Aktuell · 05.07.2026 10:25
RN demonstriert Geschlossenheit in Liévin – drei Tage vor Berufungsurteil in Assistentenaffäre
Marine Le Pen und Jordan Bardella traten in Liévin demonstrativ vereint auf. Der Auftritt fällt kurz vor der Entscheidung der Cour d'appel de Paris zur Affäre um mutmaßlich falsch abgerechnete EU‑Parlamentsassistenten.
Liévin – 05.07.2026: In Liévin im Pas-de-Calais haben Marine Le Pen und Jordan Bardella am Samstag vor mehreren Hundert Anhängern Einigkeit beschworen. Bei der als „fête champêtre“ angekündigten Parteiveranstaltung des Rassemblement national (RN) betonten beide ihre gegenseitige Loyalität – ein Auftritt mit Signalwirkung drei Tage vor der erwarteten Entscheidung der Cour d'appel de Paris in der sogenannten Assistentenaffäre. Die Richterinnen und Richter wollen am 7. Juli 2026 ihre Entscheidung verkünden. Sie betrifft Berufungen im Verfahren um mutmaßlich missbräuchlich abgerechnete Beschäftigungen von Assistentinnen und Assistenten im Europaparlament durch frühere Strukturen des damaligen Front National.
Der Zeitpunkt des gemeinsamen Auftritts ist politisch kalkuliert. In der Partei gilt die juristische Hängepartie als potenzieller Störfaktor für die strategische Aufstellung in Richtung Präsidentschaftswahl 2027. Beobachter sehen in der öffentlichen Solidaritätsadresse ein Bemühen, mögliche Spannungen zwischen der dreimaligen Präsidentschaftskandidatin Le Pen und RN-Parteichef Bardella zu überdecken. Beide versuchen, das Bild einer geschlossenen Führung zu vermitteln, unabhängig vom Ausgang der Entscheidung in Paris.
Inhaltlich blieb die Ansprache in Liévin weitgehend auf symbolische Botschaften fokussiert: Geschlossenheit, Kontinuität und Mobilisierung der Kernwählerschaft in einem der historischen Hochburgen des RN im Norden Frankreichs. Die Veranstaltung knüpfte an wiederkehrende Formate der Partei an, bei denen Führung und Basis in lockerem Rahmen zusammenkommen. Aus dem Umfeld der Organisatoren hieß es, die Resonanz sei solide gewesen; konkrete Zahlen wurden nicht genannt.
Die Affäre selbst reicht mehrere Jahre zurück. Ermittlungen hatten geprüft, ob parlamentarische Assistenztätigkeiten im Europäischen Parlament korrekt abgerechnet wurden oder ob Parteiarbeit in Frankreich über EU-Mittel finanziert worden sein könnte. Der Berufungstermin in Paris soll klären, inwieweit frühere Verurteilungen oder Freisprüche Bestand haben. Juristisch bleibt bis zur Urteilsverkündung offen, welche Folgen sich für einzelne Beteiligte und für die Partei ergeben könnten.
Für Le Pen und Bardella steht mehr als eine juristische Etappe auf dem Spiel: Der RN will den jüngsten Umfrageauftrieb politisch nutzen und zugleich interne Rivalitätsnarrative kleinhalten. Die Botschaft aus Liévin lautet daher, dass Personalfragen hinter dem gemeinsamen Ziel zurückstehen sollen. Wie tragfähig diese Geschlossenheit wirkt, dürfte sich nach der Entscheidung der Cour d'appel zeigen – und daran, ob die Partei ihr strategisches Programm ohne neue Störgeräusche weiter präsentieren kann.
Quellen
- Le Parisien
- Mediapart
- Euronews
- Le Monde