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Aktuell · 13.07.2026 17:00

Neonicotinoid-Spuren in Nutella und Honig: Umweltverband fordert strengere Kontrollen

Eine Untersuchung von Agir pour l'environnement und dem nationalen Imkerverband UNAF weist in zwölf getesteten Honig- und Nussnougatcreme-Produkten Rückstände mehrerer Neonicotinoide nach. Ferrero betont, seine Produkte entsprächen den geltenden Lebensmittelsicherheitsvorgaben.

Paris – 13.07.2026: In Nutella, pflanzlicher Nutella-Alternative und mehreren Honigen sind nach Angaben des Umweltverbands Agir pour l'environnement Rückstände von Neonicotinoiden nachgewiesen worden. Die am Montag veröffentlichte Untersuchung entstand gemeinsam mit der Union nationale de l'apiculture française, dem nationalen Imkerverband UNAF. Analysiert wurden zehn Honige verschiedener Herkunft sowie zwei Nussnougatcremes der Marke Nutella.

Über alle untersuchten Produkte hinweg fanden die beauftragten Labore acht Wirkstoffe aus der Gruppe der Neonicotinoide. In jeder Probe wurden mehrere dieser Insektizidrückstände festgestellt. Besonders häufig tauchten Acetamiprid und Imidacloprid auf. Die Untersuchung beschreibt deutliche Unterschiede zwischen den Produkten: Honigmischungen mit Rohstoffen aus mehreren Staaten waren stärker belastet als die getesteten Honige französischer Herkunft, vor allem Bioprodukte.

Die höchste Gesamtmenge wurde laut Bericht in einem Blütenhonig aus einer Mischung moldauischer und bulgarischer Herkunft gemessen. Auch ein Honig mit Rohstoffen aus der Ukraine, Spanien und Argentinien wies vergleichsweise hohe Werte auf. Dagegen enthielt ein französischer Biohonig aus dem Sortiment von Carrefour nur einen nachgewiesenen Neonicotinoid-Wirkstoff und damit die niedrigste gemessene Belastung der Testreihe.

Bei den beiden Nussnougatcremes wurden sechs beziehungsweise sieben unterschiedliche Wirkstoffe gefunden. Die pflanzliche Variante war stärker belastet als das klassische Produkt. Agir pour l'environnement verweist auf die Herkunft eines großen Teils der verwendeten Haselnüsse aus der Türkei und Italien sowie auf mögliche Rückstände in den Zutaten der pflanzlichen Rezeptur. Diese Erklärungen sind Einschätzungen des Verbands und keine abschließende Ursachenanalyse.

Ferrero erklärte, der bloße Nachweis einer Substanzspur bedeute für sich genommen kein Gesundheitsrisiko. Der Konzern betonte, die Produkte würden nach strengen Qualitätsstandards hergestellt und erfüllten alle geltenden Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit. Ein Rückruf von Nutella wegen der nun veröffentlichten Untersuchung wurde nicht angekündigt. Auch die vorgelegten Werte lagen nach den Angaben zum Honig unter den derzeitigen europäischen Rückstandshöchstgehalten.

Die Debatte berührt dennoch die unterschiedlichen Regeln für Produktion und Einfuhr. Mehrere Neonicotinoide dürfen in Frankreich nicht landwirtschaftlich eingesetzt werden, während einzelne Wirkstoffe in anderen EU-Staaten oder Drittstaaten weiterhin zugelassen sein können. Für Acetamiprid änderte die Europäische Kommission im Frühjahr 2026 die Rückstandshöchstmenge für Honig und andere Imkereierzeugnisse. Diese Grenzwerte regeln die Vermarktung, sind jedoch keine Aussage darüber, ob Rückstände ökologisch wünschenswert sind.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hatte 2024 wegen wissenschaftlicher Unsicherheiten vorgeschlagen, die gesundheitlichen Referenzwerte für Acetamiprid deutlich zu senken. Agir pour l'environnement und UNAF fordern vor diesem Hintergrund, die französischen Verbote beizubehalten und Einfuhren stärker zu kontrollieren. Die aktuelle Untersuchung liefert einen punktuellen Marktvergleich, ersetzt aber keine amtliche, repräsentative Überwachung des gesamten Angebots.

Quellen

  • Le Monde
  • Agir pour l'environnement und Union nationale de l'apiculture française
  • Europäische Kommission, EUR-Lex
  • Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit

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