Aktuell · 13.07.2026 03:45
Rajoys Aussage über Frankreichs Nationalteam löst diplomatische Kritik aus
Der fruehere spanische Ministerpraesident Mariano Rajoy hat Frankreichs Fussballnationalteam vor dem WM-Halbfinale gegen Spanien die nationale Zugehoerigkeit abgesprochen. Spaniens Regierungschef Pedro Sanchez und Vertreter der französischen Regierung wiesen die Aussage entschieden zurueck.
Paris – 13.07.2026: Eine Bemerkung des frueheren spanischen Ministerpraesidenten Mariano Rajoy über die französische Fussballnationalmannschaft hat kurz vor dem WM-Halbfinale gegen Spanien eine politische Kontroverse ausgeloest. Rajoy schrieb in einer Kolumne, Frankreich verfuege zwar über einen Kader von hohem Niveau, spiele jedoch ohne Franzosen. Die Aussage wurde in Frankreich und Spanien als rassistisch und fremdenfeindlich kritisiert.
Der spanische Regierungschef Pedro Sanchez distanzierte sich am Sonntag, 12. Juli, deutlich von seinem Vorgaenger. Zugehoerigkeit duerfe nicht nach Familiennamen, Geburtsort oder Hautfarbe bewertet werden, erklaerte Sanchez. Spanien gehoere jenen, die das Land liebten und durch ihre Arbeit zu ihm beitruegen. Er verband seine Kritik mit dem Wunsch, im Halbfinale moege die bessere Mannschaft gewinnen und der Rassismus verlieren.
Rajoy, der Spanien von 2011 bis 2018 als Ministerpraesident fuehrte, hatte seinen Kommentar nach dem Einzug Spaniens ins Halbfinale der Weltmeisterschaft veroeffentlicht. Frankreich und Spanien sollen am Dienstag, 14. Juli 2026, in Dallas gegeneinander spielen. Die sportliche Begegnung fällt damit auf den französischen Nationalfeiertag und erhaelt durch den politischen Streit eine zusätzliche symbolische Dimension.
Auch die französische Regierung reagierte. Innenminister Laurent Nunez bezeichnete Rajoys Worte als voellig inakzeptabel und verwies auf den republikanischen Grundsatz, wonach jeder Mensch unabhaengig von seiner Herkunft seinen Platz in Frankreich haben koenne. Aurore Berge, die für den Kampf gegen Diskriminierung zustaendige Ministerin, verlangte, Sportler nach ihrer Leistung und nicht nach zugeschriebener Herkunft zu beurteilen.
Die französische Botschaft in Madrid stellte die Fakten in einer oeffentlichen Erklaerung klar: Alle 26 für das Turnier nominierten Spieler besitzen die französische Staatsangehoerigkeit. Demnach wurden 23 von ihnen in Frankreich geboren; die drei im Ausland geborenen Akteure sind ebenfalls Franzosen. Eine Nationalmannschaft kann nach den Regeln des internationalen Fussballs nur Spieler einsetzen, die die Staatsangehoerigkeit des vertretenen Landes besitzen.
Der Vorgang beruehrt einen seit langem gefuehrten Streit über das Verstaendnis nationaler Zugehoerigkeit. Frankreich definiert seine politische Gemeinschaft republikanisch und staatsbuergerlich, nicht ethnisch. Gerade die Erfolge der Auswahlmannschaft haben in der Vergangenheit immer wieder Debatten über Migration, Hautfarbe und nationale Identitaet hervorgerufen. Rajoys Formulierung knuepft an dieses bekannte Deutungsmuster an, obwohl sie die rechtliche Staatsangehoerigkeit der Spieler ausblendet.
Die Reaktionen aus Madrid zeigen zugleich, dass die Aussage nicht als Position der spanischen Regierung gilt. Aussenminister Jose Manuel Albares nannte sie verletzend und gefaehrlich. Sanchez stellte dem eine politische Botschaft entgegen: Frankreich und Spanien seien Nachbarn, Partner und Verbundene. Das Spiel am 14. Juli wird somit sportlich ausgetragen, während der Streit über Rajoys Worte bereits zu einer Frage republikanischer Prinzipien geworden ist.
Quellen
- L'Equipe
- El Pais
- Euronews
- Spanische Regierung La Moncloa