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À la une · 26.11.2025 08:41

Rätsel um den Louvre-Raub: Acht Verdächtige, kein Schmuck, viele Fragen

Der Coup war spektakulär, fast filmreif. In den frühen Morgenstunden des 19. Oktobers 2025 drang ein professionell organisiertes Kommando in das Pariser Louvre-Museum ein – mithilfe eines gestohlenen Monteurslifts, gezielten Schnitten mit der Trennscheibe...

Der Coup war spektakulär, fast filmreif. In den frühen Morgenstunden des 19. Oktobers 2025 drang ein professionell organisiertes Kommando in das Pariser Louvre-Museum ein – mithilfe eines gestohlenen Monteurslifts, gezielten Schnitten mit der Trennscheibe und offenbar minutiöser Planung. Die Beute: wertvolle Juwelen aus der Galerie d’Apollon, geschätzt auf 88 Millionen Euro. Seither ist nichts mehr wie zuvor.

Ein Monat später bleibt der Schatz verschwunden. Doch das Netz der Ermittler zieht sich enger. Acht Verdächtige wurden bislang festgenommen, einige sitzen in Untersuchungshaft. Und doch: Der entscheidende Durchbruch fehlt.


Der erste Zugriff kam schnell.

Gerade einmal sechs Tage nach dem Einbruch klickten die Handschellen. Am Flughafen Roissy-Charles-de-Gaulle wurde Ayed G., 35 Jahre alt, festgenommen – nur wenige Minuten bevor er sich nach Algerien absetzen konnte. Sein Fehler: Er ließ DNA-Spuren auf einem Fluchtscooter zurück.

Ayed G. war kein Unbekannter. Verkehrsdelikte, ein Diebstahl, kein Schwerverbrecher – und doch Teil einer Gruppe, die Frankreichs berühmtestes Museum um Millionen erleichtert haben soll. Ihm zur Seite stand Abdoulaye N., 39, ebenfalls am 25. Oktober gefasst. Auch er hatte Spuren hinterlassen: auf einer der Vitrinen, mitten in der Galerie Apollon.

Ein kurioses Detail: In der Unterwelt ist Abdoulaye N. besser bekannt als „Doudou Cross Bitume“. In den 2000er-Jahren avancierte der kleine Delinquent aus Aubervilliers zur Online-Berühmtheit – mit waghalsigen Motocross-Stunts, millionenfach geklickt, wild bejubelt. Nun sitzt er wegen schwerer Bandenkriminalität in Untersuchungshaft. Auch Ayed G. wurde dem Haftrichter vorgeführt – beide Männer haben ihre Tatbeteiligung teilweise eingeräumt.


Fünf Tage später folgte die zweite Welle.

Am 29. Oktober schlugen Spezialkräfte erneut zu. Diesmal in Paris und Umgebung. Mit dabei: Slimane K., 37 Jahre alt, mutmaßlich das dritte Mitglied des Kommandos. Ihn nahmen die Beamten ausgerechnet vor dem Stadion Jean-Bouin fest – Fußball, Flucht und Fahndung, alles ganz nah beieinander.

Slimane K. soll den Monteurslift aus dem Val-d’Oise beschafft und beim eigentlichen Einbruch mit der Trennscheibe hantiert haben. Auch er kein Kind von Traurigkeit – diverse Diebstähle und Delikte im Register. Die Ermittler hatten ihn längst im Blick. Jetzt sitzt auch er ein.

Die anderen vier Personen, die an jenem Abend festgenommen wurden, hatten weniger Glück – oder mehr. Drei wurden nach Verhören wieder entlassen. Die vierte, eine 38-jährige Frau, wurde ebenfalls inhaftiert. Sie ist Mutter, lebt in Seine-Saint-Denis – und führte laut Polizeiangaben eine Beziehung mit Slimane K. Ob sie logistische Hilfe leistete, Geld verwaltete oder nur zu viel wusste, ist unklar. Der Vorwurf: Beihilfe.


Am 25. November schlugen die Ermittler erneut zu – zum dritten Mal.

Wieder vier Personen. Zwei Männer (38 und 39 Jahre), zwei Frauen (31 und 40 Jahre). Alle aus dem Großraum Paris. Ob sie Mitwisser, Helfer oder direkte Täter sind, bleibt vorerst offen. Die Staatsanwaltschaft hält sich bedeckt – noch laufen die Vernehmungen, und die Verteidigung kennt die Akten nicht.

Ein Detail aber sickert durch: Einer der beiden Männer, festgenommen im westfranzösischen Laval, soll der vierte Mann im Bunde sein – der letzte Unbekannte aus dem mutmaßlichen Tatkommando. Doch auch er schweigt bislang. Und die Beute?

Weiterhin spurlos verschwunden.


Es ist ein Fall, wie ihn selbst die krimierprobten Pariser Ermittler nur selten erleben. Die Professionalität des Einbruchs, die Geschwindigkeit der Fahndung, die Ungewissheit über das Schicksal der Juwelen – all das macht den Fall zu einem der aufsehenerregendsten Kunstdiebstähle der jüngeren Geschichte.

Es geht längst nicht mehr nur um gestohlenen Schmuck. Es geht um das Sicherheitsversprechen eines Landes, das stolz auf seine kulturellen Schätze ist. Um die Frage, wie verwundbar selbst die berühmtesten Orte Europas sind. Und darum, ob ein perfekt inszenierter Coup heute noch Spuren hinterlässt – oder ob er im digitalen Rauschen untergeht.

Die Ermittler geben sich jedenfalls kämpferisch. „Wir sind auf einem guten Weg“, heißt es aus Justizkreisen. Doch der Weg ist noch lang. Und das Ziel – der Louvre-Schatz – liegt weiterhin im Dunkel der Geschichte.

Andreas M. Brucker

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