Alle Artikel · 25.06.2025 05:57
Marseille im Goldglanz: Wie die „Bonne Mère“ dank Tausender Spender wieder erstrahlt
Sie thront hoch über Marseille, golden und wachend – ein Wahrzeichen, das Generationen von Marseillern tief im Herzen tragen. Jetzt bekommt sie ihren Glanz zurück. Die Rede ist von der „Bonne Mère“, der berühmten...
Sie thront hoch über Marseille, golden und wachend – ein Wahrzeichen, das Generationen von Marseillern tief im Herzen tragen.
Jetzt bekommt sie ihren Glanz zurück.
Die Rede ist von der „Bonne Mère“, der berühmten Statue der Jungfrau Maria auf der Basilique Notre-Dame-de-la-Garde. Nach einem Jahr beispielloser Solidarität hat die Stadt das scheinbar Unmögliche geschafft: 2,8 Millionen Euro wurden gesammelt, um die Statue aufwendig zu restaurieren.
Und hinter dieser Summe steht eine Geschichte von Gemeinschaft, Stolz und echtem Herzblut.
Eine Welle der Solidarität
Alles begann im Mai 2024.
Damals startete der katholische Diözesanverband von Marseille einen Spendenaufruf – zunächst mit eher vorsichtigen Hoffnungen. Doch was dann geschah, übertraf alle Erwartungen: Über 40.000 Menschen öffneten ihre Herzen und Geldbeutel.
Ob per SMS, Online-Spende oder durch den Kauf origineller Fanartikel wie vergoldeter Medaillen, Lavendelseifen, regionaler Weine oder sogar Laufshirts – der Spendenfluss riss nicht ab.
Diese außergewöhnliche Bürgeraktion brachte allein 1,5 Millionen Euro ein.
Ein echtes Zeichen: Die Menschen von Marseille stehen zu ihrem Schutzengel auf dem Hügel.
Wirtschaft und Politik ziehen mit
Doch die Bürger waren nicht allein.
Auch große Namen der Region beteiligten sich: Die weltbekannte Reederei CMA CGM, der Fußballclub Olympique de Marseille, Pernod Ricard, das Familienunternehmen Onet sowie regionale Banken unterstützten großzügig.
Zusätzlich stockten öffentliche Institutionen auf: Die Stadt Marseille, die Métropole Aix-Marseille-Provence, die Region Sud und der Départementrat Bouches-du-Rhône schossen gemeinsam 1,3 Millionen Euro zu.
Ein Schulterschluss von Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik – wie man ihn sich öfter wünschen würde.
Doch wofür all das Geld?
Die Statue ist kein kleines Kunstwerk: 11,2 Meter misst die Figur aus dem 19. Jahrhundert, gefertigt in galvanoplastischer Technik – also mit hauchdünn aufgetragenem Metall über einer stabilisierenden Struktur.
Ihr Glanz kommt von Blattgold. Und davon braucht es eine ganze Menge: knapp 30.000 Blätter müssen neu aufgetragen werden.
Der Aufwand ist enorm – allein der Abbau der Statue erfordert viel Präzision und Erfahrung. Seit Februar 2025 läuft die Restaurierung, bis Dezember sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
Ein goldener Endspurt also.
Mehr als nur ein Denkmal
Doch der Glanz hat auch eine tiefere Bedeutung.
Die „Bonne Mère“ ist kein gewöhnliches Bauwerk. Für viele ist sie Symbol für Schutz, Identität und Zusammenhalt – gerade in einer Stadt so divers und widersprüchlich wie Marseille.
„Dank dieser allgemeinen und großzügigen Mobilisierung geben wir der Bonne Mère ihren Glanz zurück – sie, die über die Vielfalt unserer Stadt wacht“, sagte Kardinal Jean-Marc Aveline, der Erzbischof von Marseille.
Klingt pathetisch? Vielleicht.
Aber man spürt: Diese Statue ist Heimat im besten Sinne.
Der nächste Schritt ist schon in Sicht
Und weil der Erfolg so überwältigend war, geht es gleich weiter.
Der nächste Sanierungsfall steht schon bereit: die Kirche Saint-Louis im 15. Arrondissement. Drei Millionen Euro sind dafür nötig – Spenden können weiterhin über die Plattform jesoutienslabonnemere.com getätigt werden.
Die Hoffnung: Dass erneut Tausende zusammenkommen und spenden – für ihr Marseille, für ihren Glauben, für ihren Stolz.
Denn diese Geschichte zeigt: Auch im digitalen Zeitalter ist gemeinsames Handeln möglich. Wenn ein Ziel Herz, Geschichte und Zukunft verbindet, dann finden sich Wege.
Autor: C. Hatty