Alle Artikel · 09.03.2025 06:44
Nicolas Dupont-Aignan: Ein erneuter Anlauf für den Élysée-Palast
Am 8. März 2025, einen Tag nach seinem 64. Geburtstag, verkündete Nicolas Dupont-Aignan in Yerres (Essonne) seine erneute Kandidatur für das französische Präsidentenamt. Zum vierten Mal in Folge tritt der Vorsitzende von Debout la...
Am 8. März 2025, einen Tag nach seinem 64. Geburtstag, verkündete Nicolas Dupont-Aignan in Yerres (Essonne) seine erneute Kandidatur für das französische Präsidentenamt. Zum vierten Mal in Folge tritt der Vorsitzende von Debout la France (DLF) an – mit dem Versprechen, Frankreichs Unabhängigkeit gegenüber der Europäischen Union wiederherzustellen. Vor seinen Anhängern erklärte er, dass er sich als Kandidat der „Souveränität“, „Freiheit“ und „Frieden“ verstehe.
Sein politisches Credo bleibt unverändert: Frankreich müsse wieder Herr über sein eigenes Schicksal werden. Dabei sieht er einen Austritt aus der Europäischen Union, den „Frexit“, lediglich als letztes Mittel. Diese Positionierung erlaubt es ihm, sich von anderen rechtspopulistischen Kräften abzugrenzen, ohne dabei seine Kernwählerschaft zu verlieren.
Ein politischer Werdegang zwischen Gaullismus und Nationalismus
Dupont-Aignan begann seine Karriere in der traditionellen gaullistischen Rechten. Er war Mitglied des Rassemblement pour la République (RPR) und später der Union pour un Mouvement Populaire (UMP). Im Jahr 2007 gründete er Debout la France, eine Partei, die sich als Bewahrerin des Gaullismus und als Bollwerk gegen den Einfluss supranationaler Organisationen versteht.
Seine politische Laufbahn ist eng mit dem Département Essonne verbunden. Von 1995 bis 2017 war er Bürgermeister von Yerres, während er von 1997 bis 2024 als Abgeordneter in der Nationalversammlung saß. Diese Positionen nutzte er, um sich als Verteidiger französischer Interessen gegen die EU, Globalisierung und Masseneinwanderung zu profilieren.
Frühere Präsidentschaftskandidaturen und strategische Bündnisse
Dupont-Aignan kandidierte bereits dreimal für das höchste Staatsamt. 2012 scheiterte er mit 1,79 % der Stimmen noch an der Wahrnehmungsschwelle. 2017 erzielte er mit 4,70 % sein bisher bestes Ergebnis und überraschte viele, als er Marine Le Pen in der Stichwahl unterstützte. Sie versprach ihm im Gegenzug den Posten des Premierministers. Diese Allianz blieb jedoch Episode, da sich Dupont-Aignan nach der Wahl wieder von Le Pen distanzierte.
2022 trat er erneut an, konnte aber nur 2,06 % der Stimmen gewinnen. Wieder unterstützte er in der Stichwahl Marine Le Pen, doch sein Einfluss auf den Wahlkampf blieb begrenzt.
Der Weg zurück ins Rampenlicht
Im Juni 2024 verlor Dupont-Aignan sein Abgeordnetenmandat durch die Auflösung der Nationalversammlung. Für einen Politiker, der sich stets als Stimme des Volkes inszeniert, war dies ein harter Rückschlag. Doch nun wagt er das politische Comeback mit einer klaren Botschaft: Frankreich müsse seine Souveränität zurückgewinnen.
Sein erneuter Antritt zeigt, dass er sich weiterhin als feste Größe in der souveränistischen Rechten behaupten will. Ob er diesmal über die Rolle eines Außenseiters hinauskommt, bleibt fraglich.
Von Andreas Brucker