À la une · 07.11.2025 07:56
Rätselhafte Schüsse auf Autos im Wald – was geschieht nahe Fougères in der Bretagne?
Nacht. Wald. Eine abgelegene Landstraße. Und plötzlich ein Einschlag – in die Windschutzscheibe, durch die Seitenscheibe. Wer in diesen Tagen in der Nähe von Landéan bei Fougères in der Bretagne unterwegs ist, kennt das...
Nacht. Wald. Eine abgelegene Landstraße. Und plötzlich ein Einschlag – in die Windschutzscheibe, durch die Seitenscheibe. Wer in diesen Tagen in der Nähe von Landéan bei Fougères in der Bretagne unterwegs ist, kennt das mulmige Gefühl. Denn hier, auf den kleinen Départementstraßen D177 und D155, kam es zu einer Reihe mysteriöser Vorfälle, die einem Krimi entsprungen sein könnten.
Mehrere Fahrzeuge wurden beschossen – aus dem Nichts. Ohne erkennbares Motiv. Ohne bisher bekannte Täter.
Ein Wochenende voller Rätsel
Die Nacht vom 1. auf den 2. November 2025 war die erste, in der es zu gleich mehreren Zwischenfällen kam: Zehn Autos wurden beschädigt. Die Einschläge: gezielt, konzentriert, immer in Waldnähe. Am nächsten Abend dann ein weiterer Vorfall – diesmal etwas näher an der Stadtgrenze von Fougères.
Die Beschreibungen der Betroffenen gleichen sich: Knall, splitterndes Glas, Schock. Bei einigen durchschlug das Geschoss sogar die Scheibe. Glück im Unglück: Niemand wurde verletzt. Doch was bleibt, ist ein Gefühl wachsender Unsicherheit.
Ermittlungen im Nebel
Was genau wurde hier auf Fahrzeuge abgefeuert? Wer hat geschossen – und warum? Fragen, die bislang unbeantwortet bleiben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Gesucht wird nach Hinweisen auf den oder die Täter, nach Spuren, nach dem Ursprung der Schüsse.
Interessant ist: Die Theorie, es könnten sich um Schüsse aus Jagdgewehren handeln, wurde rasch ausgeschlossen. Inzwischen geht man eher von einer Softair-Waffe aus. Auch das wirft Fragen auf – denn solche Geräte sind zwar eigentlich nicht tödlich, können aber sehr wohl gefährlich sein, wenn sie mit voller Wucht aus kurzer Distanz eingesetzt werden.
Ballistische Spuren? Keine. Projektilreste? Fehlanzeige. Die Ermittlungen verlaufen bislang im Sand – oder besser gesagt: im feuchten Waldboden der bretonischen Herbstnächte.
Ein Muster? Vielleicht.
Was auffällt: Die Orte sind abgelegen, die Straßen nachts wenig befahren. Wer hier unterwegs ist, ist meist allein oder auf dem Heimweg. Die Dunkelheit schützt – nicht die Fahrer, sondern den Schützen.
Dass es zehn Vorfälle in einer einzigen Nacht gab, deutet kaum auf einen Zufall hin. Auch kein einzelner, leichtsinniger Schuss – sondern ein systematisches Vorgehen. Irgendjemand hat sich Mühe gegeben. Vielleicht, um Angst zu verbreiten. Vielleicht aus Langeweile. Oder aus Gründen, die noch niemand versteht.
Die psychologische Dimension
Was solche Taten anrichten, geht weit über kaputte Scheiben hinaus. Die Anwohner sprechen von Unbehagen. Manche meiden die betroffenen Straßen inzwischen ganz, vor allem nachts. Andere fahren bewusst langsamer, beobachten jeden Waldrand, jede Einfahrt.
Sicherheit auf dem Land – sonst eine Selbstverständlichkeit – ist plötzlich brüchig geworden. Wer abends zur Arbeit fährt oder spät von Freunden heimkehrt, fährt jetzt mit einem mulmigen Gefühl. Eine Frau sagte: „Die einzige Angst, die ich habe? Dass plötzlich wieder geschossen wird.“
Was tun, wenn nichts klar ist?
Die Gendarmerie hat die Ermittlungen verstärkt. Patrouillen werden häufiger, Kontrollfahrten ausgeweitet. Kameras? Fehlanzeige – auf diesen Strecken gibt es keine Überwachung. Auch das spielt den Tätern in die Hände.
Dabei wäre gerade jetzt Sichtbarkeit gefragt. Beleuchtung, Präsenz, vielleicht sogar temporäre Straßensperrungen in der Nacht – all das könnte nicht nur zur Aufklärung beitragen, sondern auch das Sicherheitsgefühl der Menschen stärken.
Ein mögliches Szenario?
Wer sich die Ereignisse nüchtern anschaut, erkennt ein Muster, das an einen gefährlichen Nervenkitzel erinnert. Die Taten wirken wie eine Art Mutprobe – eine Art „Trophäenjagd“, bei der sich jemand beweisen will, ohne Rücksicht auf Folgen.
Wird ein Video auftauchen? Ein Bekennerschreiben? Oder bleibt alles im Dunkeln, bis der Täter aus freien Stücken aufhört – oder entdeckt wird?
Kein Einzelfall?
Vergleichbare Vorfälle gab es in den vergangenen Jahren immer wieder – nicht nur in Frankreich. Replika-Waffen, Angriffe aus dem Hinterhalt, gezielte Störungen des Straßenverkehrs: ein Phänomen, das sich mit sozialen Medien, anonymen Gruppen und Mutproben immer weiter verbreitet.
Die Herausforderung: Zwischen Spiel, Provokation und echter Gefahr zu unterscheiden. Hier ist die Grenze schmal – und für die Betroffenen kaum erkennbar.
Bleibt die Frage
Was treibt jemanden dazu, nachts im Wald auf Autos zu schießen?
Solange diese Frage offen bleibt, bleibt auch die Angst. Der Wald nahe Fougères hat seine Ruhe verloren – und mit ihr ein Stück des Sicherheitsgefühls, das viele mit dem Leben auf dem Land verbinden.
Die Hoffnung ruht auf der Aufklärung – und darauf, dass sich dieser beunruhigende Spuk nicht wiederholt.
Autor: Daniel Ivers