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Frankreich · 22.05.2026 09:52

Macrons Sonnenbrillen und das Rätsel vom „echten“ Made in France

Seit einigen Jahren gehören sie fast schon zur politischen Uniform des französischen Präsidenten: die dunklen Sonnenbrillen von Emmanuel Macron. Kaum ein Sommerfoto ohne die markanten Modelle, die zwischen Staatsbesuch, Strandspaziergang und Militärzeremonie längst mehr...

Seit einigen Jahren gehören sie fast schon zur politischen Uniform des französischen Präsidenten: die dunklen Sonnenbrillen von Emmanuel Macron. Kaum ein Sommerfoto ohne die markanten Modelle, die zwischen Staatsbesuch, Strandspaziergang und Militärzeremonie längst mehr darstellen als bloßen Sonnenschutz. In Frankreich sind sie zu einem kleinen politischen Symbol geworden — elegant, unaufgeregt und demonstrativ französisch.

Zumindest auf den ersten Blick.

Denn rund um die Brillen des Präsidenten taucht regelmäßig dieselbe Frage auf: Stammt dieses Accessoire tatsächlich vollständig aus Frankreich? Die Antwort darauf fällt komplizierter aus, als es die perfekt inszenierten Bilder aus dem Élysée-Palast vermuten lassen.

Die Modelle, die Macron häufig trägt, stammen meist von französischen Premiummarken aus dem Jura. Die Region rund um Morez und Oyonnax gilt seit Jahrzehnten als Herzstück der französischen Brillenindustrie. Dort sitzen traditionsreiche Hersteller, kleine Familienbetriebe und spezialisierte Werkstätten, die das französische Savoir-faire der Branche bis heute pflegen.

Und genau dieses Bild passt hervorragend zur politischen Erzählung des Präsidenten.

Macron setzt seit Langem auf sichtbare Symbole französischer Produktion. Maßanzüge, Uhren, Lederschuhe oder Fahrräder — vieles soll möglichst aus heimischer Fertigung stammen. Die Botschaft dahinter wirkt klar: Frankreich besitzt weiterhin Industrie, Handwerk und Qualität. Gerade in einem Land, das unter Fabrikschließungen und dem Verlust zahlreicher Arbeitsplätze gelitten hat, besitzt diese Symbolik enormes Gewicht.

Doch bei Brillen beginnt die Sache schnell grau zu werden. Oder besser gesagt: globalisiert.

Denn selbst dort, wo „Made in France“ auf dem Bügel steht, stammt oft nur ein Teil der Produktion tatsächlich aus Frankreich. Manche Gestelle entstehen vollständig im Jura — vom Zuschnitt des Acetats bis zur Endmontage. Andere Modelle hingegen kombinieren internationale Lieferketten. Scharniere kommen aus Asien, bestimmte Materialien aus Italien, Gläser aus anderen europäischen Ländern. Erst die letzten Arbeitsschritte erfolgen in Frankreich.

Rechtlich reicht das häufig aus, um die begehrte Herkunftsbezeichnung dennoch verwenden zu dürfen.

Genau hier entzündet sich regelmäßig die Debatte. Kritiker werfen der Industrie vor, mit patriotischen Bildern zu arbeiten, obwohl die Produktion längst international verflochten sei. Befürworter halten dagegen: In einer globalisierten Wirtschaft existieren kaum noch Industrieprodukte, die zu hundert Prozent aus einem einzigen Land stammen.

Und tatsächlich erzählen Macrons Sonnenbrillen weit mehr über Frankreich als bloß etwas über Mode. Sie spiegeln ein Land, das seine historischen Handwerkstraditionen stolz verteidigt, gleichzeitig aber tief in weltweite Produktionsketten eingebunden bleibt. Das „Made in France“ des 21. Jahrhunderts besteht oft weniger aus völliger nationaler Eigenständigkeit als aus Design, Montage und Markenidentität.

Vielleicht faszinieren die Brillen des Präsidenten gerade deshalb so sehr.

Sie wirken französisch — auch wenn ihre Geschichte längst europäisch und global geworden ist.

Autor: Christine Macha

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