SAMSTAG, 11. JULI 2026 Anmelden / Beitreten Mitgliedskonto
Zurück

Alle Artikel · 22.03.2025 08:31

Salers & Tournemire: Zwei Dörfer wie aus dem Bilderbuch

Frankreich ist voller Überraschungen – doch kaum etwas bereitet einen auf die stille Schönheit von Salers und Tournemire im Département Cantal vor. Zwei Dörfer, die nicht größer als ein paar Straßenzüge sind, aber Geschichten...

Frankreich ist voller Überraschungen – doch kaum etwas bereitet einen auf die stille Schönheit von Salers und Tournemire im Département Cantal vor. Zwei Dörfer, die nicht größer als ein paar Straßenzüge sind, aber Geschichten erzählen, die tiefer gehen als manch monumentale Stadt.

Hier weht der Wind nicht nur durch die engen Gassen – er trägt auch Jahrhunderte von Geschichte mit sich.


Salers: Vulkanstein, Käse und Charakter

Schon die Anfahrt nach Salers ist ein Erlebnis für sich. Die Straße schlängelt sich durch grüne Hügellandschaften, durchzogen von Lavagestein und kleinen Kuhweiden. Und dann – plötzlich – erhebt sich das Dorf wie aus dem Nichts auf einem felsigen Vorsprung.

Fast schon dramatisch liegt es da, umgeben von Bergen, mit seinen dunklen Häusern aus Basalt und den typischen Dächern aus Schiefer. Man könnte meinen, ein Filmteam hätte die Kulisse aufgebaut. Hat es aber nicht – das hier ist echt.

Die Altstadt von Salers wirkt wie eingefroren in der Zeit. Wer durch die Rue des Nobles schlendert, wird von beeindruckenden Herrenhäusern begrüßt, teils mit Wappen, steinernen Türmchen und kunstvoll verzierten Türen. Kein Wunder, dass hier im 15. und 16. Jahrhundert die lokale Oberschicht residierte.

Doch Salers ist nicht nur ein Museum. Hier lebt man. Und isst. Im Herzen des Dorfes liegt ein kleiner Platz mit Brunnen, Cafés und Läden, in denen man die berühmten regionalen Produkte findet: den Salers-Käse, hergestellt aus der Milch der robusten Salers-Kühe, und Cantal-Käse in allen Reifestufen. Wer mag, probiert sich durch – und das sollte man auch.

Gleich hinter dem Dorf führt ein Wanderweg Richtung Barrouze-Plateau. Oben angekommen, eröffnet sich ein Ausblick, der einem den Atem raubt: Weite Wiesen, im Hintergrund die Monts du Cantal, und manchmal sogar ein Hauch Nebel, der alles wie eine mystische Landschaft wirken lässt.


Tournemire: Märchenhafte Stille und das Erbe der Ritter

Etwa 40 Autominuten südlich liegt Tournemire. Ein Dorf, das man leicht übersehen könnte – wenn es nicht zu den offiziell schönsten Frankreichs zählen würde. Und das zu Recht.

Tournemire ist kleiner, intimer als Salers. Doch sobald man den Ort betritt, fühlt es sich an, als hätte jemand das Mittelalter konserviert. Die Häuser, ebenfalls aus dunklem Vulkangestein, schmiegen sich eng aneinander. Die Blumen an den Fenstern sind kein Touristenkitsch – sie wachsen hier einfach, wie eh und je.

Unübersehbar thront über dem Dorf das Château d’Anjony. Ein wuchtiger Bau mit vier runden Türmen, der aussieht wie aus einem Fantasyfilm. Und das Beste: Man kann ihn besichtigen.

Die Führung durch das Schloss ist ein Highlight – denn hier wird nicht einfach nur durch Räume gelaufen. Nein, die Geschichte lebt. Man erfährt von den Anjony und den rivalisierenden Tournemire-Familien, die sich im Mittelalter blutige Auseinandersetzungen lieferten. Der Donjon, einst zur Verteidigung errichtet, erzählt von dieser Zeit. Und: Das Schloss wird noch immer von Nachfahren der Erbauer bewohnt. Schon irgendwie verrückt, oder?

Wer nach der Besichtigung durch das Dorf spaziert, findet kleine Details, die das Herz höherschlagen lassen: kunstvoll gearbeitete Türknäufe, winzige Gärten hinter Steinmauern, Brunnen, aus denen das Wasser seit Jahrhunderten plätschert.


Zwischen den Dörfern: Ein Weg durch Ruhe und Weite

Wer genug Zeit mitbringt, sollte nicht nur von einem Dorf ins nächste fahren, sondern wandern. Es gibt Wege, die durch Wälder, Felder und über Hügel führen – dabei begegnet man vielleicht einer Herde Salers-Rinder oder einem alten Bauern, der gerade Heu wendet. Es sind diese zufälligen Begegnungen, die einem das Gefühl geben, mehr als nur Tourist zu sein.


Essen, wie es ehrlicher kaum geht

In beiden Dörfern gibt es einfache, aber gute Restaurants. In Tournemire sollte man das „Le Relais de Tournemire“ probieren – rustikale Küche, Pounti inklusive. Dieser herzhafte Kuchen mit Schweinefleisch und Mangold ist typisch für die Region – aber bitte: nur mit der grünen Blattseite der Blette (Mangold), das sagen hier alle mit einem Lächeln und einem Augenzwinkern.

In Salers lohnt sich das „La Table de Félix“ – hier wird regionale Küche auf moderne Weise serviert, aber immer mit Herz.


Und wenn man wieder geht…?

Dann nimmt man etwas mit. Vielleicht ein Stück Käse. Vielleicht eine Flasche Gentiane, ein bitterer Kräuterlikör aus der Region. Vielleicht einfach nur das Gefühl, zwei Orte erlebt zu haben, die mehr über das wahre Frankreich erzählen als viele große Städte zusammen.

Salers und Tournemire sind wie zwei alte Freunde, die viel erlebt haben – und bereit sind, ihre Geschichten zu teilen. Man muss nur zuhören.

Ein Reisebericht von V.O.Yager

Nachrichten per E-Mail erhalten

Mit dem kostenlosen Mitgliedskonto von France Premium legen Sie fest, welche Hinweise Sie per E-Mail bekommen möchten: sofort bei wichtigen Meldungen oder als ruhige Tageszusammenfassung.

  • News und Tageszeitung nach Ihren Interessen
  • Wetter- und Verkehrshinweise für gewählte Regionen
  • Fußball-Liveereignisse zu ausgewählten Teams
  • Rezepte, Kultur, Veranstaltungen und Premium-Hinweise
Newsletter bestellen

Die Anmeldung ist kostenlos. Sie können Ihre Auswahl jederzeit im Mitgliedskonto ändern oder abbestellen.