Alle Artikel · 10.07.2025 11:36
Nestlé unter Druck: Durchsuchungen im französischen Hauptquartier wegen Mineralwasserskandal
Am Donnerstag durchsuchten Ermittler den französischen Hauptsitz von Nestlé bei Paris. Die Aktion ist Teil einer breit angelegten Untersuchung gegen den Konzern und seine Wassersparte Nestlé Waters – es geht um mögliche Verstöße gegen...
Am Donnerstag durchsuchten Ermittler den französischen Hauptsitz von Nestlé bei Paris. Die Aktion ist Teil einer breit angelegten Untersuchung gegen den Konzern und seine Wassersparte Nestlé Waters – es geht um mögliche Verstöße gegen Gesundheits- und Umweltauflagen.
Die Durchsuchung in Issy-les-Moulineaux, südwestlich von Paris, erfolgte am 10. Juli. Sie wurde von der Direction générale de la concurrence, de la consommation et de la répression des fraudes (DGCCRF) bestätigt, wie Radio France berichtete. Die Maßnahme steht im Zusammenhang mit einem im Februar 2025 eingeleiteten Ermittlungsverfahren der Pariser Justiz.
Hintergrund der Ermittlungen
Auslöser der Strafuntersuchung ist eine Klage der Verbraucherorganisation Foodwatch, die sich als Nebenklägerin konstituierte. Foodwatch wirft Nestlé und seiner Tochter Nestlé Waters vor, bei der Produktion und Vermarktung von Flaschenwasser gegen gesundheitliche oder umweltrechtliche Bestimmungen verstoßen zu haben. Im Zentrum steht der Verdacht, Wasserquellen unzureichend geschützt oder Aufbereitungstechniken eingesetzt zu haben, die laut Foodwatch und anderen Kritikern nicht den Sicherheitsanforderungen entsprochen hätten.
Rolle der Behörden
Mit den Durchsuchungen waren der Service national d'enquête (SNE) der DGCCRF sowie das Office central de lutte contre les atteintes à l’environnement et à la santé publique (OCLAESP) beauftragt. Beide Behörden agierten auf Grundlage einer gerichtlichen Kommission der zwei ermittelnden Untersuchungsrichter. Die sichergestellten Daten und Unterlagen sollen nun ausgewertet werden. Ziel ist es, Aufschluss darüber zu erhalten, inwiefern Nestlé Waters gegebenenfalls gegen Vorschriften der Trinkwasseraufbereitung, der Quellenschutzrichtlinien oder der Verbraucherinformation verstoßen hat.
Ein heikles Thema für die Branche
Frankreich zählt zu den wichtigsten europäischen Märkten für Flaschenwasser. Nestlé kontrolliert hier zahlreiche bekannte Marken wie Perrier, Vittel, Contrex oder Hépar. Die Branche steht seit Jahren unter Druck: Umweltorganisationen kritisieren die kommerzielle Ausbeutung von Wasserressourcen in Zeiten zunehmender Dürreperioden und fordern strengere Kontrollen. Im Mai 2024 hatte die Regierung bereits angekündigt, die Konzessionen für Wassernutzung und Quellfassungen stärker zu überprüfen. Der aktuelle Fall könnte für Nestlé zum Präzedenzfall werden und auch andere Anbieter wie Danone mit seinen Marken Évian oder Volvic unter Zugzwang setzen.
Wirtschaftliche und juristische Risiken
Für Nestlé geht es nicht nur um Imageschäden. Sollte die Justiz Verstöße nachweisen, drohen dem Konzern hohe Geldbußen sowie Einschränkungen bei der Nutzung bestimmter Quellen. Darüber hinaus könnte die Debatte um Flaschenwasser generell an Fahrt gewinnen, was strukturelle Folgen für ein Milliardengeschäft hätte: Frankreichs Bevölkerung konsumierte laut Statista im Jahr 2023 rund 8,8 Milliarden Liter abgefülltes Wasser – fast 130 Liter pro Kopf.
Die Ermittlungen dauern an. Ergebnisse der Auswertung der beschlagnahmten Daten werden erst in den kommenden Monaten erwartet.
Autor: P. Tiko