Aktuell · 28.06.2026 23:47
Neu-Kaledonien: Loyalisten gewinnen an Boden, erreichen aber keine Mehrheit im Kongress
Die Liste der Union Les Loyalistes-Le Rassemblement hat 24 der 54 Sitze im Kongress gewonnen, bleibt jedoch unter der absoluten Mehrheit von 28 Sitzen. Die Unabhängigkeitslisten kommen auf insgesamt 26 Sitze, sind jedoch in…
Nouméa – 28.06.2026: Bei den Provinzwahlen in Neu-Kaledonien am 28. Juni 2026 konnten die loyalistischen Parteien ihre Position stärken, erreichten aber nicht die absolute Mehrheit im Kongress. Die Liste Union Les Loyalistes-Le Rassemblement sicherte sich 24 von 54 Sitzen, ein Anstieg gegenüber 19 Sitzen in der vorherigen Amtszeit, blieb allerdings unter der notwendigen Mehrheit von 28 Sitzen.
Die Unabhängigkeitsbewegungen erzielten insgesamt 26 Sitze, verteilt auf drei Gruppen: der Front de libération nationale kanak et socialiste (FLNKS) mit 16 Sitzen, die Union nationale pour l'indépendance-Palika (UNI-Palika) mit 7 Sitzen sowie die Dynamique autochtone mit 3 Sitzen. Hinzu kommt L'Éveil océanien, eine 2019 gegründete Partei, die die etwa 22.000 Walliser und Futuner in Neu-Kaledonien vertritt und vier Sitze erlangte. Diese Partei könnte als entscheidende Vermittlerin zwischen den beiden Lagern fungieren.
In der Provinz Süd, die 75 Prozent der Bevölkerung sowie den Großteil der Wirtschaft Neu-Kaledoniens umfasst, erzielte die Liste Les Loyalistes-Le Rassemblement unter Führung der amtierenden Präsidentin Sonia Backès 50,14 Prozent der Stimmen. Die FLNKS erreichte dort 15,59 Prozent, L'Éveil océanien 10,2 Prozent. In der Nordprovinz, einem Zentrum der Unabhängigkeitsbewegung, setzte sich die Union calédonienne (UC-FLNKS) mit 39,71 Prozent und 10 Sitzen knapp gegen die UNI von Paul Néaoutyine durch, die 35,78 Prozent der Stimmen und 9 Sitze erhielt.
Die Wahlbeteiligung lag bei 63,7 Prozent, was einen Rückgang um 2,8 Prozent im Vergleich zu 2019 bedeutet. Der Wahlablauf zeigte sich ruhig, mit wenigen Warteschlangen an den Wahllokalen.
Da keiner der beiden Blöcke eine absolute Mehrheit im Kongress erreicht hat, sind nun Koalitionsverhandlungen notwendig, um eine stabile Regierung zu bilden und einen Kongresspräsidenten zu wählen. Laurie Humuni vom FLNKS betonte die Bedeutung der Einheit unter den Unabhängigkeitsparteien, während Sonia Backès von den Loyalisten den deutlichen Wunsch nach einem Verbleib Neu-Kaledoniens in der französischen Republik hervorhob.
Diese Wahlen markieren einen wichtigen Schritt in der politischen Entwicklung Neu-Kaledoniens, das in den letzten Jahren durch gewaltsame Auseinandersetzungen, insbesondere im Mai 2024, geprägt wurde. Die kommende Zeit wird zeigen, wie die politischen Kräfte zu einer Einigung finden und damit die Stabilität des Gebiets sichern.
Zusätzlich zu den unmittelbaren Folgen für die Regierungsbildung könnten die Wahlergebnisse auch die Debatte um die Zukunft Neu-Kaledoniens innerhalb der französischen Republik beeinflussen. Das Gebiet befindet sich weiterhin in einem sensiblen Prozess nach mehreren Volksabstimmungen über die Unabhängigkeit, die zuletzt 2021 stattfanden. In diesem Kontext werden die nun anstehenden Verhandlungen und politischen Entscheidungen aufmerksam beobachtet, sowohl von der lokalen Bevölkerung als auch von Frankreich und internationalen Akteuren.
Quellen
- Boursorama
- Zonebourse
- AA.com.tr