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Alle Artikel · 06.04.2025 11:53

Ostern in der Auvergne – Vulkanische Landschaften, stille Dörfer und kulinarische Überraschungen

Wenn der Frühling langsam das französische Zentralmassiv erweckt, die Wiesen grün sprießen und das Leben in den Dörfern wieder erwacht, dann ist die Auvergne bereit für ihren großen Auftritt. Genau zur Osterzeit – wenn...

Wenn der Frühling langsam das französische Zentralmassiv erweckt, die Wiesen grün sprießen und das Leben in den Dörfern wieder erwacht, dann ist die Auvergne bereit für ihren großen Auftritt. Genau zur Osterzeit – wenn man zwischen Aufbruchsstimmung und Ruhe eine Auszeit sucht – zeigt sich diese unterschätzte Region von ihrer charmantesten Seite.

Was erwartet einen hier? Ganz klar: Vulkanlandschaften, tiefe Wälder, charmante Kleinstädte – und eine Küche, die mit Herz kocht, nicht mit Chichi.


Clermont-Ferrand – Stadt mit schwarzem Herz

Startpunkt dieser Osterreise ist Clermont-Ferrand. Wer hier ankommt, wird gleich von einer imposanten Kathedrale begrüßt. Ihre Fassade besteht aus dunklem Vulkangestein – der perfekte Einstieg in eine Region, die tief mit ihrer geologischen Geschichte verbunden ist.

Der Place de Jaude, das pulsierende Herz der Stadt, lädt zum Verweilen ein. Es riecht nach frisch gebackenem Brot, aus den Bistros klingt französischer Chanson, und irgendwie wirkt hier alles etwas entspannter als im hektischen Paris.

Wer hoch hinaus will, nimmt den Bus oder ein Taxi zum Puy de Dôme. Oben angekommen – wow. Das Panorama über die Kette erloschener Vulkane wirkt fast surreal. Und ja, wer fit ist, läuft den Wanderweg hoch – wer’s bequemer mag, nimmt die kleine Zahnradbahn.


Durchs Herz der Auvergne – Zwischen Tradition und Vulkanboden

Von Clermont-Ferrand führt der Weg weiter durch die Vulkanlandschaft. Kleine Straßen schlängeln sich durch die Chaîne des Puys, vorbei an Weiden, auf denen Kühe mit der Ruhe selbst zu sein scheinen. Immer wieder tauchen verschlafene Dörfer auf, jedes mit einer kleinen Kirche, einem Platz, einem Café.

Eine besonders hübsche Etappe? Orcival. Dort steht eine romanische Basilika, die fast zu schön ist, um wahr zu sein – mitten im Nichts, aber voller Geschichte.

Wenige Kilometer weiter bietet das Massif du Sancy grandiose Natur. Wanderschuhe schnüren, Rucksack packen, los geht’s. Der Frühling liegt in der Luft, Vogelgezwitscher überall, und die Aussicht von den Höhen ist schlicht grandios. Hast du schon mal auf einem Vulkan gestanden, auf dem Kühe grasen?


Le Puy-en-Velay – Pilger, Patina und Poesie

Südlich geht’s weiter nach Le Puy-en-Velay. Diese Stadt hat etwas ganz Eigenes. Vielleicht liegt’s an der Kapelle, die auf einem spitzen Felsen thront – als hätte jemand ein Miniaturkirchlein auf einen Vulkan gestellt. Vielleicht auch an der langen Pilgertradition, denn hier beginnt eine der wichtigsten Routen des Jakobswegs.

Die Gassen sind eng, steil und voller Leben. Ateliers, Brocante-Läden, alte Bäckereien – alles wirkt ein bisschen aus der Zeit gefallen, aber gerade das macht’s so sympathisch. Und wenn man dann noch einen duftenden „Pounti“ probiert – diesen herzhafter Kuchen mit Kräutern, Speck und getrockneten Pflaumen – weiß man: Man ist angekommen.


Ostern in der Auvergne – Zwischen Glocken, Eiern und Geschichten

Ostern wird in der Auvergne nicht laut, aber liebevoll gefeiert. Die Kirchen sind geschmückt, auf den Plätzen finden kleine Märkte statt, und in vielen Orten gibt’s traditionelle Eiersuchen – mal im Garten, mal mitten im Dorfpark.

In Frankreich sind es übrigens nicht Hasen, sondern Glocken, die die Eier bringen. Kein Witz! Die Legende erzählt, dass die Kirchenglocken am Karfreitag nach Rom fliegen und am Ostersonntag zurückkehren – dabei lassen sie Süßigkeiten für die Kinder regnen. Verrückt? Ja. Schön? Auch.


Käse, Kartoffeln und jede Menge Geschmack

Klar, ohne Kulinarik geht in Frankreich gar nichts – und die Auvergne macht da keine Ausnahme. Sie macht’s nur… rustikaler. Und ehrlicher.

Aligot ist eines dieser Gerichte, das man probieren muss. Kartoffelpüree, Käse, Butter, Knoblauch – alles zusammengezogen zu einer zähen, cremigen Masse, die fast wie Käsefaden vom Löffel zieht. Dazu gibt’s gerne Würstchen oder Schinken.

Truffade ist ähnlich deftig: Kartoffelscheiben in der Pfanne gebraten, mit geschmolzenem Käse durchzogen. Herzhaft, sättigend und verdammt lecker.

Und wer Käse liebt, kommt an Saint-Nectaire, Cantal und Bleu d’Auvergne nicht vorbei. In jeder Dorfkäserei kann man sich durchprobieren – und glaubt mir, das wird man auch.


Tipps für deine Osterreise durch die Auvergne

  • Anreise: Clermont-Ferrand ist mit dem Zug oder dem Flugzeug erreichbar. Wer mehr von der Region sehen will, sollte sich ein Auto mieten – ohne das wird’s auf dem Land schwierig.
  • Übernachten: Kleine Pensionen, charmante Landhäuser, rustikale Berghütten – es gibt viele Möglichkeiten. Am besten etwas außerhalb der Städte, da ist’s ruhiger und authentischer.
  • Beste Zeit: Die Osterzeit im Frühling ist ideal – angenehme Temperaturen, erste Blütenpracht, aber noch keine Touristenmassen.
  • Nicht verpassen: Einen Sonnenaufgang auf dem Puy de Dôme. Einen Käseeinkauf bei einem Bauern. Eine Nacht in einer Berghütte mit regionalem Abendessen. Das sind die wahren Highlights.

Wer zu Ostern durch die Auvergne reist, erlebt Frankreich in einer rohen, ursprünglichen, fast meditativen Form. Es geht nicht um Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinne – es geht um das Gefühl, in einer Region zu sein, die tief verwurzelt ist in ihrer Geschichte, ihrer Erde, ihrem Lebensgefühl.

Die Auvergne ist wie ein gutes Landbrot: außen rustikal, innen warm, duftend und ehrlich. Und wer einmal hier war, nimmt nicht nur Käse mit nach Hause – sondern eine kleine Portion Ruhe und Erdung.

Ein Reisebericht von V.O.Yager

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