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Aktuell · 04.07.2026 10:44

Neue Tiefsee-Chimäre vor Costa Rica wissenschaftlich beschrieben

Forschende haben vor der Pazifikküste Costa Ricas die Langschnauzen-Chimäre Rhinochimaera costaricana beschrieben. Morphologie und DNA-Daten stützen die Abgrenzung; die Art wird nun für Schutzbewertungen erfasst.

San José – 04.07.2026: Forschende aus Costa Rica und Brasilien haben im Pazifik vor Costa Rica eine neue Art aus der Familie der Langschnauzen-Chimären (Rhinochimaeridae) beschrieben. Die in der Fachzeitschrift Zootaxa am 10. Juni 2026 veröffentlichte Studie benennt die Tiefseefisch-Art als Rhinochimaera costaricana und liefert eine Kombination aus morphologischen Merkmalen und genetischen Daten als Nachweis. Chimären sind Knorpelfische und nahe Verwandte von Haien und Rochen, unterscheiden sich jedoch in Körperbau und Lebensweise.

Die formale Beschreibung basiert auf drei männlichen Exemplaren, die zwischen 2000 und 2023 in Tiefen von 390 bis 787 Metern vor Puntarenas, nahe der Isla del Caño und Cabo Blanco, geborgen wurden. Die Tiere messen 775 bis 830 Millimeter Gesamtlänge. Auffällig sind eine im Gattungsvergleich kürzere, lanzettförmige Schnauze, eine größere, mit Stachel versehene erste Rückenflosse sowie veränderte Schuppen- und Hautstrukturen. Diese Merkmale grenzen die neue Art von anderen Rhinochimaera-Arten ab, die im ost- und zentralpazifischen Raum vorkommen.

Zur Absicherung führten die Autorinnen und Autoren DNA-Analysen des mitochondrialen COI-Gens an zwei Exemplaren durch. Die gemessenen Sequenzdifferenzen von 3,9 bis 4,7 Prozent gegenüber den nächsten Verwandten liegen über gängigen Artabgrenzungs-Schwellen in der Fisch-Taxonomie. Mehrere komplementäre Verfahren bestätigten die genetische Eigenständigkeit. Die Studie verbindet historisches Museumsmaterial mit neu erhobenen Proben und unterstreicht den Nutzen integrativer Taxonomie, die morphologische, genetische und ökologische Informationen zusammenführt.

Die Entdeckung erweitert die bekannte Verbreitungskarte der Rhinochimaeridae im östlichen Pazifik. Zugleich verweist sie auf Wissenslücken in meso- und bathypelagischen Zonen, wo reguläre Probenahmen teuer und technisch anspruchsvoll sind. Nach Angaben der beteiligten Institutionen, darunter die Universidad de Costa Rica, das Instituto Costarricense de Pesca y Acuacultura (INCOPESCA) und die Universidade Federal do Pará, könnten in bestehenden Sammlungen weitere unerkannte Tiefseearten verborgen sein.

Mit der formalen Benennung ist Rhinochimaera costaricana nun für Schutzbewertungen, Bestandsaufnahmen und künftige ökologische Studien eindeutig referenzierbar. Das ist relevant, weil Tiefseefauna indirekt von Umweltveränderungen und punktuell auch von Fischereitätigkeiten betroffen sein kann. Die Forschenden regen an, historische Bestände genetisch zu überprüfen und standardisierte Tiefsee-Surveys auszubauen, um Verbreitung, Bestandsgröße und potenzielle Gefährdungen besser zu erfassen. Berichte lokaler und internationaler Medien heben zudem den Bildungswert der Funde hervor: Museumssammlungen liefern nicht nur Belege für neue Arten, sondern auch Vergleichsmaßstäbe, um Veränderungen in marinen Ökosystemen über Jahrzehnte einzuordnen.

Quellen

  • Zootaxa (Veröffentlichung der Erstbeschreibung)
  • South China Morning Post (Bericht und Museumsvorstellung)
  • Phys.org (Wissenschafts-News)
  • Universidad de Costa Rica / Semanario Universidad (lokale Berichterstattung)
  • Franceinfo (RSS-Hinweis)

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