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À la une · 07.05.2025 09:24

Rennes unter Beschuss – Wenn die Idylle der Gewalt weicht

Einst galt Rennes als ruhiges Pflaster in der Bretagne – eine Stadt, in der sich Lebensqualität, Bürgernähe und eine progressive Stadtpolitik vereinten. Heute ist dieses Bild schwer beschädigt. Brennende Fragen stellen sich nach jeder...

Einst galt Rennes als ruhiges Pflaster in der Bretagne – eine Stadt, in der sich Lebensqualität, Bürgernähe und eine progressive Stadtpolitik vereinten. Heute ist dieses Bild schwer beschädigt. Brennende Fragen stellen sich nach jeder neuen Schießerei, nach jedem verletzten Kind: Wie konnte es so weit kommen? Und: Wie lange noch?

Seit Monaten versinkt Rennes in einer Spirale aus Gewalt und Angst, angeheizt vom Drogenhandel, der ganze Stadtteile in Geiselhaft nimmt. Die Schüsse in Maurepas, Villejean und anderswo sind nicht mehr Ausnahme, sondern erschreckende Realität. Am 26. Oktober 2024 traf eine Kugel ein fünfjähriges Kind – mitten im Alltag, mitten im Leben. Spätestens da war klar: Die Grenze ist überschritten.

Bürgermeisterin Nathalie Appéré (PS) schlägt Alarm. Laut, eindringlich, verzweifelt.

Seit Monaten fordert sie Verstärkung von der Nationalpolizei, appelliert an den Innenminister, an den Premier, an alle, die es hören wollen – und müssen. Ihre Botschaft: Rennes ist nicht weniger wert als andere Städte. Rennes braucht Schutz. Jetzt.

Sie spricht Klartext: Die Stadt hat gehandelt, hat die Polizeipräsenz verdoppelt, tausende Überwachungskameras installiert, präventive Maßnahmen gestartet. Doch gegen kriminelle Netzwerke, die ihre Macht mit Kugeln und Drohungen festigen, reichen kommunale Mittel nicht aus. Nicht einmal annähernd.

Appéré verlangt, was selbstverständlich sein sollte: Sicherheit – nicht als Privileg, sondern als Grundrecht.

Und sie hat Recht. Denn was sich in Rennes abspielt, ist ein Spiegelbild eines nationalen Problems. Ob Marseille, Lyon oder Nantes – überall dieselbe Dynamik: Drogenmärkte wachsen, Banden kämpfen um Territorien, die öffentliche Ordnung gerät ins Wanken. Und mittendrin: verängstigte Familien, überforderte Gemeinden, Polizisten am Limit.

Was muss noch passieren, bis die Republik handelt?

Es braucht eine echte Strategie, keine symbolischen Besuche mit Kamera und Kugelschreiber. Repression allein wird das Problem nicht lösen. Auch nicht nur mehr Polizei. Es braucht eine radikale Mischung: konsequente Strafverfolgung, wirtschaftliche Alternativen, Bildung, soziale Stabilität. Dort, wo heute Drogenhändler Arbeitsgeber sind, müssen morgen Perspektiven wachsen.

Aber all das beginnt mit einem klaren Signal: Der Staat sieht hin. Und er schützt. Auch in Rennes.

Solange dieses Gefühl fehlt, breitet sich das Vakuum aus – und mit ihm die Gewalt. Und solange die Politik zögert, geraten nicht nur Kinder zwischen die Fronten, sondern ganze Stadtviertel werden zu verlorenen Räumen.

Die Zeit der Alibihandlungen ist vorbei. Es geht jetzt um Glaubwürdigkeit.

Von Daniel Ivers

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