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À la une · 11.04.2025 05:24

Marine Le Pen verliert nach Verurteilung auch ihr Amt im Département Pas-de-Calais

Ein Paukenschlag in der französischen Politik: Marine Le Pen, prominente Vorsitzende des Rassemblement National (RN) und bekannte Abgeordnete des Pas-de-Calais, wurde am 31. März 2025 vom Pariser Strafgericht verurteilt – mit drastischen Folgen. Vier...

Ein Paukenschlag in der französischen Politik: Marine Le Pen, prominente Vorsitzende des Rassemblement National (RN) und bekannte Abgeordnete des Pas-de-Calais, wurde am 31. März 2025 vom Pariser Strafgericht verurteilt – mit drastischen Folgen. Vier Jahre Haft, davon zwei zur Bewährung, eine Geldstrafe von 100.000 Euro und fünf Jahre politische Ineligibilität. Die Konsequenzen lassen nicht lange auf sich warten.

Denn auch wenn sie ihr Mandat als nationale Abgeordnete behalten darf – ein juristisches Ergebnis der Gewaltenteilung –, verliert sie ihr Amt als regionale Mandatsträgerin. Die Verurteilung betrifft ihre Rolle als „conseillère départementale“, also als gewählte Vertreterin im Département Pas-de-Calais.

Und das sofort.

Zumindest auf dem Papier.

Denn in der Praxis dauerte es einige Tage, bis die Maschinerie der Bürokratie ins Rollen kam. Erst am 8. April – gut eine Woche nach dem Urteil – traf die offizielle Mitteilung beim zuständigen Präfekt ein. Ein notwendiger Schritt, damit dieser die „démission d’office“, also die automatische Amtsenthebung, rechtswirksam einleiten kann.

Was wie ein kleiner Verwaltungsakt wirkt, entwickelte sich rasch zum politischen Zündstoff.

Einige Abgeordnete meldeten sich zu Wort – darunter Harold Huwart vom unabhängigen Liot-Bündnis. Er richtete einen offenen Brief an Innenminister Bruno Retailleau und zeigte sich verwundert: „Normalerweise dauert das 48 Stunden“, schrieb er, mit Verweis auf einen ähnlichen Fall in Mayotte im Juni 2024. Dort hatte der Präfekt nach einem vergleichbaren Urteil innerhalb von zwei Tagen reagiert. Wieso also das Zögern im Fall Le Pen?

Die Antwort des Innenministeriums kam prompt – zumindest verbal: Es handle sich um eine reine Formsache, die in den kommenden Tagen abgeschlossen sei. Der Präfekt bereite derzeit das Amtsenthebungsdekret vor, das aktuell noch im Kabinett von Minister Retailleau geprüft werde. Keine Absicht der Verzögerung, sondern nur ein letzter Abgleich – so die offizielle Linie.

Doch was steckt wirklich dahinter?

Einmal mehr steht die Frage im Raum, ob die Anwendung von Gesetzen und Urteilen in Frankreich wirklich überall gleich abläuft. Oder ob politische Namen und Bekanntheitsgrad – manch einer würde sagen: politische Macht – bei der Geschwindigkeit der Exekution eine Rolle spielen. Die Unsicherheit über den zeitlichen Ablauf wirft ein Schlaglicht auf die oft schwer durchschaubaren Abläufe in der französischen Verwaltung.

Dazu kommt die Symbolkraft des Moments.

Marine Le Pen ist nicht irgendwer. Sie war Präsidentschaftskandidatin, dreimal in Folge. Ihre Partei, der Rassemblement National, hat seit Jahren den Anspruch, das politische Establishment aufzumischen – wenn nicht gar zu ersetzen. Dass ausgerechnet sie nun wegen Veruntreuung europäischer Gelder verurteilt wird, ist nicht nur ein juristisches Faktum, sondern ein politisches Fanal. Die Sache mit den Assistenten des Front National im Europaparlament hat lange geschwelt – nun ist das Urteil gesprochen.

Doch ist das das Ende von Marine Le Pen?

Wohl kaum. Ihre nationale Immunität als Abgeordnete bleibt bestehen. Ihre Anhänger stehen weiter hinter ihr – oder sehen in dem Urteil sogar eine „politische Inszenierung“. Diese Perspektive, so fragwürdig sie rechtlich sein mag, verleiht ihr in manchen Kreisen fast schon Märtyrerstatus.

Aber die Luft wird dünner.

Denn fünf Jahre politische Ineligibilität bedeuten: keine Kandidatur bei der nächsten Parlamentswahl, kein Auftritt bei lokalen oder regionalen Wahlen. Und wer weiß – möglicherweise wird auch ihre nationale Immunität künftig auf den Prüfstand gestellt.

Die nächsten Wochen dürften spannend werden.

Autor: Andreas M. Brucker

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