Aktuell · 22.07.2026 02:01
Parlament verabschiedet Reform des Profisports in Frankreich
Nach der Nationalversammlung hat auch der Senat die Reform des französischen Profisports gebilligt. Das Gesetz stärkt Verbände, verschärft Regeln gegen Interessenkonflikte und richtet sich besonders an strukturelle Probleme des Profifußballs.
Paris – 21.07.2026: Das französische Parlament hat die Reform zur Organisation, Führung und Finanzierung des Profisports endgültig verabschiedet. Der Senat billigte den Kompromisstext am Dienstag einstimmig, nachdem die Nationalversammlung bereits am 20. Juli zugestimmt hatte. Die Initiative der Senatoren Laurent Lafon und Michel Savin reagiert vor allem auf die wirtschaftlichen und institutionellen Verwerfungen im Profifußball.
Kern des Gesetzes ist eine neue Gewichtung der Zuständigkeiten. Die Sportverbände erhalten eine stärkere Rolle bei der Aufsicht über die Profiligen ihrer jeweiligen Disziplinen. Damit korrigiert das Parlament eine Entwicklung, in der kommerzielle Strukturen und Ligen bei zentralen Fragen der Vermarktung und Führung zunehmend eigenständig agierten. Die Verbände sollen ihre regulatorische Verantwortung künftig wirksamer wahrnehmen können.
Für den Fußball eröffnet das Gesetz den Weg zu einer Gesellschaft der Vereine. Sie soll die bisherige Organisation des professionellen Wettbewerbs weiterentwickeln und die gemeinsame Vermarktung audiovisueller Rechte auf eine solidere Grundlage stellen. Ziel ist es, den wirtschaftlichen Wert der Wettbewerbe zu stabilisieren und zugleich eine ausgewogenere Verteilung der Erlöse zwischen den Klubs zu ermöglichen.
Der Kompromisstext enthält zudem Regeln gegen Interessenkonflikte. Unvereinbar werden bestimmte Leitungsfunktionen im Profisport mit wirtschaftlichen Interessen oder Aufgaben bei audiovisuellen Unternehmen. Das Gesetz stärkt ferner die Kontrolle von Sportgesellschaften, insbesondere mit Blick auf Mehrfachbeteiligungen von Investoren an mehreren Klubs. Diese Frage hatte im europäischen Fußball zuletzt erheblich an Bedeutung gewonnen.
Auch die Vergütung in Ligen und Verbänden wird neu geregelt. Für Spitzengehälter in den Ligen sieht der Text eine Obergrenze von 450.000 Euro vor. Darüber hinaus werden die Tätigkeit von Spielervermittlern strenger gefasst und Maßnahmen zur Förderung des professionellen Frauensports vorgesehen. Die Reform betrifft damit formal alle professionellen Sportarten, ihr Schwerpunkt liegt jedoch klar beim Fußball.
Ein weiterer Abschnitt erweitert die Möglichkeiten der Medienaufsicht Arcom im Kampf gegen die illegale Verbreitung von Sportübertragungen. Piraterie gilt für Ligen und Klubs als wachsendes Finanzierungsrisiko, weil sie die Einnahmen aus Übertragungsrechten schmälert. Die neuen Instrumente sollen der Behörde ein schnelleres Vorgehen gegen rechtswidrige Angebote ermöglichen.
Ausgangspunkt des Gesetzes war eine Senatsuntersuchung aus dem Jahr 2024 zur Rolle von Investmentfonds im französischen Fußball. Sie hatte Defizite bei Transparenz, Verantwortlichkeiten und wirtschaftlicher Steuerung benannt. Nach dem parlamentarischen Beschluss folgt nun das Verfahren zur Verkündung. Die konkrete Umsetzung wird wesentlich davon abhängen, wie Verbände, Ligen und Vereine die neuen gesetzlichen Spielräume ausgestalten.
Quellen
- Franceinfo
- Senat
- Assemblee nationale
- L'Equipe