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À la une · 27.03.2025 08:06

Paris sucht den Frieden – Sicherheitsgarantien für die Ukraine im Fokus

Am 27. März versammelt sich in Paris ein breites Bündnis westlicher Staatenlenker zu einem hochrangigen Gipfeltreffen, das weit mehr war als ein Ausdruck symbolischer Solidarität. Ziel des von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron einberufenen Treffens...

Am 27. März versammelt sich in Paris ein breites Bündnis westlicher Staatenlenker zu einem hochrangigen Gipfeltreffen, das weit mehr war als ein Ausdruck symbolischer Solidarität. Ziel des von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron einberufenen Treffens war es, die seit Monaten diskutierten „Sicherheitsgarantien“ für die Ukraine zu konkretisieren – und sie damit als Teil einer möglichen Nachkriegsordnung in Europa zu verankern.

Das Treffen findet zu einem entscheidenden Zeitpunkt statt: Während neue diplomatische Bemühungen um einen Waffenstillstand zwischen Kiew und Moskau sichtbar werden, bleibt der Ausgang des Krieges weiterhin ungewiss. Umso dringlicher erscheint die Frage, wie ein nachhaltiger Frieden für die Ukraine geopolitisch abgesichert werden kann.

Ein Bündnis der Willigen

Rund 30 Staaten folgten Macrons Einladung in die französische Hauptstadt. Unter ihnen waren prominente Vertreter wie der britische Premierminister Keir Starmer, die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni, Bundeskanzler Olaf Scholz, der türkische Vizepräsident Cevdet Yilmaz sowie der Generalsekretär der NATO, Mark Rutte. Auch EU-Vertreter waren anwesend. Die Konferenz diente als Plattform zur Koordinierung weiterer militärischer, finanzieller und politischer Hilfen für Kiew – und vor allem zur Vorbereitung einer Nachkriegsordnung, deren zentrales Element langfristige Sicherheitszusagen sein sollen.

Diese Garantien sollen der Ukraine im Falle eines Friedensschlusses mit Russland den Rückhalt einer breiten internationalen Koalition sichern – vergleichbar mit Artikel 5 der NATO, jedoch außerhalb des formellen Bündnisses. Das Konzept sieht vor, dass westliche Staaten der Ukraine im Angriffsfall rasche und abgestimmte militärische Unterstützung zusichern. Zugleich könnten gemeinsame Übungen, Waffenlieferungen und Ausbildungshilfen Teil der langfristigen Sicherheitsarchitektur werden.

Zwei Milliarden für die Verteidigung

Bereits am Vorabend des Gipfels hatte Präsident Macron dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj ein weiteres Hilfspaket in Höhe von zwei Milliarden Euro zugesagt. Diese Mittel sollen gezielt in moderne Waffensysteme, Munition und logistische Unterstützung fließen. Frankreich signalisiert damit nicht nur seine Entschlossenheit, sondern auch seine Ambition, in der europäischen Sicherheitsarchitektur eine Führungsrolle zu übernehmen.

Andere Länder kündigten ebenfalls neue Hilfen an oder bekräftigten ihre bisherigen Zusagen. Die Unterstützung konzentriert sich derzeit vor allem auf Luftverteidigungssysteme, Drohnentechnologie sowie auf den Schutz kritischer Infrastruktur.

Ein fragiler Waffenstillstand

Parallel zum Gipfel wurden Fortschritte in den indirekten Gesprächen zwischen Russland und der Ukraine bekannt, die unter Vermittlung der Vereinigten Staaten in Saudi-Arabien stattfinden. Die Verhandlungspartner einigten sich unter Vorbehalt auf eine begrenzte Waffenruhe im Schwarzen Meer und auf einen vorläufigen Verzicht auf Angriffe gegen Energieanlagen. Die Einigung gilt als erster konkreter Schritt in Richtung Deeskalation seit Monaten.

Doch bereits kurz nach Bekanntwerden der Vereinbarung trübten gegenseitige Schuldzuweisungen das vorsichtige Hoffen auf Entspannung. Russland warf der Ukraine vor, trotz des Moratoriums weiter kritische Infrastruktur ins Visier genommen zu haben. Kiew hingegen beklagte anhaltende russische Angriffe auf zivile Ziele. Beobachter werten die Entwicklung als Indiz für die hohe Fragilität des beginnenden Dialogs.

Keine Sanktionserleichterung in Sicht

Frankreichs Präsident zeigte sich im Rahmen der Konferenz deutlich: Eine Aufhebung der Sanktionen gegen Russland sei derzeit ausgeschlossen. Moskaus fortgesetzte Aggressionen ließen keinen Zweifel an seiner strategischen Absicht. Auch Selenskyj betonte, dass die internationale Gemeinschaft den Druck auf Russland nicht nur aufrechterhalten, sondern weiter erhöhen müsse, sollte es keine glaubwürdige Bereitschaft zur Deeskalation zeigen.

Insbesondere die jüngsten militärischen Aktivitäten im Osten der Ukraine und an der Schwarzmeerregion untergraben das Vertrauen in den Willen Russlands zu einem dauerhaften Waffenstillstand. Zwar begrüßen westliche Diplomaten die Gesprächsbereitschaft Moskaus, doch wird sie vielfach als taktisches Manöver interpretiert – mit dem Ziel, Zeit zu gewinnen, um sich militärisch neu zu konsolidieren.

Neue Fronten im Hintergrund

Während in Paris um langfristige Sicherheitsgarantien gerungen wurde, machten Berichte aus Südkorea deutlich, wie sehr sich der Krieg in der Ukraine zunehmend in globale Machtkonstellationen einfügt. Die südkoreanische Armee erklärte, Nordkorea habe in diesem Jahr 3.000 Soldaten nach Russland entsandt – offiziell als Arbeitskräfte, inoffiziell wohl zur logistischen Unterstützung russischer Truppen. Zudem soll Pjöngjang weiterhin Raketen, Artilleriegeschosse und Munition nach Russland liefern. Die strategische Kooperation zwischen Moskau und Pjöngjang ist ein deutliches Zeichen für die neue geopolitische Sstellung des russischen Regimes – fernab westlicher Einflussnahme.

Dass Russland auf Militärhilfe eines international weitgehend isolierten Staates wie Nordkorea angewiesen ist, offenbart möglicherweise eine strategische Schwächung des Kremls. Zugleich aber erhöht die Einbindung solcher Akteure die Komplexität des Konflikts – und erschwert eine klare diplomatische Lösung.

Perspektiven einer europäischen Sicherheitsarchitektur

Der Pariser Gipfel unterstreicht eindrücklich, dass ein möglicher Frieden in der Ukraine nicht allein durch Waffenruhen oder Teildialoge gesichert werden kann. Vielmehr bedarf es einer strukturellen Neuordnung europäischer Sicherheitsbeziehungen. Die geplanten Sicherheitsgarantien für die Ukraine markieren in dieser Hinsicht einen Paradigmenwechsel: Sie sollen nicht nur eine Wiederholung des Krieges verhindern, sondern auch die Rolle Europas als sicherheitspolitischer Akteur stärken.

Ob diese Vision trägt, hängt letztlich davon ab, ob die beteiligten Staaten bereit sind, ihre Zusagen mit politischem Willen und konkreten Mitteln zu hinterlegen. Denn nur dann könnte das, was derzeit in Paris formuliert wird, zu einem Baustein einer neuen europäischen Friedensordnung werden.

Autor: MAB

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