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Alle Artikel · 02.07.2025 06:26

Savoie: Wenn ein tosender Himmel ganze Täler verschlingt

Es war ein Montagabend, der sich in die kollektive Erinnerung der Maurienne einbrennen wird. Am 30. Juni 2025 traf die französische Alpenregion im Departement Savoie ein Unwetter, wie es die Menschen dort seit Jahrzehnten...

Es war ein Montagabend, der sich in die kollektive Erinnerung der Maurienne einbrennen wird.

Am 30. Juni 2025 traf die französische Alpenregion im Departement Savoie ein Unwetter, wie es die Menschen dort seit Jahrzehnten nicht erlebt hatten. Gewaltige Gewitter verwandelten das sonst so idyllische Tal der Maurienne in eine tobende Wasserhölle. Binnen weniger Stunden trat der Torrent du Charmaix über die Ufer, riss alles mit sich und hinterließ eine Schneise der Verwüstung, die man laut Präfektur Savoie seit 70 Jahren nicht mehr gesehen hat.

Die Bilder aus Modane und Fourneaux sprechen für sich: Autos halb im Wasser versunken, Schlammmassen, die sich ihren Weg durch Keller und Straßen bahnen. Wer denkt, 50 Zentimeter Wasser seien harmlos, irrt gewaltig – für viele Bewohnerinnen und Bewohner bedeutete es den Verlust eines Teils ihres Lebens.

https://twitter.com/Ctpjano/status/1940289676109369519

Ein Fluss wird zum reißenden Monster

Es war gegen späten Nachmittag, als der Regen nicht mehr aufhören wollte.

Innerhalb kürzester Zeit füllte sich der Torrent du Charmaix bis zum Bersten. Das Wasser schoss mit solcher Wucht ins Tal, dass Modane und Fourneaux im Nu untergingen. Ganze Straßenzüge standen bis zu 50 Zentimeter unter Wasser, mehr als 50 Keller liefen voll. Türen und Fenster hielten dem Druck nicht stand, Habseligkeiten schwammen in schlammiger Brühe davon.

Die Feuerwehr evakuierte über 15 Menschen, darunter ältere Bewohner, die kaum noch selbstständig gehen konnten. Für sie waren die örtlichen Festsäle die rettende Zuflucht – wenigstens für eine Nacht, in der sowieso niemand ruhig schlief. In Fourneaux blieb die Grundschule am Dienstag geschlossen. Auch dort war das Wasser eingedrungen und hatte Klassenzimmer unbenutzbar gemacht.

https://twitter.com/ledauphine/status/1940179290122797144

Neben den Häusern traf die Naturgewalt auch die Verkehrsadern mitten ins Mark.

Die beiden wichtigen Departementsstraßen D215 und D1006 waren nicht mehr passierbar. Schlammlawinen, Geröll und aufgerissener Asphalt schnitten Modane faktisch von der Außenwelt ab. Noch gravierender war die Situation für den internationalen Verkehr: Sämtliche Zugverbindungen zwischen Frankreich und Italien wurden auf unbestimmte Zeit eingestellt.

Und als wäre das nicht genug, wütete das Unwetter auch in Saint-Colomban-des-Villards. Hier trat der Torrent du Glandon über die Ufer und überflutete die D927, was den Verkehr auf die Ausweichroute D926 zwang. Ein logistischer Albtraum in einer Region, die stark vom Transit lebt.

„Ich habe nichts mehr“

Doch die wahren Narben bleiben in den Herzen der Menschen zurück.

Eine Frau aus Fourneaux rang unter Tränen nach Worten: „Ich habe nichts mehr. Kein einziges Erinnerungsstück – keine Fotos von meinen Eltern, keine von meinen Kindern, als sie klein waren.“ Ihr Blick leer, so wie ihre Wohnung.

Der Bürgermeister der Gemeinde wirkte gefasst, aber seine Stimme bebte, als er betonte, dass solche Katastrophen längst keine Einzelfälle mehr seien. Früher, sagte er, war so etwas vielleicht einmal im Jahrhundert zu erwarten. Heute? Keiner wagt mehr zu hoffen, dass es wieder 70 Jahre dauert.

Der Tod kam aus dem Strom

Während in der Maurienne die Aufräumarbeiten begannen, erreichten traurige Nachrichten auch aus dem benachbarten Italien die Region.

In Bardonecchia, jenseits der Grenze, wurde ein 70-jähriger Mann vom plötzlich anschwellenden Fluss erfasst. Er hatte versucht, seine Fahrzeugtür zu öffnen, als ein Schwall aus Wasser und Schlamm ihn mitriss. Rettungskräfte bargen ihn schwer verletzt, doch er erlag seinen Verletzungen. Eine Tragödie, die die ohnehin schon düsteren Stunden überschattete.

Der Klimawandel – nur eine ferne Theorie?

Dieses Unwetter war kein einmaliges Naturereignis.

Es war ein gewaltiger Weckruf. Denn Wetterextreme wie diese nehmen zu – nicht nur irgendwo in der Welt, sondern direkt vor unserer Haustür. Die Wissenschaft warnt seit Jahren, dass steigende Temperaturen nicht nur Hitzewellen bedeuten, sondern auch eine Zunahme heftiger Regenfälle und Sturzfluten.

Müssen wir erst erleben, dass Dörfer untergehen, bevor wir endlich handeln?

In der Maurienne beginnt jetzt ein langer Weg des Wiederaufbaus. Straßen, Gleise, Brücken und Häuser lassen sich reparieren. Doch das Vertrauen in die Stabilität der Natur – das ist es, was viele verloren haben. Die Frage bleibt: Werden wir in Zukunft besser vorbereitet sein, wenn Himmel und Erde wieder ihre ganze Kraft entfesseln?

Von C. Hatty

https://twitter.com/Ctpjano/status/1940289030857662785

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