Aktuell · 01.07.2026 02:25
Nach Absturz bei Nancy: Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet
Nach dem Absturz eines Pilatus PC-6 bei Tomblaine mit elf Toten hat die Pariser Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eröffnet. Technische und strafrechtliche Untersuchungen laufen parallel und dürften Monate dauern.
Tomblaine – 01.07.2026: Nach dem Absturz eines Kleinflugzeugs in einer Wohnstraße von Tomblaine bei Nancy hat die Pariser Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eröffnet. Der Schritt wurde am Dienstag, 30. Juni, von dem für Großunfälle zuständigen stellvertretenden Staatsanwalt bekanntgegeben. Bei dem Unglück am 28. Juni kamen elf Menschen ums Leben, Verletzte am Boden wurden nicht gemeldet. Es handelt sich um einen der schwersten Unfälle der französischen Leichtluftfahrt der vergangenen Jahre.
Das verunglückte Flugzeug war eine Pilatus PC-6, die kurz nach dem Start vom nahegelegenen Flugplatz Nancy-Essey abstürzte. Trümmerteile wurden in einer Anwohnerstraße gefunden, Einsatzkräfte sperrten das Gebiet weiträumig ab. Die Präfektur koordinierte noch am Abend Notfallmaßnahmen und stellte eine Anlaufstelle für Angehörige bereit. Für Betroffene wurde psychologische Unterstützung organisiert.
Die Ermittlungen laufen in zwei Strängen: Die technische Analyse führt das Bureau d'enquêtes et d'analyses für die zivile Luftfahrt (BEA). Parallel arbeitet die Gendarmerie mit spezialisierten Einheiten, darunter die Gendarmerie der Luftfahrttransporte, an der strafrechtlichen Aufarbeitung. Laut Staatsanwaltschaft werden Flugverlauf, Wartungshistorie, mögliche technische Defekte sowie meteorologische Bedingungen geprüft. Auch die organisatorische Vorbereitung des Flugs, Sicherheitsbriefe und Einsatzpläne der beteiligten Vereine oder Betreiber sollen ausgewertet werden. Der Staatsanwalt warnte vor voreiligen Schlüssen: Die Einleitung eines Verfahrens lege den rechtlichen Rahmen fest, treffe aber keine Aussage über individuelle Schuld.
Aus Kreisen der lokalen Medien heißt es, an Bord seien Teilnehmende eines Tandem- oder Schnuppersprungflugs gewesen. Offizielle Bestätigungen zur Identität der Opfer stehen jedoch noch aus. Die Behörden verweisen auf den Persönlichkeitsschutz und bitten um Zurückhaltung, bis die formelle Identifizierung abgeschlossen ist und Familien informiert sind.
Vor Ort haben Kommunen und regionale Luftsportverbände erste Sicherheitsüberprüfungen angekündigt, darunter Sichtungen von Verfahren für Abflüge über bewohntem Gebiet und Überprüfungen von Betriebsdokumenten. Solche Schritte gelten als üblich nach schweren Vorfällen, unabhängig von der späteren Ursache. Frühere Fälle zeigen, dass die Auswertung von Bauteilen, Bordgeräten und aufgezeichneten Parametern, soweit verfügbar, Monate in Anspruch nehmen kann.
Die Ermittler bitten Zeuginnen und Zeugen, insbesondere Anwohner entlang der Abflugroute und Personen mit Videoaufnahmen, sich zu melden. Die Sperrung des Unfallorts bleibt bis zum Abschluss der technischen Sicherung bestehen, um Spuren nicht zu verfälschen. Die Behörden kündigten an, Zwischenergebnisse zu veröffentlichen, sobald sie belastbar sind.
Quellen
- Franceinfo
- AFP
- TF1 Info
- L'Est Républicain
- Le Dauphiné