Alle Artikel · 13.04.2025 11:47
Olympische Erinnerungsstücke unter dem Hammer – von Dionysos bis Phryge
Sechs Monate nach dem Spektakel in Paris bekommen die Olympischen Spiele 2024 einen zweiten Frühling – in Form einer Auktion. Am Sonntag, dem 13. April, kommen in der Maison du sport français im 13....
Sechs Monate nach dem Spektakel in Paris bekommen die Olympischen Spiele 2024 einen zweiten Frühling – in Form einer Auktion. Am Sonntag, dem 13. April, kommen in der Maison du sport français im 13. Pariser Arrondissement 199 olympische und paralympische Objekte unter den Hammer. Und nicht nur Fans, sondern auch Sammler, Museumskuratoren und einfach Neugierige aus aller Welt sind heiß darauf, ein Stück olympischer Geschichte zu ergattern.
Von Dionysos bis Designermaske
Beginnen wir mit einem der kuriosesten Highlights: der Kranz aus Plastikfrüchten und Blättern, den der exzentrische Sänger Philippe Katerine während der Eröffnungsfeier als halbnackter, blau bemalter Dionysos trug. Dieses Accessoire – längst ein popkulturelles Artefakt – steht ebenso zur Versteigerung wie die Cloche (Glocke), unter der er die Bühne betrat. Preisrahmen: 400 bis 800 Euro. Kleiner Haken: Die Glocke hat "Unfälle an der Griffstelle", wie es charmant heißt.
Auch die Requisiten der anderen olympischen Akteure sind nicht zu verachten. Der Rednerpult von Tony Estanguet, dem Präsidenten des Organisationskomitees, wird für 100 bis 150 Euro gehandelt. Dabei erzählt er fast liebevoll von den „gemeinsam durchlebten Emotionen“ – fast, als wäre es ein alter Wettkampfpartner.
Kostümträume und Paillettenphantasien
Wem es eher um Aufsehen geht: Der komplette Aufzug des maskierten Fackelträgers steht ebenfalls zum Verkauf – inklusive Maske, Handschuhe, Jacke, Weste, Hose und sogar der Bänder für die Halterung. Das Set bringt’s auf 600 bis 800 Euro.
Für Musikfans wartet das Bühnenoutfit der Metalband Gojira. Zwei schwarze Louis-XVI-Jacken, vier T-Shirts und ebenso viele Jeanshosen könnten für 400 Euro den Besitzer wechseln.
Auch sportlich geht’s weiter: Die Jacke von Para-Radsportler Loïc Vergnaud (Silbermedaille) ist mit 100 Euro ein echtes Schnäppchen. Und wem der Sinn mehr nach Symbolen steht: Eine Original-Olympische Fackel wird mit einem Startpreis zwischen 2.000 und 4.000 Euro gehandelt – Glanz garantiert.
Unterschriften für Sammlerherzen
Autogrammjäger kommen voll auf ihre Kosten. Ein Basketball mit der Unterschrift von Tony Estanguet startet bei 100 Euro. Ein Dossard mit Signatur? Ebenfalls 100. Wer es sportlicher mag: Ein von Florent Manaudou signierter Gegenstand geht für 400 bis 500 Euro über den Tisch. Stars wie Kevin Mayer, Rudy Gobert oder Earvin Ngapeth liegen preislich etwas darunter – zwischen 200 und 400 Euro.
Olympischer Kleiderschrank, bitte öffnen!
Auch Freunde ausgefallener Taschen dürfen sich freuen: Ein "starker Posten" aus Rucksäcken, Beuteln und Taschen verschiedener Olympiateams – darunter Kanada, Israel, Südkorea und Kenia – wartet auf ein neues Zuhause.
Und dann wären da noch die Stars unter den Maskottchen: die Phryges. Ob als Plüschversion, wie sie den Medaillengewinnern überreicht wurde, oder als lebensgroßer Paillettenanzug – sogar mit eigenem Aufblassystem! Wer also schon immer mal als 1,90 Meter große Phryge auf einer Motto-Party glänzen wollte, hat jetzt seine Chance. Preislich geht’s bei 400 Euro los. Schweiß inklusive, wie ein Freiwilliger augenzwinkernd anmerkt: „Es ist verdammt heiß da drin.“
Guter Zweck als Ziel
Der Erlös der Versteigerung fließt komplett an zwei gemeinnützige Organisationen: Cami Sport & Cancer, die Krebspatienten zu Bewegung motiviert, und Premiers de cordée, die sportliche Aktivitäten für Kinder mit Krankheiten oder Behinderungen organisiert.
Olympia, aber zum Anfassen
Diese Auktion ist mehr als eine kuriose Nebenerscheinung. Sie ist ein lebendiger Rückblick auf einen Sommer voller Emotionen, Glanz, sportlicher Höchstleistungen – und manchmal auch purer Verrücktheit. In jedem dieser Objekte steckt ein Stück Paris 2024, ein Stück kollektives Gedächtnis. Und jetzt vielleicht: ein Stück für das eigene Wohnzimmer.
Von C. Hatty