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Aktuell · 04.07.2026 17:04

Nach Lyhanna: In Paris und landesweit Tausende für umfassendes Gesetz gegen sexuelle Gewalt

Einen Monat nach dem Mord an der elfjährigen Lyhanna haben in Paris und rund 80 weiteren Städten mehrere tausend Menschen eine „loi-cadre“ gefordert, die Prävention, Strafverfolgung, Opferschutz und Finanzierung bündelt.

Paris – 04.07.2026: In Paris sind am Samstag mehrere tausend Menschen auf die Straße gegangen, um nach dem Mord an der elfjährigen Lyhanna ein umfassendes Gesetz gegen sexuelle Gewalt zu fordern. Die Kundgebung war Teil einer landesweiten Mobilisierung in rund 80 Städten und knüpft an Proteste an, die seit Anfang Juni an Kraft gewonnen haben. In der Hauptstadt führte der Zug nach Medienangaben von der Place de la Bastille zur Place de la Nation, begleitet von Plakaten mit Forderungen nach besserem Schutz von Kindern und klaren staatlichen Zuständigkeiten.

Getragen wurde die Bewegung von einem Bündnis feministischer und kinderschützender Verbände, darunter die Coalition Féministe pour une Loi Intégrale und die Fondation des Femmes. Ihr Kernanliegen ist eine „loi-cadre“, die Prävention, strafrechtliche Bestimmungen, Betreuung von Betroffenen, Ausbildung von Fachpersonal und verlässliche Finanzierung in einem einzigen Gesetzesrahmen zusammenführt. Aus Sicht der Organisatoren fehlt es bislang an einer kohärenten Strategie über Ressortgrenzen hinweg, an festen Budgets sowie an transparenten Indikatoren, um Fortschritte zu messen.

Auf den Demonstrationen verwiesen Teilnehmende auf Defizite im Umgang mit Anzeigen, lange Wartezeiten bei Gutachten und Lücken im Schutz besonders vulnerabler Gruppen. Genannt wurden etwa unzureichende Meldeketten zwischen Schulen, Sozialdiensten und Justiz, unklare Zuständigkeiten bei Gefährdungsbeurteilungen sowie fehlende Plätze in spezialisierten Beratungsstellen. Mehrere Verbände dringen daher auf verpflichtende Präventionsmodule in Schulen und Freizeiteinrichtungen, standardisierte Leitfäden für Fachkräfte und unabhängige Kontrollinstanzen, die die Umsetzung prüfen.

Politisch hat der Fall bereits Folgen angestoßen. Regierungsstellen und Abgeordnete verschiedener Fraktionen beraten nach Angaben aus Parlamentskreisen über beschleunigte Verfahren beim Kinderschutz. Diskutiert werden unter anderem klarere Strafrahmen bei sexualisierter Gewalt an Minderjährigen, verbesserte Ermittlungsabläufe, zusätzliche Mittel für spezialisierte Einheiten sowie eine mehrjährige Finanzplanung, um Projekte dauerhaft zu sichern. Unterstützer der „loi-cadre“ betonen, ein Rahmengesetz könne Doppelstrukturen abbauen und die Koordination zwischen Innen-, Justiz- und Bildungsressort verbindlich regeln.

Die Mobilisierung vom 4. Juli versteht sich als Signal an Regierung und Parlament, zügig konkrete Maßnahmen vorzulegen. Verbände kündigten an, ihre Aktionen fortzusetzen und die Debatte eng zu begleiten, etwa durch Monitoring der Haushaltsberatungen und Anhörungen in Ausschüssen. Der öffentliche Druck wächst damit weiter – mit der zentralen Forderung, Opferschutz, Prävention und Justizpraxis in einem transparenten, finanziell unterlegten Gesetzesrahmen zu bündeln.

Quellen

  • Franceinfo
  • Le Parisien
  • Coalition pour une Loi Intégrale
  • Boursorama
  • Le Progrès

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