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Alle Artikel · 18.08.2025 07:07

Macrons Mission in Washington: Europas Stimme im Ukraine-Konflikt stärken

Am 18. August wird sich in Washington eine hochrangige Delegation europäischer Staats- und Regierungschefs mit dem früheren US-Präsidenten Donald Trump treffen, um über den Krieg in der Ukraine zu sprechen. Angeführt wird die Gruppe...

Am 18. August wird sich in Washington eine hochrangige Delegation europäischer Staats- und Regierungschefs mit dem früheren US-Präsidenten Donald Trump treffen, um über den Krieg in der Ukraine zu sprechen. Angeführt wird die Gruppe unter anderem vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Im Vorfeld betonte Macron, dass es dabei nicht nur um Unterstützung für Kiew gehe – sondern um nichts Geringeres als die sicherheitspolitische Selbstbehauptung Europas.

„Wir reisen nicht nur als Begleiter des Präsidenten Selenskyj“, sagte Macron am Sonntag in seinem südfranzösischen Feriendomizil Fort de Brégançon. „Wir reisen, um die Interessen der Europäer zu verteidigen.“

Die neue Rhetorik eines alten Konflikts

Frankreichs Präsident wählte seine Worte mit Bedacht – und mit demonstrativer Entschlossenheit. Auf die Frage, ob er glaube, dass Wladimir Putin Frieden wolle, antwortete er unmissverständlich: „Die Antwort ist Nein. Wir wollen den Frieden.“

Dabei ging es Macron nicht nur um eine moralische Positionierung gegen Russland, sondern um eine strategische Neuausrichtung der europäischen Rolle im Ukraine-Konflikt. Europa, so die zentrale Botschaft, dürfe nicht länger Objekt der Verhandlungen sein – sondern müsse als handelndes Subjekt auftreten, das seine sicherheitspolitischen Interessen selbst definiert und vertritt.

Einigkeit als politische Währung

Der Termin in Washington fällt in eine Zeit wachsender Unsicherheit über die künftige Ausrichtung der US-Außenpolitik. Donald Trump hat sich wiederholt kritisch zur NATO und zur US-Unterstützung für die Ukraine geäußert. Die europäischen Staatschefs wollen daher – jenseits parteipolitischer Präferenzen – ein gemeinsames Signal aussenden: Europa steht geeint hinter Kiew und will sich in Sicherheitsfragen nicht länger auf andere verlassen.

„Kein Gespräch über die Ukraine ohne die Ukrainer. Aber auch kein Gespräch über die europäische Sicherheit ohne die Europäer“, sagte Macron. Die Formulierung ist kein Zufall: Sie erinnert an das diplomatische Prinzip „Nothing about us without us“, das einst den Verhandlungsanspruch kleinerer Staaten in geopolitischen Fragen stärkte.

Europas sicherheitspolitische Emanzipation

Die französische Außenpolitik zielt bereits seit mehreren Jahren darauf ab, Europas strategische Autonomie zu stärken. In Macrons Konzept einer „souveränen EU“ spielt die Verteidigungspolitik eine zentrale Rolle – inklusive eigenständiger Fähigkeiten zur Abschreckung, zum Krisenmanagement und zur strategischen Kommunikation. In Washington soll nun vermittelt werden, dass Europa nicht nur als Unterstützer auftritt, sondern als aktiver Gestalter einer zukünftigen Friedensordnung.

Zudem fordert Macron, dass die Europäer in alle künftigen Gipfeltreffen zum Ukraine-Krieg eingebunden werden. „Europa darf nicht nur ein Thema am Verhandlungstisch sein“, sagte er. „Europa muss mit am Tisch sitzen – als Partner mit eigener Agenda.“

Frieden nicht um jeden Preis

Zentrales Ziel der Reise sei es, Trump die Vorstellungen einer „gerechten und dauerhaften“ Friedenslösung in der Ukraine zu erläutern. Dabei beruft sich Macron auf die internationale Koalition von Freiwilligen, die sich seit Beginn des Krieges zur militärischen Unterstützung Kiews zusammengeschlossen hat. Für die Zeit nach dem Krieg müsse klar sein, dass die Ukraine dauerhaft verteidigungsfähig bleibe – nicht nur mit westlicher Hilfe, sondern durch eigene Kapazitäten, aufgebaut nach westlichen Standards.

Was Macron andeutet, ist eine langfristige sicherheitspolitische Verankerung der Ukraine im Westen, unabhängig davon, ob sie formell Teil der NATO wird. Eine solche Strategie zielt auf Abschreckung durch Stabilität – und auf die Schaffung einer Sicherheitsarchitektur, die auch in einem möglichen Szenario eines US-amerikanischen Teilrückzugs aus Europa tragfähig bleibt.

Ein „gerechter“ Frieden, das bedeutet aus Sicht Macrons: keine Friedenslösung, die Putins Expansionismus belohnt. Ein „dauerhafter“ Frieden wiederum verlangt institutionelle Garantien – militärisch, politisch, ökonomisch.

Der Washington-Besuch wird somit auch zur Nagelprobe für den transatlantischen Schulterschluss. Europa tritt nicht mehr bloß als moralischer Mahner auf, sondern reklamiert für sich eine machtpolitische Rolle. Nicht als Juniorpartner der USA – sondern als gleichberechtigter Akteur auf der Weltbühne.

Autor: Andreas M. Brucker

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