Tag & Nacht

Die französische Politik gleicht derzeit einer packenden TV-Serie voller Intrigen und Wendungen. Seit der überraschenden Ankündigung von Präsident Emmanuel Macron, die Nationalversammlung aufzulösen, ist das politische Spektrum sowohl rechts als auch links in hellem Aufruhr.

Von rechten Verschwörungen bis zu linken Bündnissen – das Chaos kennt keine Grenzen. Nehmen wir zum Beispiel Éric Ciotti, der als deren Präsident seine konservative Partei Les Républicains (LR) regelrecht an das Rassemblement National verriet. Sein unerwarteter Schritt zwang die Führung der Partei, eine Krisensitzung fernab des verschlossenen und abgesicherten Parteihauptquartiers abzuhalten, um ihn aus dem Amt zu drängen. Parallel dazu brach auf der extremen Rechten ein interner Streit aus: Marion Maréchal, eine Nichte von Marine Le Pen, forderte ihre Anhänger auf, das Rassemblement National (RN) zu unterstützen und nicht die Partei Reconquête!, die sie erst vor wenigen Tagen ins Europaparlament gebracht hatte.

Auch innerhalb der Le Pen-Familie, die sich stets auf schillernde Weise um die Macht schart, ist also Bewegung zu spüren. Diese scheinbar herzliche Wiedervereinigung von Nichte und Tante, wohl geplant über Wochen hinweg, spiegeln die Unsicherheiten wider, die sich bis in die höchsten Reihen der Politik durchsetzen.

Dramen und Intrigen – auch auf der linken Seite

Auf der linken Seite der politischen Landschaft kochen die Emotionen ebenso hoch. Olivier Faure, Vorsitzender der Sozialistischen Partei (PS), spielte ein doppeltes Spiel: Er verriet Raphäel Glucksmann, seinen ehemaligen Spitzenkandidaten, um hinter dessen Rücken ein Bündnis mit Jean-Luc Mélenchon einzugehen. Dieses Vorgänge – geprägt von Wendehälsen und dramatischen Abgängen – liefern stündlich neue Schlagzeilen, die schmerzlich an das Drehbuch einer spannenden TV-Serie erinnern.

Woher kommt der Drang zur Auflösung?

Interessanterweise scheinen diese dramatischen Szenarien direkt aus den Lieblingsserien einiger einflussreicher Berater des Präsidenten inspiriert zu sein. Besonders die Serie „Baron Noir“, eine politische Saga, die Macrons Aufstieg zur Macht schildert, hat anscheinend derzeit großen Einfluss auf die Entscheidungsfindung. Jonathan Guémas, Macrons Kommunikationschef, kennt den Regisseur Éric Benzekri gut und hat ihm angeblich sogar Ratschläge für seine Serie „La Fièvre“ gegeben, die kürzlich auf Canal Plus ausgestrahlt wurde. Diese Serie zeigt ein Frankreich, das von identitätspolitischen Leidenschaften zerrissen ist – ein überraschend genaues Spiegelbild der gegenwärtigen politischen Landschaft.

Realität und Fiktion – ein untrennbares Duo?

In diesen Serien, die die politischen Berater so faszinieren, tauchen populistische Gegner auf, die sowohl auf der Straße als auch im Parlament Unruhe stiften. Regierungen sehen sich belagert und stehen kurz davor, alles zu verlieren. Doch am Ende sind es immer die cleveren „Spin Doctors“, die den Präsidenten dazu bringen, sein politisches Schicksal – und das des Landes – auf ein riskantes, aber geniales Manöver zu setzen.

Erkennen Sie darin Parallelen zur aktuellen politischen Situation? Der Haken an diesen Serien ist, dass am Ende immer die Guten gewinnen. In der realen Politik hingegen sind die „echten guten Leute“ oft die Verlierer. Während im Élysée-Palast über abwegige Szenarien nachgedacht wird, nutzt der rechtsextreme Politiker Jordan Bardella soziale Medien wie TikTok, um sich in Szene zu setzen – ein Hinweis auf die derzeitige Misere der Politik.

Die Frage bleibt: Spiegelt die Politik das Fernsehen wider oder umgekehrt? Die Antwort darauf mag unklar sein, doch eines ist sicher – die politischen Entwicklungen in Frankreich sind derzeit spannender als jede Serie.


Du möchtest immer die neuesten Nachrichten aus Frankreich?
Abonniere einfach den Newsletter unserer Chefredaktion!