Alle Artikel · 02.12.2020 18:51
Man spricht „ausländisch“, auch in der Muttersprache
Im letzten Artikel habe ich ein französisches Kofferwort vorgestellt, nämlich infox. Heute möchte ich noch zwei andere Kofferwörter erwähnen, zwei, die du vielleicht kennst. Das eine ist ein deutsches: denglisch, zusammengezogen aus deutsch und...
Im letzten Artikel habe ich ein französisches Kofferwort vorgestellt, nämlich infox.
Heute möchte ich noch zwei andere Kofferwörter erwähnen, zwei, die du vielleicht kennst.
Das eine ist ein deutsches: denglisch, zusammengezogen aus deutsch und englisch. Das andere ist das französische Pendant dazu: franglais, aus français und anglais. Wie man sieht, hat das Englische einen gewissen Einfluss auf beide Sprachen, sonst gäbe es nicht diese beiden Neubildungen.
Im Deutschen kennt man genügend Beispiele von englischen Wörtern, die in die Alltagssprache eingeflossen sind. Um nur ein paar zu nennen: downloaden, shoppen gehen, Stress, Fitness, ... dir fallen bestimmt noch ganz viele ein. Nimmst du sie überhaupt noch als „Fremdwörter“ wahr? Checkst du das noch?
Aber auch im Französischen gibt es Anglizismen, obwohl hier mehr Wert gelegt wird auf wirklich französisches Vokabular. Einige englische Wörter konnten sich durchsetzen: football, stress, week-end, se relaxer, ...
Kleiner Nebeneffekt: Es schleichen sich auch Wörter ein, die ihre Bedeutung unterwegs verändert haben. „Les baskets“, also diese Sportschuhe, die man in Frankreich (eigentlich) zum Basketballspielen anzieht, sind im Englischen die Körbe, in die man die Bälle werfen soll. Und das im Deutschen benutzte Wort „Handy“ (im Sinne von Mobiltelefon) versteht ein englischsprachiger Mensch nicht (bzw. falsch). Es ist ein neuerfundenes deutsches Wort – mit englischer Aussprache. Künstliches Englisch! Soll man das cool finden? Oder einfach blöd?
Historisch bedingt hat man im Deutschen lange Zeit französische Wörter benutzt, die in den letzten Jahren von englischen verdrängt worden sind. Hier ein paar Beispiele, wobei die Großschreibung anzeigt, dass es sich um „eingedeutschte“ Nomen handelt:
Niveau – Level
Chef – Boss
Equipe – Team
Rendezvous – Date ...
Lassen wir nun die englischen Wörter, gehen wir über zu frantsch und deuçais – ja, auch diese Kofferwörter hat sich tatsächlich jemand ausgedacht (nein, nicht ich!!!) Sie kommen allerdings äußerst selten vor.
Natürlich gebraucht man im Deutschen immer noch französische Wörter wie Abonnement, Parfum (oder Parfüm), Kotelett, Etage, en masse, frittieren (mit Doppel-t!), pompös, ... und oben, im zweiten Absatz, ist mir selber eins reingerutscht, nämlich Pendant. Das Portemonnaie darf man übrigens inzwischen auf gut Deutsch „Portmonee“ schreiben. Sieht zwar irgendwie seltsam aus, und man kann die Herkunft nicht mehr erkennen, aber wenn man es ausspricht, verstehen es alle französischsprachigen Menschen sofort.
Umgekehrt werden auch deutsche Wörter in Frankreich gebraucht. So genießt man hier ab und zu eine bretzel, dazu vielleicht einen rollmops. Bei Kälte oder auch bei Diskussionen über waldsterben und den zeitgeist kippt manch eine*r einen schnaps oder kirsch. Und jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit findet man auch in Frankreich überall stollen, der gehört unbedingt dazu.
Mit einem Augenzwinkern eine abschließende Bemerkung zur Laugenbrezel: Warum diese im Französischen ausgerechnet mit tz, der Schweizer Variante, geschrieben wird, ist ein Bre(t)zel-Rätsel :)
Ich wünsche dir auf jeden Fall bon appétit, guten Hunger – oder lieber guten Appetit?
Deine Elisa