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Alle Artikel · 31.10.2024 10:36

Müllberge in Marseille – Warum die Müllarbeiter für mehr Ressourcen kämpfen

Schon seit sechs Tagen streiken die Müllarbeiter in Marseille wegen ihrer Arbeitsbedingungen – und die Straßen zeigen das Resultat deutlich: Über 600 Tonnen Müll türmen sich inzwischen in den Straßen von zwei stark bevölkerten...

Schon seit sechs Tagen streiken die Müllarbeiter in Marseille wegen ihrer Arbeitsbedingungen – und die Straßen zeigen das Resultat deutlich: Über 600 Tonnen Müll türmen sich inzwischen in den Straßen von zwei stark bevölkerten Stadtteilen. Die Bürger*innen dieser Viertel müssen sich aktuell durch überfüllte Müllcontainer und Berge von Abfallsäcken kämpfen, ein Zustand, der ein beunruhigendes Bild von der Lage der städtischen Abfallwirtschaft zeichnet.

Die verantwortlichen Müllarbeiter, angestellt bei der Firma Bronzo, einer Tochtergesellschaft des Konzerns Veolia, haben am vergangenen Freitag ihre Arbeit niedergelegt. Der Grund für die Arbeitsniederlegung: Fehlende Ressourcen und die Reduzierung der finanziellen Mittel für die Müllentsorgung, die ihre Arbeit zunehmend untragbar machen.

Betroffene Stadtteile und improvisierte Lösungen

Der Streik betrifft vor allem den 3. und 14. Bezirk Marseilles – zwei dicht besiedelte Stadtteile mit über 110.000 Einwohner*innen. Diese Viertel liegen zudem nahe dem geschäftigen Bahnhof Saint-Charles, einem Knotenpunkt der Stadt. Die Verwaltung hat daher provisorisch zehn Müllcontainer aufgestellt, um zumindest ein Minimum an Müllentsorgung gewährleisten zu können.

Trotzdem bleibt die Situation angespannt. Die provisorische Maßnahme reicht bei Weitem nicht aus, um den Müll, der sich täglich weiter anhäuft, zu bewältigen. Und während die Verwaltung versucht, der Krise mit kurzfristigen Lösungen zu begegnen, bleibt die eigentliche Forderung der Arbeiter*innen bestehen: eine nachhaltige und ausreichende Finanzierung der Müllabfuhr.

Ein Kampf um Ressourcen und Respekt

Denis Ferrandino, Repräsentant der Gewerkschaft CFDT, bringt es auf den Punkt. Laut ihm haben die im April durchgeführten Änderungen der Stadtverwaltung – mit weniger finanziellen Mitteln für Bronzo – dazu geführt, dass die Müllabfuhr auf alle zwei Tage beschränkt wurde. Die Müllentsorgung, die zuvor täglich erfolgte, ist nun auf die Hälfte reduziert, was die Müllmengen auf den Straßen erheblich ansteigen lässt.

Doch das Hauptproblem, so Ferrandino, liegt tiefer. Er kritisiert, dass gerade diese strukturell benachteiligten Viertel besonders unter der Ressourcenknappheit leiden. „Man fragt sich, ob die Verwaltung wirklich willens ist, diese ärmeren Stadtteile angemessen zu unterstützen“, gibt Ferrandino sichtlich frustriert zu bedenken.

Ein Arbeitsalltag unter Druck – und ein ewiges „Weiter so“?

Antoine, der seit 35 Jahren in der Abfallwirtschaft tätig ist, schildert gegenüber dem Sender France 3 Provence Alpes seine täglichen Erfahrungen mit der Krise: „Die Bedingungen verschlechtern sich von Jahr zu Jahr. Weniger Material, weniger Personal, Leute wurden entlassen, solche, die in Rente gingen, nicht ersetzt.“ Diese Entwicklungen belasten die Müllarbeiter stark – Antoine beschreibt das Gefühl so, als würde er mit einer ständigen Last auf der Brust zur Arbeit gehen.

Die Übernahme der Firma Bronzo durch Veolia im Jahr 2021 scheint die Arbeitsbedingungen nur weiter verschärft zu haben. „Es ist schade, denn wir lieben unsere Arbeit – doch so hält es kaum noch jemand aus“, so Antoine weiter.

https://twitter.com/BFMMarseille/status/1851512106459308073

Veolias Reaktion: Gehör schenken, aber keine konkreten Lösungen?

Veolia ist sich der angespannten Situation und den Belastungen bewusst – zumindest klingt das so. Am Montag empfing die Konzernleitung die Streikenden zu Gesprächen. Laut einem Unternehmenssprecher sollen seit Dienstag konkrete Vorschläge auf dem Tisch liegen, doch bislang gibt es keine Details über die angebotenen Maßnahmen.

Die offizielle Stellungnahme der Firma zeigt zwar Verständnis für die Unannehmlichkeiten, die der Müllstreik den Bewohnern bringt. Aber wird das reichen? Ein echter Dialog scheint zwar in Aussicht – doch ob damit die grundsätzlichen Probleme gelöst werden, bleibt ungewiss. Schließlich haben die Mitarbeiter ganz klar festgestellt, dass die momentanen Ressourcen nicht ausreichen, um die Viertel der Stadt adäquat sauber zu halten.

Was wird aus Marseille?

Der Streik und die wachsenden Müllberge sind ein sichtbares Zeichen für die immer wiederkehrenden strukturellen Probleme in der Abfallwirtschaft. Die Lage verdeutlicht, wie oft am Budget gespart wird – und dass diese Kürzungen am Ende diejenigen treffen, die ohnehin schon belastet sind.

Dieser Streik wirft wichtige Fragen auf: Wann wird es eine nachhaltige Lösung geben, die sowohl den Arbeitern als auch den Anwohnern gerecht wird?

https://twitter.com/le_Parisien/status/1851695101983985901

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