Aktuell · 07.07.2026 10:46
Perinatale Sterblichkeit in Frankreich 2024 über 11 pro 1.000 Geburten
Eine aktuelle DREES-Auswertung zeigt für 2024 einen weiteren Anstieg der perinatalen Sterblichkeit. Auffällig sind soziale und regionale Unterschiede – besonders in benachteiligten Gebieten und Überseegebieten.
Paris – 07.07.2026: In Frankreich ist die Sterblichkeit in der Perinatalperiode 2024 erneut gestiegen. Nach Berechnungen der Direction de la recherche, des études, de l'évaluation et des statistiques (DREES) lag sie landesweit bei mehr als 11 Todesfällen je 1.000 Geburten. Die am Dienstag veröffentlichte Auswertung ist Teil eines Berichts zur Gesundheit von Neugeborenen und Säuglingen und stützt sich auf staatliche Geburts- und Gesundheitsstatistiken sowie die SNDS-Mutter-Kind-Datenbank. Erfasst werden Totgeburten und Todesfälle innerhalb der ersten sieben Lebenstage.
Innerhalb Frankreichs zeigt sich ein deutliches Gefälle. In der Frankreich-Metropole berechnete die DREES eine Rate von 10,8 pro 1.000 Geburten, während in den überseeischen Départements und Regionen höhere Werte verzeichnet wurden. Die Behörde weist darauf hin, dass methodische Aspekte – etwa verbesserte Erfassung, unterschiedliche Definitionen und die fortlaufende Erweiterung der Datenbasis – Vergleiche im Zeitverlauf beeinflussen können. Der Anstieg fügt sich dennoch in einen Trend, den Fachstellen seit mehreren Jahren beobachten.
Als zentrale Einflussfaktoren nennt der Bericht soziale und territoriale Ungleichheiten. In ärmeren Kommunen liegt die perinatale Sterblichkeit deutlich über dem Landesdurchschnitt. Dazu tragen laut DREES unter anderem ungleicher Zugang zu früher und kontinuierlicher pränataler Betreuung, Unterschiede in der Dichte von Geburts- und Perinatalzentren sowie soziale Belastungen bei. Die Behörde empfiehlt, präventive Angebote in benachteiligten Gebieten gezielt auszubauen, Wege zur Hebammen- und Facharztversorgung zu verkürzen und die Koordination zwischen Stadtmedizin und Krankenhaus zu stärken.
Auch demografische und medizinische Faktoren spielen eine Rolle. Genannt werden das steigende Durchschnittsalter von Schwangeren, eine höhere Prävalenz von Vorerkrankungen wie Adipositas und Diabetes sowie Schwangerschaften mit erhöhtem Risiko, etwa nach assistierter Reproduktion oder Mehrlingsschwangerschaften. Ergänzende Analysen von Santé publique France und INSEE hatten zuletzt ebenfalls auf steigende perinatale und Säuglingssterblichkeit hingewiesen, was die Einordnung der neuen DREES-Zahlen stützt.
Fachleute sehen Handlungsbedarf entlang der gesamten Versorgungskette: von der niederschwelligen Beratung und Vorsorge über strukturierte Programme für Risikoschwangerschaften bis hin zur wohnortnahen Versorgung in perinatalen Netzwerken. Diskutiert werden zudem sozial gestaffelte Präventionsangebote, erweiterte Hebammenleistungen, die Sicherung von Geburtsstationen in dünn besiedelten Regionen sowie die bessere Erreichbarkeit spezialisierter Zentren für Hochrisikofälle. Die DREES plädiert für eine vertiefte Ursachenanalyse, um medizinische und soziale Risikofaktoren präziser zu quantifizieren und passgenaue Maßnahmen zu priorisieren.
Quellen
- DREES (Ministère des Solidarités et de la Santé)
- Franceinfo (Originalmeldung, RSS)