Alle Artikel · 29.04.2024 08:20
Omar Sy: Zwischen Licht und Schatten – Ein Blick hinter den Vorhang
Omar Sy, der französische Schauspieler mit internationaler Strahlkraft, öffnet in seinem neuen Buch erstmalig die Tür zu seiner persönlichen Welt. Bekannt für seine Rollen in „Ziemlich beste Freunde“ und der Netflix-Serie „Lupin“, hat Sy...
Omar Sy, der französische Schauspieler mit internationaler Strahlkraft, öffnet in seinem neuen Buch erstmalig die Tür zu seiner persönlichen Welt. Bekannt für seine Rollen in „Ziemlich beste Freunde“ und der Netflix-Serie „Lupin“, hat Sy sich lange gegen das Schreiben eines Buches gesträubt. Jetzt erklärt er, warum der Moment gekommen war, sich zu öffnen und seine Geschichte zu teilen.
„Anfangs sah ich keinen Sinn darin, ein Buch zu schreiben“, gesteht Sy im Gespräch mit der Journalistin Elsa Vigoureux. Doch mit der Zeit erkannte er den Wert, den seine Erzählung für andere haben könnte. Das Buch, das in Form eines Dialogs geführt wird, ermöglicht einen authentischen Einblick in Sys Welt. „Es geht um den Weg eines jungen Franzosen, der plötzlich im Rampenlicht steht – ein Kind aus den Vorstädten, ein Sohn von Einwanderern. Dieses Mosaik an Erfahrungen macht das Buch interessant.“
Die Entscheidung, Privates zu teilen, fiel ihm nicht leicht, doch der konversative Stil des Buches erleichterte diesen Schritt. „Es ist etwas ganz anderes, über persönliche Dinge in einer Unterhaltung zu sprechen, als auf direkte Fragen zu antworten“, erklärt er. „Natürlich haben wir offen gesprochen, aber nicht alles musste im Buch landen. Ich war überrascht, wie wenig ich am Ende zensieren wollte.“
Eine der faszinierendsten Offenbarungen des Buches ist die Unterscheidung zwischen „Omar“ und „Omar Sy“. Der Schauspieler beschreibt, wie er gelernt hat, zwischen sich selbst und der öffentlichen Figur zu differenzieren. „Die Figur ‚Omar Sy‘ ist nicht wirklich ich, sondern eher, wie andere mich sehen. Ich weiß, dass ich nicht allen Erwartungen gerecht werden kann, und das versuche ich auch gar nicht erst.“
In einer bemerkenswert offenen Passage reflektiert Sy über den enormen Erfolg von „Ziemlich beste Freunde“. „Das war so viel für einen Menschen, und ich musste aufpassen, nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Wenn du nicht an Gott glaubst, könntest du anfangen, an dich selbst zu glauben, und das ist gefährlich.“
Sein ständiger Begleiter? Der Zweifel. „Der Zweifel ist immer da, aber er treibt mich an. Sorge wäre lähmend, aber der Zweifel ist ein Motor.“ Er betont die Wichtigkeit, menschlich zu bleiben und Fehler als Teil des Lebens zu akzeptieren.
Auf die Frage, warum er derzeit nur wenige Filmprojekte in Frankreich hat, antwortet Sy: „Ich bekomme nicht viele Angebote, die mich wirklich reizen oder neu sind. Deshalb habe ich meine eigene Produktionsfirma gegründet, um Projekte zu entwickeln, die meinen Werten entsprechen.“
„Ich sehe mich nicht in dunklen Rollen, ohne Möglichkeit zur Erlösung“, fügt er hinzu. „Es gibt genug dunkle Schicksale in der Welt. Ich möchte als Schauspieler etwas anderes erzählen und als Zuschauer etwas anderes sehen.“
Omar Sys Buch ist nicht nur eine Lebensgeschichte; es ist eine Liebeserklärung an seine Familie und ein Manifest darüber, wie er die Welt sieht und versteht. Ein seltenes und wertvolles Geschenk für seine Leser, die ihn als Mensch hinter dem Schauspieler kennenlernen dürfen.
Unbedingt zu lesen: „Viens, on se parle“ (Komm, wir reden miteinander), Omar Sy und Elsa Vigoureux. Verlag Albin Michel, 288 Seiten, 19,90 €.