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Alle Artikel · 07.06.2024 08:04

Mucem: Eine Reise durch die "Méditerranées"

Der Mucem in Marseille hat eine neue permanente Ausstellung, die ab Mittwoch, dem 5. Juni, für Besucher geöffnet wurde. Diese Ausstellung lädt zu einer faszinierenden Reise durch die vielfältigen Kulturen des Mittelmeerraums ein -...

Der Mucem in Marseille hat eine neue permanente Ausstellung, die ab Mittwoch, dem 5. Juni, für Besucher geöffnet wurde. Diese Ausstellung lädt zu einer faszinierenden Reise durch die vielfältigen Kulturen des Mittelmeerraums ein - von der Antike bis heute.

Méditerranées im Plural

Mit der neuen Ausstellung "Méditerranées" reflektiert das Mucem die unterschiedlichen Identitäten und Vorstellungen, die die Länder rund um das Mittelmeer prägen. Marie-Charlotte Calafat, wissenschaftliche Leiterin der Sammlungen des Museums der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers (Mucem), erklärt: "Das 'S' im Titel war für uns schnell klar: Es gibt nicht nur ein, sondern viele Mittelmeere, zahlreiche Erfindungen und Vorstellungen" - und dennoch eine gemeinsame Kultur, die aus der griechisch-römischen Antike stammt.

Einblicke in die Ausstellung

Die erste Sektion der Ausstellung widmet sich dem historischen Imaginären. Hier werden Ruinen und Skulpturen thematisiert - als dekorative Elemente in vielen Gemälden durch die Jahrhunderte, aber auch als Werkzeuge zur Rechtfertigung kolonialer Unternehmen. Mussolini etwa nutzte libysche Überreste, um seinen mediterranen Expansionismus zu untermauern.

Die Szenografie von "Méditerranées" bricht bewusst mit traditionellen Museumsstandards. In einem Raum stehen antike Skulpturen (hauptsächlich Gipsabgüsse, da die Originale in ihren Ursprungsmuseen verbleiben) neben Gemälden aus dem 18. und Plakaten aus dem 20. Jahrhundert. Diese vielfältigen Kunstformen spiegeln sich gegenseitig wider und tragen zur kollektiven Vorstellung des Mittelmeerraums bei.

Ethnografische Perspektiven und koloniale Reflexionen

Die zweite Sektion stellt "eine andere Mittelmeerwelt" vor, basierend auf ethnografischen Elementen. Sie beleuchtet die kolonialen Eroberungen Frankreichs in Algerien und hinterfragt westliche Darstellungen durch ihre Kunstwerke. Diese zeigen, wie die Kolonialherren die handwerklichen Fähigkeiten dieser Gebiete, wie die Kabyle-Töpferei oder das Weben, entdeckten. Dies führt zur Frage: Gibt es eine einheitliche mediterrane Identität?

Moderne Herausforderungen und Perspektiven

In der dritten Sektion der Ausstellung präsentieren junge Kollektive ausgewählte Objekte, die die aktuellen Herausforderungen des Mittelmeerraums thematisieren. Migration und Umweltprobleme stehen im Fokus. Die heutige Mittelmeerwelt ist komplex und dynamisch, geprägt von historischen Wurzeln und modernen Realitäten. Ist die Identität des Mittelmeerraums heute noch dieselbe wie vor Jahrhunderten? Diese Frage bleibt offen und regt zum Nachdenken an.

"Méditerranées" im Mucem bietet eine tiefgehende und vielschichtige Reise durch die Geschichte, Kultur und aktuellen Herausforderungen des Mittelmeerraums. Die Ausstellung bricht mit traditionellen Präsentationsformen und lädt die Besucher ein, die Vielfalt und die Gemeinsamkeiten dieser faszinierenden Region zu erkunden. Ob Historienliebhaber, Kunstinteressierte oder einfach nur Neugierige - hier findet jeder einen neuen Blickwinkel auf das Mittelmeer. Die Ausstellung ist nicht nur ein Schaufenster in die Vergangenheit, sondern auch ein Spiegel der Gegenwart und ein Fenster in die Zukunft.

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