Tag & Nacht


Broualan, ein kleines Dorf im bretonischen Département Ille-et-Vilaine, gilt normalerweise als Ort der frischen Atlantikluft. Selbst an warmen Frühlingstagen sorgt die Nähe zum Ozean häufig für angenehme Temperaturen. Doch Ende Mai 2026 spielte das Wetter in der Bretagne nach völlig anderen Regeln.

„Mir war diese Nacht extrem heiß, es waren 28 Grad“, berichtet ein Bewohner. Der Satz klingt zunächst wie die Erinnerung an einen Urlaubstag am Mittelmeer. Tatsächlich stammt er aus einer Region, die viele Menschen eher mit Windjacken als mit tropischen Nächten verbinden.

Gerade die Nächte sorgen derzeit für Aufsehen.

Während hohe Tageswerte spektakulär wirken, gelten ungewöhnlich warme Nächte unter Meteorologen als besonders bemerkenswert. Der Grund liegt auf der Hand: Sinken die Temperaturen nach Sonnenuntergang kaum noch ab, fehlt dem Körper die dringend benötigte Abkühlung. Schlaf fällt schwerer, Wohnungen heizen sich auf, und die Belastung für ältere Menschen oder gesundheitlich angeschlagene Personen steigt deutlich.



In Broualan und anderen Orten der Bretagne wurden in diesen Tagen nächtliche Mindestwerte registriert, die sonst eher aus dem Hochsommer bekannt sind. Auch im nahe gelegenen Dinard erreichte das nächtliche Temperaturminimum mehr als 22 Grad und übertraf damit frühere Mai-Bestmarken deutlich. Für viele Einwohner fühlte sich die Nacht eher wie Ende Juli als wie Ende Mai an.

Die außergewöhnliche Wärme beschränkt sich allerdings nicht auf die Bretagne. In zahlreichen Regionen Frankreichs purzelten innerhalb weniger Tage lokale Temperaturrekorde. Wetterexperten sprechen von einem außergewöhnlich frühen und zugleich anhaltenden Hitzeereignis. Dass bereits im Mai derart hohe Nachtwerte gemessen werden, unterstreicht die Besonderheit der aktuellen Wetterlage.

Wer in Broualan seit Jahrzehnten lebt, erlebt einen bemerkenswerten Wandel. Früher galten milde Sommerabende als angenehm und selten drückend. Heute berichten Bewohner von Schlafzimmern, die selbst nach Mitternacht kaum abkühlen. Die Hitze bleibt wie eine schwere Decke über den Häusern liegen.

Noch handelt es sich um einzelne Rekordereignisse. Dennoch zeigen sie, wie stark sich Wetterextreme inzwischen auch in Regionen bemerkbar machen, die lange als vergleichsweise kühl und ausgeglichen galten. Die Bretagne, einst ein Synonym für frische Meeresluft, erlebt in diesen Tagen Nächte, die eher an südliche Küsten erinnern.

Autor: C.H.

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