Alle Artikel · 24.02.2024 08:00
Nachrichten und Geschichte: Wegelagerer - gestern und heute
Zwischen dem Flughafen Roissy und Paris haben es moderne "Wegelagerer" auf die Autos reicher Prominenter abgesehen und nutzen Staus, um ihre Opfer zu überfallen und Taschen und Schmuck zu stehlen - das gab es...
Zwischen dem Flughafen Roissy und Paris haben es moderne "Wegelagerer" auf die Autos reicher Prominenter abgesehen und nutzen Staus, um ihre Opfer zu überfallen und Taschen und Schmuck zu stehlen - das gab es schon vor der französischen Revolution.
Frankreich hat seit seiner Entstehung im Mittelalter viele berühmte Wegelagerer gekannt. Man kann sogar sagen, dass die großen Banditen die Vorstellungswelt des landes und seiner Bewohner genährt haben. Ein Beispiel dafür ist Cartouche, ein Bandit, der 1962 in einem Film von Philippe de Broca mit Jean-Paul Belmondo in der Titelrolle in Szene gesetzt wurde. Philippe de Broca, der das Drehbuch mitverfasste, sagte, er habe Cartouche sympathisch machen wollen, obwohl die wahre historische Figur ein Gesetzloser und Mörder war.
Der ehemalige Soldat und Sohn eines Söldners, Louis-Dominique Garthausen, genannt Cartouche, hatte seine kriminelle Karriere damit begonnen, dass er mit seiner Bande Überfälle auf Kutschen organisierte, die von Paris nach Versailles fuhren. Ein Weg, den die Reichen zwischen der Hauptstadt und dem königlichen Palast, ähnlich wie die A1 heutzutage zwischen dem Flughafen und Paris, häufig befuhren.
Später schaltete Cartouche einen Teil seiner kriminellen Konkurrenten aus und organisierte seine Anhänger, um irgendwann über die Unterwelt der französischen Hauptstadt zu herrschen. Eine Zeit lang schien er fast unangreifbar zu sein. Es wurde sogar gemunkelt, dass er vom Regenten persönlich geschützt wurde. Doch irgendwann wurde Cartouche von einem Mitglied seiner Bande verraten, verhaftet und zum Tode durch Rädern verurteilt. Seine Legende beschreibt ihn als einen großzügigen, originellen Banditen, dem Reichtum gleichgültig war, obwohl gerade das Geld der Motor seiner Tätigkeit war: Diebstahl.
Ein anderer Bandit und Schmuggler weckte große Neugier unter Historikern: Louis Mandrin. Über ihn gibt es sogar ein altes Volkslied, La Complainte de Mandrin, das seinerzeit Yves Montand wieder in Mode gebracht hat. Mandrin wurde zu seiner Zeit, im Jahr 1755, als Robin Hood beschrieben, der gegen die Steuern und diejenigen, die sie erhoben, vorging. Auch Mandrin wurde Gegenstand eines Fernsehfilms, der ihn 1972 als Rebell und freier Mann verherrlichte. Der Alltag dieser Banditen, ob berühmt oder nicht, war jedoch alles andere als romantisch und drehte sich nur um Geld, Diebstahl und Profit.
- Moderne Zeiten - auch die Banditen sind motorisiert
Die Behörden konnten die Polizei- und Gendarmeriekräfte seit der französischen Revolution mit den berühmten motorisierten Straßen- und später Autobahnbrigaden spürbar verbessern. Aber trotzdem wurden immer wieder bestimmte Arten von Reisenden ins Visier genommen. Mit einer Verfeinerung der räuberischen Methoden. Im Jahr 1947 hielten Banditen den Wagen des französischen Armeeministers an und raubten seinen Kabinettschef aus. Sie waren mit falschen Waffen bewaffnet und raubten mehrmals Reisende insbesondere im Wald von Rambouillet aus. Seit den 1960er Jahren gibt es immer wieder Überfälle auf Geldtransporter. Dann folgten Überfälle auf Lastwagen, wie etwa 2001 im Departement Gard. Die Bande der Lastwagenräuber wurde ebenso wie die Bande, die es auf Luxusautos in der Region Lyon abgesehen hatte, 2019 endgültig zerschlagen.
All diese Banditen landen in der Regel irgendwann hinter Gittern, denn sobald die erste Überraschung vorbei ist, verfeinern die Ordnungskräfte ihre Methoden und werden ihrer habhaft. Wie einst im Fall von Cartouche und Mandrin.