:07
Macron warnt vor „fragiler Pause“ bei US-Zöllen – Europa soll gegenhalten
Emmanuel Macron hat sich nach der überraschenden Ankündigung von Donald Trump, geplante Zollsteigerungen zu pausieren, mit deutlichen Worten an die Öffentlichkeit gewandt. Die US-Zölle auf Stahl, Aluminium und Autos bleiben zwar bei 25 Prozent...
Emmanuel Macron hat sich nach der überraschenden Ankündigung von Donald Trump, geplante Zollsteigerungen zu pausieren, mit deutlichen Worten an die Öffentlichkeit gewandt. Die US-Zölle auf Stahl, Aluminium und Autos bleiben zwar bei 25 Prozent gedeckelt, für andere Produkte gelten 10 Prozent – doch der französische Präsident sieht darin kein Ende des wirtschaftlichen Schlagabtauschs. Im Gegenteil: Er spricht von einer „fragilen Pause“ und ruft die EU zum Handeln auf.
Europäische Gegenmaßnahmen gefordert
In einem Beitrag auf X betonte Macron am Freitag, 11. April, dass Europa jetzt nicht nachlassen dürfe. Gemeinsam mit der EU-Kommission wolle Frankreich alle verfügbaren Mittel mobilisieren, um auf mögliche neue US-Zölle vorbereitet zu sein. Die Botschaft ist klar: Europa soll sich nicht in Sicherheit wiegen, sondern aktiv Schutzmechanismen ausbauen.
„Wir müssen stark auftreten“, so Macron. Die Trump-Administration hatte am Mittwoch überraschend erklärt, dass die geplanten weiteren Zollsteigerungen ausgesetzt werden. Doch die Begrenzung auf 25 Prozent für Schlüsselindustrien sei nur eine Zwischenstation – und keine Lösung.
Panik an den asiatischen Märkten
Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Asiatische Börsen brachen am Freitag dramatisch ein. In Tokio sackte der Leitindex um über 4 Prozent ab, in Seoul um knapp 1,2 Prozent. Bereits am Donnerstag hatte die Wall Street deutlich nachgegeben: Der Dow Jones verlor 2,5 Prozent, der technologielastige Nasdaq sogar über 4 Prozent. Der Markt zeigt klar: Das Vertrauen in die wirtschaftspolitische Stabilität der USA ist ins Wanken geraten.
Was steckt hinter der Unsicherheit? Neben der Zollpolitik der USA sorgt auch die Drohung der EU, US-Techkonzerne künftig stärker zu besteuern, für Nervosität. Ein offener Wirtschaftskonflikt zwischen den beiden größten Wirtschaftsräumen der Welt wird zunehmend denkbar.
Zustimmung aus den USA – und Kritik
Interessanterweise erhält Trump Rückendeckung aus den eigenen Reihen – zumindest teilweise. Shawn Fain, Präsident der amerikanischen Autoarbeitergewerkschaft UAW, lobte die Zölle auf importierte Fahrzeuge. Sie seien eine Möglichkeit, „die Katastrophe des Freihandels einzudämmen“. Gleichzeitig kritisierte er jedoch die chaotische und wenig durchdachte Vorgehensweise der Regierung. Ein klassischer Spagat: Zustimmung zur Maßnahme, aber Ablehnung der Umsetzung.
Diese zwiespältige Haltung spiegelt die allgemeine Verunsicherung wider. Für viele US-Arbeiter klingt „Zoll“ wie Musik in den Ohren – doch in globalisierten Lieferketten können solche Maßnahmen schnell zum Eigentor werden.
Moody’s prüft Frankreichs Kreditwürdigkeit
Während die EU ihre Position überdenkt, schaut die Welt auf Frankreichs wirtschaftliche Lage. Die Ratingagentur Moody’s will noch heute entscheiden, ob sie Frankreichs Kreditrating nach der jüngsten Herabstufung erneut anpasst – oder es trotz Haushaltsdrucks und US-Protektionismus beibehält.
Hintergrund ist eine Kombination aus schwächerem Wachstum und den unkalkulierbaren Folgen des transatlantischen Handelskonflikts. Sollte Frankreich seine Finanzziele verfehlen, könnte das nächste Downgrade nicht lange auf sich warten lassen.
Trumps plötzliche Kursänderung hat in Europa für Unruhe gesorgt – aber auch den Handlungsdruck erhöht. Macron sieht die Chance, mit vereinten europäischen Mitteln gegenzusteuern. Denn klar ist: Wer sich auf kurzfristige Pausen verlässt, wird von der nächsten Welle umso härter getroffen.
Die große Frage bleibt: Findet Europa eine einheitliche Antwort auf Washingtons Zickzackkurs – oder bleibt es bei Absichtserklärungen?
Von M.A.B.