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Aktuell · 24.06.2026 03:44

Marc Bloch wird in den Panthéon aufgenommen: Ein Widerstandskämpfer und Historiker

Am 23. Juni 2026 wurde der Historiker und Widerstandskämpfer Marc Bloch posthum in den Panthéon aufgenommen. Die Zeremonie würdigte sein Lebenswerk und seinen Mut.

Paris – 23.06.2026: Marc Bloch, einer der bedeutendsten Historiker und Widerstandskämpfer des 20. Jahrhunderts, wurde heute posthum in den Panthéon aufgenommen. Dieser symbolträchtige Akt würdigt nicht nur sein wissenschaftliches Lebenswerk, sondern auch seinen Mut und seine Haltung im Kampf gegen die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkriegs.

Marc Bloch wurde 1886 in Lyon in eine jüdische Familie geboren und prägte die französische Geschichtswissenschaft maßgeblich. Nach seinem Studium an der École normale supérieure in Paris war er von 1919 bis 1936 Professor für Mittelaltergeschichte an der Universität Straßburg. 1929 gründete er dort gemeinsam mit Lucien Febvre die einflussreiche Zeitschrift "Annales d'histoire économique et sociale", die die historische Forschung revolutionierte. Bloch legte in seinen Werken wie „La société féodale“ und „L'étrange défaite“ den Fokus auf soziale und wirtschaftliche Zusammenhänge, weit entfernt von der damaligen traditionellen Politik- und Militärgeschichte.

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wandte sich Bloch dem aktiven Widerstand gegen die deutsche Besatzung zu. Er beteiligte sich an geheimen Aktivitäten der Résistance, wurde 1944 von der Gestapo verhaftet und kurze Zeit später in Lyon hingerichtet. Seine Tatkraft und Opferbereitschaft machten ihn zu einer herausragenden Figur des französischen Widerstands.

Die Entscheidung, Marc Bloch in den Panthéon aufzunehmen, fiel bereits im November 2024 durch Präsident Emmanuel Macron. Bei der Ankündigung hob Macron Blochs "Werk, Lehre und Mut" hervor und nannte ihn "einen der größten Historiker des 20. Jahrhunderts". Die Familie Bloch zeigte sich zunächst zurückhaltend, da sie eine politische Instrumentalisierung seines Andenkens befürchtete. Besonders seine Tochter Suzette legte Wert auf eine "rein bürgerliche" Zeremonie ohne religiöse oder nationalistische Elemente.

Die heutige Gedenkfeier im Panthéon wurde von zahlreichen Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kultur besucht. Ein besonderes Zeichen setzte die symbolische Einbeziehung von Blochs Ehefrau Simonne Vidal, die ihn nicht nur privat, sondern auch in seinem intellektuellen Schaffen unterstützt hatte. Sie wurde in der Zeremonie ausdrücklich gewürdigt.

Im Anschluss an die Feierlichkeiten trug der Schauspieler Xavier Gallais im Panthéon Auszüge aus Blochs bekanntem Werk „L'étrange défaite“ vor und ermöglichte so einen Einblick in dessen Analyse der französischen Niederlage 1940. Die Ehrung von Marc Bloch schafft eine Verbindung zwischen Frankreichs wissenschaftlicher Tradition, seinem Widerstandsgeist gegen Unterdrückung und den Werten der Aufklärung. Die Aufnahme ins Pantheon bewahrt und ehrt sein Vermächtnis für kommende Generationen als wissenschaftliches und moralisches Vorbild.

Quellen

  • Le Monde
  • Euronews
  • Le Figaro

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