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Alle Artikel · 21.04.2025 06:36

Rhône statt Asphalt – Wie Frankreichs Flüsse die Logistik von morgen gestalten

Zwischen Lastwagen, Lärm und Luftverschmutzung bahnt sich am Ufer des Rhône eine stille Revolution an. Während sich der Güterverkehr jahrzehntelang auf Straßen konzentrierte, entdecken Frankreichs Städte und Unternehmen eine uralte, aber zukunftsfähige Alternative neu:...

Zwischen Lastwagen, Lärm und Luftverschmutzung bahnt sich am Ufer des Rhône eine stille Revolution an. Während sich der Güterverkehr jahrzehntelang auf Straßen konzentrierte, entdecken Frankreichs Städte und Unternehmen eine uralte, aber zukunftsfähige Alternative neu: den Fluss.


Zurück zu den Wurzeln – mit neuem Antrieb

Vergessen, vernachlässigt, fast verdrängt: Der Transport über Wasser schien in der Ära des Just-in-Time und der Autobahnen nicht mehr gefragt. Doch jetzt kehrt der Rhône kraftvoll zurück – mit beeindruckenden Zahlen: Allein zwischen Juni und Oktober 2024 wurden 30.000 Tonnen Baumaterialien über 280 Kilometer von Lyon nach Arles per Schiff transportiert. Das entspricht rund 1.000 Lkw-Fahrten, die eingespart wurden – samt 164 Tonnen CO₂ und über 100.000 Litern Diesel.

Solche Initiativen zeigen: Die Binnenschifffahrt ist längst kein nostalgisches Relikt – sie ist effizient, klimafreundlich und entlastet Straßen, gerade zur Ferienzeit, wenn Staus ohnehin das Straßenbild dominieren.


Wein auf dem Wasser und Käse per Kahn

Was zunächst nach romantischer Spielerei klingt, entwickelt sich zur echten Alternative. Die Linie „Beaujo’Lyon“, die 2022 als Versuch startete, transportiert inzwischen regelmäßig lokale Produkte wie Beaujolais-Wein von Villefranche-sur-Saône nach Lyon – direkt über den Fluss. Seit 2023 ist daraus ein fester Bestandteil der urbanen Versorgungskette geworden.

Und das ist noch nicht alles: Die hybride Flussschiff-Zulu 5 liefert wöchentlich bis zu 15 Tonnen Güter ins Herz von Lyon. Was früher im Lieferverkehr im Stau stecken blieb, gleitet heute lautlos übers Wasser – um anschließend per E-Van oder Lastenrad zur Haustür zu rollen.


Innovativ, ökologisch – aber noch nicht Mainstream

So fortschrittlich diese Projekte auch sind, der große Durchbruch steht noch aus. Der Verkehr auf dem Rhône-Saône-Becken ist seit 2019 um 30 Prozent eingebrochen. Die Gründe? Fehlende Infrastruktur, mangelnde Bekanntheit und komplizierte Logistikprozesse. 2021 lag das transportierte Volumen bei nur 4,95 Millionen Tonnen.

Doch es tut sich was: Der Plan Rhône-Saône 2021–2027 sieht 58 Millionen Euro an Investitionen vor – für moderne Häfen, grünere Schiffe und einen besseren Anschluss an Straßen- und Schienennetze. Ziel ist es, den Frachtverkehr auf dem Fluss um ein Viertel zu steigern und gleichzeitig 30 Prozent CO₂ einzusparen.


Miteinander statt Gegeneinander

Niemand will den Lkw komplett ersetzen – das wäre illusorisch. Doch der Fluss kann mehr als nur schwere Ladung von Hafen zu Hafen schleppen. Er ergänzt die Straße sinnvoll, entlastet Städte, schützt das Klima – und zeigt: Eine moderne Logistik muss nicht nur schnell, sondern auch nachhaltig sein.

Florent Dupré, Leiter des Hafens Villefranche-sur-Saône, bringt es auf den Punkt: „Wir wollten zeigen, dass wir bereit sind – dass wir es können.“ Und ja, sie können es wirklich.


Zukunft auf dem Wasser

Der Rhône ist kein Auslaufmodell – er ist ein Versprechen. Wenn Frankreich es schafft, dieses Potenzial auszuschöpfen, könnten andere Länder bald folgen. Die Vision ist klar: ein multimodales Logistiksystem, das Effizienz und Nachhaltigkeit vereint. Die Realität? Noch im Aufbau – aber sie schwimmt bereits.

Von C. Hatty

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