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Alle Artikel · 04.04.2022 14:02

Savon de Marseille – auch aus der Türkei!

Benutzt du manchmal Savon de Marseille, die bekannte Seife aus Südfrankreich? Dann schätzt du vielleicht, was sie so besonders macht: Es ist das Olivenöl, das zur Herstellung verwendet wird. Die Seife hat einen großen...

Benutzt du manchmal Savon de Marseille, die bekannte Seife aus Südfrankreich? Dann schätzt du vielleicht, was sie so besonders macht: Es ist das Olivenöl, das zur Herstellung verwendet wird. Die Seife hat einen großen Reinigungseffekt und ist gut für die Haut, sie soll unter anderem eine desinfizierende Wirkung haben. Auch zum Waschen von Wäsche wird sie benutzt, speziell bei Personen mit Allergien.

Zwischen Seifen bestehen große Unterschiede. Seifen werden aus Ölen und Fetten hergestellt, die entsprechende Auswirkungen auf ihre Eigenschaften haben. Ebenso spielt es eine Rolle, ob eine Seife industriell oder traditionell gefertigt wird.

Die Bezeichnung Savon de Marseille bezieht sich nicht auf eine kontrollierte und geschützte Herkunft. Sie entspricht einer bestimmten Fabrikationsmethode. Dahinter steht ein Rezept, durch das ein natürliches Produkt entsteht. Traditionell wird sie ausschließlich mit Olivenöl, ohne Beigabe von anderen – vor allem tierischen – Fetten, hergestellt. Das wurde 1688 zu einer gesetzlichen Vorschrift, deren Einhaltung die Qualität der Seifen garantierte und noch heute die Grundlage des Renommees der Savon de Marseille bildet.

Die Savon de Marseille hat ihren Ursprung in der Aleppo-Seife aus Syrien. Das uralte Rezept hat sich im Lauf der Zeit über weitere Mittelmeerländer verbreitet und erreichte auch Marseille, das zu einem Mittelpunkt der Seifenherstellung wurde.

Ab 1820 kamen neue Fette auf den Markt. Über den Hafen von Marseille fanden Palmöl, Erdnussöl, Sesamöl aus Afrika und dem Mittleren Osten ihren Weg nach Frankreich und wurden nun auch zur Seifenproduktion verwendet. Damit wuchs aber auch die Konkurrenz. Die Marseiller Seifenfabriken mussten sich nun behaupten gegen Hersteller, die dann nicht nur Pflanzenfette verwendeten, sondern auch Talg, was die Seifen billiger machte.

Zu Beginn des 2. Weltkriegs stammte immerhin noch die Hälfte der französischen Produktion aus Marseille. Aber dann kamen die synthetischen Reinigungsmittel auf den Markt, die die Seifen verdrängten. Eine nach der anderen der Marseiller Seifenfabriken musste die Tore schließen.

Heute sind es in der Region um Marseille nur noch fünf Fabriken, die die Seife noch gemäß dem alten Rezept herstellen. Sie decken mehr als 30 % des nationalen Bedarfs.

Ein neueres Gesetz (von 2003) schreibt für Seifen, die sich Savon de Marseille nennen dürfen, eine ganz bestimmte Qualität vor, sie dürfen zum Beispiel keine Farbstoffe und nur ganz bestimmte Zusatzstoffe enthalten. Auch die Verwendung der Fette und Öle ist darin neu, etwas lockerer, geregelt.

Eine Savon de Marseille muss also tatsächlich nicht in Marseille hergestellt sein, um sich so nennen zu dürfen, muss aber gemäß der gesetzlichen Regelung eine ganz bestimmte Fabrikationsmethode, nämlich die sogenannte Marseiller Methode der Seifenherstellung, durchlaufen.

Und so kommt es, dass man heute Savon de Marseille kaufen kann, die nach der Marseiller Methode, aber im Ausland produziert ist. China und die Türkei sind die größten Hersteller von Savons de Marseille.

Eine traditionell hergestellte, "echte" = véritable savon de Marseille ist an vier Charakteristika erkennbar: An der Würfelform, an der Farbe (bräunlich-grünlich oder weiß), sie muss auf allen sechs Seiten einen Abdruck haben (s. Foto), und sie darf nicht mehr als sechs natürliche Zutaten enthalten.

Der Sauberkeit steht damit nichts im Wege!

Deine Elisa

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